Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,2
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1897/15/
Einleitung. 
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stiften sie schon ums Jahr 830 ein Kloster mit Kirche, aber erst gegen das Ende 
des 11. Jahrh, erhebt sich durch Abt Wilhelm den Seligen zu Hirsau das dortige 
Benediktiiterkloster zu gewaltiger Macht und Größe, seine Bauschule errichtet sowohl 
in Hirsau selbst als auch weithin in halb Deutschland Kirchen und Klöster in deni 
strengen, sogenannten frühromanischen Stil, der an Klarheit der Anordnung, kühner 
Einfachheit der Formen und lichter Hoheit der Verhältnisse von keinem späteren mehr 
erreicht werden sollte. 
Im 12. Jahrh, tritt dann in unserem Kreis in der Baukunst eine gewisse Er 
schöpfung ein und erst zu Ende des 13. Jahrh, geben die beiden bedeutenden Reichs 
städte Reutlingen und Rottweil in der frühgotischen Kunst, in Bauwerken, Bildhauerei 
und Malerei den Ton an, daneben erscheint als wichtiger Mittelpunkt das große, 
starke Geschlecht der Pfalzgrafen von Tübingen, seit den Tagen der Hohenstaufen. 
Ihre Grablege im nahen Bebenhausen, noch in der Zeit des spätromanischen Stils 
gegründet, bleibt bis zum Ende des Mittelalters ein Pslegort kirchlicher Kunst, hat 
noch Prächtiges hinterlassen an Bauten, an Wand- und Glasgemälden, Holzschnitze 
reien und schön gemodelten Thonflicßen. Die Pfalzgrafen, deren Einfluß weit über den 
Schönbuch hinüberreichte, werden abgelöst und eingelöst von den Grafen von Hohen 
berg und vor allem von den Grafen von Wirtenberg, und so bleibt Tübingen ein 
Kunstmittelpunkt bis in die Renaissancezeit, daneben das gleichfalls den wirtenbergischen 
Grafen gehörige nahe Urach. 
Nach dem dreißigjährigen Krieg wird im ganzen Kreis wenig mehr geleistet, 
einiges noch in der katholisch gebliebenen Reichsstadt Rottwcil. Das Amt Rottweil 
bringt noch zu Ende dieser Zeit den berühmten Bildhauer Landolin Ohnmacht, geb. 
1760 in Dunningen, st zu Straßburg 1834, hervor. 
Hochwichtig sind die Altertümer des Kreises, vor allem die der schwäbischen 
Alb. Wie von einem untersinkenden Weltteil nur noch die höchsten Spitzen dämmrig 
umrissen emporragen und die Wolken des Himmels wie Geister längst erloschener 
Geschlechter traunihaft darüber hinziehen, so liegt vor unserem Auge noch die Welt 
der Ringwälle, Opferstätten, Grabhügel, Trichtergruben, Hochücker und Hochstraßen, 
Kunde gebend von längst vergessenen Volksstämmen, über welche die alles zerwaschende 
Hochflut des Zeitenstromes gegangen. In den Wäldern und auf den Bergheidcn 
der Alb starren noch die alten „Hünenringe", von Gestrüpp und grauem Moos über 
wachsen, empor, oft von staunenerregender Ausdehnung und Wallhöhe, deshalb vom 
Volk den Riesen zugeschrieben. Vom Hegäu und dem Dreifaltigkeitsberg bei Spai- 
chingen bis herab zum Hohenstaufen, zum Jpf bei Bopsingen und weiter im bayerischen 
Jura bis zum Hesselberg und den blanken Felshöhen des Hahnenkamms zeigen 
sich diese uralten Ringburgen, Opferstätten und die untrennbar damit verbundenen 
Grabhügel. Man stndet mächtige Vierecke, aus hohen Geröllwällen um die Felsen 
zackenkronen der Berge gereiht, oder Abschnittwälle von noch größerer Höhe, auf den 
schmälsten Teil der von Abgründen umstarrten Felsenzungen gelegt. Oft sind die 
Berge so steil felsig, daß kaum eine Verschanzung noch nötig war: weiter sehen wir 
freistehende, mehr weichgründige Berge, durch Menschenhand noch abgeschrofft und 
abgedreht, oben und noch tief unten mit Wällen und Gräben kunstvoll umkränzt, dem 
Angreifer turmhohe Böschungen darbietend. Die größten Werke haben wieder Vor-
        

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