Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

86 Schwarzwaldkreis. Oberamt Freudenstadt. 
lichen Thor springt zn seinem Schutz ostwärts ein flankierendes Rechteck, mit 3V 2 bis 
4V 2 Fuß dickem Gemäuer, vor, an seinem östlichen Ende noch durch ein Halbrundes 
Erdwerk abgeschlossen. Der Zugang war also Wohl behütet. 
Die Ausgrabungen ergaben an der schmälsten östlichen Seite eben die Grund- 
mauern des Thors mit Turm dahinter und je einen schiefen Turm an den Ecken, 
weiterhin zeigten sich hinter der Mauer im Wall steinerne Bettungen, Geschützstände, 
weitere Ausgrabungen werden auch weitere Türme bringen. Die Untersuchung der 
Schutthaufen im Innern ergab bis jetzt nur Gemäuer und Geschirr aus dem Mitteb 
alter, dazwischen aber etwa zwölf wohlgebildete Trichtergruben. Von römischen 
Scherben fast nichts - und doch ist die ganze Anlage, sowie die Umfassungsmauer 
echt römisch. Es scheint, daß dieses auf dem Weg zwischen den alten Keltenstädten 
Kottweil und Rottenburg, Brigobanne und Sumelocenna neu von den .Flaviern um 
das Jahr 85 gegründete „Arae Flaviae“ niemals in seinem Kastell bezogen worden iß. 
Um die Ringmauer läuft ein noch schön erhaltener Wall mit Graben, der sich an 
der Thorseite zu einem eigenen schmalen viereckigen Vorwerk zusammenzieht, aus der 
andern Seite gegen das Glattthal hin in weitem Bogen ziemlich tief unter der Ring 
mauer die halbrunde Bergzunge umfaßt. Hier im Bogen ist die Kastellmauer 7 Fuß 
dick und wohl erhalten, sodaß durch ihre Bloßlegung ein trefflicher Anblick römischen 
Mauerwerks mit langen niedrigen Bundsandsteinquaderschichten erreicht würde. 
Daß Arae Flaviae ein sehr wichtiger und von den Römern vortrefflich ge 
wählter Platz ist, beweisen auch die in seiner Nähe sich kreuzenden Römerstraßen. 
Bei Arae Flaviae gehen die beiden großen Straßenstrünge auseinander; der eine, 
die sog. Peutinger Straße, kommt von Vindonissa in der Westschweiz, führt bei 
Zurzach über den Rheinstrom, betritt bei den Quellen des Neckars unser Land, ziehl 
nach Rottweil und von da immer links des Neckars auf der Höhe, und nur einmal 
ein Thal, eben das Glattthal überschreitend nach Rottenburg, s. auch oben S. 10. 
Von dieser Straße geht bei Arae Flaviae der andere Straßenstrang, als Ver 
bindung zwischen Rottenburg und Straßburg, westlich weiter über Wittendorf nach 
dem nur zwei Stunden entfernten Loßburg zu den Kinzigquellen und das den ganzen 
Schwarzwald durchsetzende Kinzigthal hinab nach Straßburg ini Elsaß, damals schon 
ein Hauptmasten- und Handelsplatz. Und eben bei Loßburg sind wieder ausgedehnte 
Befestigungen der Römer. Es ist eine große Erdschanze, deren Hingebung unter 
Wasser gesetzt werden konnte und welche innen einen hohen Burgstall enthielt. Ein 
weiterer lag außerhalb, jenseits des Grabens. 
Und ähnlich wieder, wie bei Arae Flaviae, lag ein römischer Bürstel, für 
Wachposten, und zwar bei dem nahen nördlich von Loßburg gelegenen Rodt, in einem 
sanften Wiesenthälchen eine viereckige mit Graben umgebene Schanze, in deren Mitte 
ein jetzt abgetragener Hügel stand. 
^ Römische Niederlassungen fand man bis jetzt in Unter-Jflingen, ferner bei 
^chopfloch und bei Aach. Außer den schon genannten Römerstraßen kommt eine von 
Pforzheim her und läuft südlich auf der Höhe zwischen den Thälern der Enz und 
Murg über Freudenstadt nach Loßburg, s. auch im Oberamt Oberndorf. Ale in a n n i s ch e 
Reihengräber fand man bis jetzt in und bei Ober-Jflingen und bei Schopfloch (M). 
ier vornehmste Besitzer in dieser Gegend war das Reich und der Schwarzwäld
	        

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