Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

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Neckarkreis. Oberamt Besigheim. 
und enthalten kuppelgewölbte Gelasse. Ihr rnndbogiger Eingang, 11 m über der 
Stbe, führt in ein Geniach, worin ein Kamin auf romanischen Sänken ruht; von hier 
an geht eine Wendeltreppe in der Mauerdicke hinauf. Diese mißt beim unteren Turm 4 in, 
ganz oben m. Der Durchmesser beträgt beim oberen Turm ll 1 /* m, beim unteren 
12 i/ 2 m, die Höhe beinahe das Dreifache des'Durchmessers. Beide Türme sind so 
gewaltig und sind so sorgfältig gebaut, daß man sie lange Zeit für Römertürme aus 
gab. Zahlreiche Steinmetzzeichen an den schönen aus Lettenkohlensandstein hergestellten 
Buckelquadern, darunter auch der badische Wappenschild. Beide Türme sind noch 
ganz gut erhaltend ein Wunder dem Anblick, die Bnckelsteinverkleidung hat nur aus der 
Wetterseite etwas gelitten, — und müssen in ihrer großartigen Anlage lind der kunst 
gerechten Ausführung zu den schönsten Baudenkmälern der mittelalterlichen Kriegs- 
bankunst gezählt werden. (X.) Die schon genannten Bergfriede von Reichenberg und 
Ebersberg (Oberamt Backnang) lassen dieselben Bauherren und Werkfiihrer voraussetzen. 
Dieselbe Massenhaftigkeit der Anlage der Türme, dieselbe runde Grundform, dieselben 
Steinmetzzeichen. Schon zu Anfang des 12. Jahrhunderts gehört das Murrthal mit 
dem Stift Backnang den Markgrafen von Baden, ebenso kommt schon im Jahr 1153 
die Stadt Besigheim, ursprünglich Reichsgut, in ihren Besitz. —• Auch die Vorstädte 
von Besigheim hatten Mauern, s. Abb. S. 64. Runder Wartturm auf der kahlen 
südöstlichen Anhöhe. Die sehr malerisch sich aufbauende Otadt hat noch manche alter 
tümliche Häuser, mit hübschem Holz- und Steinbau, und oftmals dem badischen Wap 
pen. Erst 1595 kommt die Stadt von Baden an Württemberg. 
Die ev. Stadtkirche zum heiligen Nikolaus, Martin und Katharina, ist hoch 
und malerisch über dem Neckar beim oberen Turm gelegen; das Schiff erneuert, an 
der Nordwcstecke 1448, an der Sakristei 1545, am Turm 1685. Der 1383 ein 
geweihte Chor noch alt und streng, hochschlank, mit Strebepfeilern, jetzt maßwerklosen 
Spitzbogenfenstern und mit Rippenkreuzgewölben: Turm nördlich am Chor, am Lang 
haus netzgewölbte Seitcnkapelle. Im Chor prachtvoller Schnitzaltar aus dem An 
fang des 16. Jahrhunderts, unbemalt, 42 Fuß hoch, stolz aufgebaut mit zahlreichen 
Rundffguren, Reliefs ans den Flügeln, und mit überaus reichem und geschmackvollem 
Laubwerk, neustens wiederhergestellt. Im Mittelschrein groß in runden. Figuren die 
Hinrichtung der heiligen Katharina, zu Seiten Johannes Ev., Martin, Johannes d. T., 
Georg, oben Christus als Weltrichter mit Maria und Johannes, auf den Flügeln 
Verkündigung und Anbetung der drei Könige, Geburt Christi und Flucht nach Ägypten. 
Dekanathaus 1572. Rathaus 1459, altertümlich und hochgiebelig mit großen Stein 
kugeln im Mauerwerk aus der westlichen Stadtmauer ragend; über dem Eingang 
sieht man das badische Wappen, innen noch Spuren von Wandmalereien. Ter Markt- 
brunnen, 16. Jahrhundert, trägt das Standbild eines Markgrafen. Die obere 
Enzbrücke wird 1581 durch Martin Metzger aus Stein erbaut. In einem Haus 
beim Marktplatz römisches Flachrelief, spielende Kinder. Südwestlich auf der Höhe links 
der Enz, im Rossert, römisches Schanzwerk mit Gebäuden und Stempeln der 8. Legion. 
Mietigheim (Budincheim 78st). 
^ Wappen der Stadt ist ein silberner runder Turm mit Zinnen, im roten 
^eld. Von der Ummauerung der eng zusammengebauten Stadt sind noch Reste vor-
	        

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