Title:
Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis
Creator:
Paulus, Eduard
Shelfmark:
2Kb 939-Text,2
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/393080226_1897/16/
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Schwarzwaldkreis. 
luerfe, um die Zugänge und oft auch um die Quellen zu schützen, oder Nebenwerke, 
vorgeschobene Schanzenringe, um wirksame Hinterhalte und Flankendeckungen zu bilden. 
Waren die Ringwälle zugleich Opferstätten, so sind sie oben dicht mit Branderde und 
Scherben, auch mit zerstreuten Bcouzegegenständen bedeckt. Und wunderbar weit ist 
immer der Blick von diesen geheiligten Höhen an Schwarzwald, Unterland und bis 
an die Alpen. Neunen wir hier, auch über den Schwarzwaldkreis hinausgreifend, 
im Zusammenhang die wichtigsten dieser Werke. 
Die kühnsten und größten Ringburganlagen unserer Alb sind, von oben her 
gerechnet, soweit sie bis jetzt bekannt sind, auf der Nordseite: Dreifaltigkeitsberg, einst 
Baldenberg genannt, bei Spaichingen, Lochen, Gräbelesberg, Schalksburg bei Ba 
lingen, großer und kleiner Roßberg bei Gönningen, Heidengrabcn bei Neuffen und 
Erkenbrechtsweiler, dann die Teck und die Werke zu beiden Seiten des oberen Fils- 
thales, weiterhin Rosenstein und Hochberg bei Heubach, der Heidengraben bei Unter 
kochen, der Jpf bei Bopfingen, die schönste der Ringburgen und Opfcrstätten, auch 
mit prächtigen Trichiergruben rc. Das alles zieht sich, östlich vom Ries, in deni 
bayerischen Anteil der Alb, auf dein „Hahnenkamm" weiter. An der Südseite unserer 
Alb, dem Donauthale zu, erscheinen die allerkühnsten, meist aus Geröllwällen wild 
trotzig aufgetürmten Volksburgen. Von oben her gezählt: Altfridingen unterhalb 
Tuttlingen im Donauthal, die „Alte Burg" bei Wilflingen, halb preußisch, halb 
württembergisch, hier ist wieder ein ganzer großer Berg umgeformt zur Festung, die 
Heinebnrg bei Hundersingen, und die bei Upflamör, letztere die merkwürdigste von 
allen unseres Landes, mit 60—70 Fuß hohen Gcröllwällen, wie ein Klang aus der 
ältesten Edda hereinbrechend in unsere Zeit! Dabei die größten unserer Grabhügel, 
mit dem Hohmichele an der Spitze! Ähnlich wild Althapingen bei Jndelhausen 
und der dreifache Abschnittwall zwischen dem Lauterthal und dem Wolssthal, der 
Ringwall um das Rusenschloß bei Blaubeuren, der Buigcnberg bei Heidenheim an 
der Brenz, unb wohl der Hellenstein selbst. Manche Ringwälle sind auf der Alb 
noch zu entdecken, stecken oft auch noch in großartigen mittelalterlichen Burgen. Die 
Zeit der Entstehung dieser Werke mag von 800 vor Christi Geburt bis zur Römer 
zeit gehen. Von diesen, den Römern, wurden Ringwälle und Hochstraßen vielfach 
benützt, auf die Opferstätten stellten sie von ihren Tempeln; der Zug des rätischen 
Limes nimmt entschieden Bedacht auf die gewaltigen Ringburgen hinter ihm ans der 
Alb, vom Götterberg Hohenstaufen bis über den Götterberg „Hesselberg" hinaus. 
Auch an der „Neckarlinie" scheint nicht ohne Absicht bei Köngen ein Kastell gerade 
gegenüber der größten Ringwallbnrg der Alb, dem Heidengraben bei Neuffen er 
richtet worden zu sein. 
Ja, eine ganze, längst versunkene Welt öffnet sich vor unseren Augen, wenn 
wir die zahlreichen, zum Teil bald dreitausendjährigen Funde der Alb, aus Gräbern, 
heiligen Berge», Ringwällen und Trichtergruben anblicken, eine Welt, die dann durch 
spätere viel rohere Zeitläufte überschüttet worden, und nun endlich vor uns wieder 
emporsteigt, zusammenklingend mit den letzten verhallenden, unverständlich gewordenen 
Lauten einer längst verklungenen Sprache mächtiger, einst aus Hochasien nicder- 
gestiegenec lichtanbetender Völker. Bis ans die höchsten und rauhesten Höhen (bis 
1000 m hoch über dem Meer) zeigen sich diese Funde, von einer Pracht und einem
        

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