Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,1
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1889/589/
554 
Anhang. 
Als vereinzelte Erscheinung mag noch gleich hier dem Ganzen vorausgeschickt werden 
die einzige bis jetzt im Lande bekannte Spur eines römischen Bildhauers in 
dem Zeichen Fig. 1, das wir im Lapidarium zu Stuttgart auf dem bei Fellbach 
gefundenen Mithrasstein antreffen. 
I. Fürstliche Baumeister und Bildhauer, sowie die in den zwei 
Hauptresidenzen des Landes und die unter der Oberleitung jener 
im Neckarkreis thätigen. 
Die erste Spur eines fürstlich württembergischen Baumeisters fällt mit der 
Erwählung Stuttgarts zur bleibenden Residenz und der Verlegung des Beutels 
bacher Stifts in die dortige Stadtkirche durch Gras Eberhard den Erlauchten im Jahr 
1321 zusammen. An dem in diesem Jahr bereits im Gang befindlichen Ban des 
Chores der Stiftskirche, am Aufbau des fünften Geschosses an ihrem Südturm, sowie 
am Bau der Türnitz des alten Schlosses haben wir den 1330 genannten Steinmetzen 
Walther von Stuttgart thätig zu denken. Eine zweite Spur eines gräflichen 
Baumeisters bietet fast 100 Jahre später die Nennung eines Jörg 1419 als „des 
von Württemberg Meister". Er mag den damals beschädigten Chor der Stiftskirche 
in Stuttgart wieder aufzuführen gehabt haben. 
Nachdem Hans von Böblingen (s. Eßlingen) vorübergehend um 1439 im gräf 
lichen Dienst irgendwie verwendet gewesen war, tritt uns in Meister Albrecht Georg 
(Aberlin Jörg) von Stuttgart der Mann entgegen, den wir als den eigentlichen 
Gründer einer württembergischen Bauschule zu bezeichnen haben. Von ihm, vermutlich 
einem Sohn des genannten Jörg, finden sich Spuren von 1443 an bis zu seinem Tode 
im Jahr 1492. Sein Bildnis neben dem von drei Gehilfen scheint an der Empore 
Graf Ulrichs des Vielgeliebten in der Spitalkirche (von 1479) uns aufbehalten zu sein 
(s. S. 537). Sein eigenartiges Meisterzeichen ist das sogen. Sternen- oder Schuppen 
wappen (Fig. 2). Er ist Baumeister des Grafen Ulrich des Vielgeliebten und daher vorzugs 
weise in dem bei der Teilung diesem zugefallenen Stuttgarter Landesteile thätig. Sein 
Werk ist vor allem der 1436 begonnene, erst nach seinem Tod zum Abschluß gekommene 
Umbau der Stiftskirche, der Bau der Leonhardskirche 1470—1474 und der Spital 
kirche in Stuttgart (1471—1493). Im Lande herum hat er gebaut: die Stadt 
kirche in Balingen mit eigentümlicher, schon vor ihm begonnener Chorturmanlage, 
die Kirche in Dettingen, O.-A. Kirchheim (nach 1444), die Alexanderskirche in 
Marbach (1450—1481), bereit reicher Statuenschmuck großenteils aus seine Hand 
zurückgehen wird, die Enzbrücke bei Bietigheim (1456—1467) — der hier und 
sonst genannte Meister Eberlin muß nämlich wohl mit unserm Aberlin Jörg identisch 
sein —, die Stadtkirche in Wildberg (von 1467 an), die in Cannstatt (1471 — 1506), 
Chor und Seitenschiffe der in Markgröningen (um 1472), einen Kreuzgang am 
Nonnenkloster in Laufsen a. N. (1474—1476), die Kirchen zu Aidlingen, O.-A. 
Böblingen (um 1487) und zu Münchingen, O.-A. Leonberg (1488). In der 
späteren Zeit, zumal seit Gras Eberhard im Bart 1483 seinen Uracher Baumeister 
mit nach Stuttgart gebracht hatte, scheint übrigens Albrecht Georg meist außerhalb 
der damaligen Grafschaft thätig gewesen zu sein. Wahrscheinlich schon die 1473 
erfolgte Vollendung des Kapellenkirchenturms in der Reichsstadt Rottweil, jeden-
        

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