Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

200 
Schwarzwaldkreis. Oberamt Nürtingen. 
AoHLbevg. 
Ev. Kirche, 1768, an Stelle einer vom Kloster Zwiefalten im Jahr 1102 erbauten 
Nikolauskapelle. Abt Ulrich von Ztviefalten gründete hier eine kleine Propstei und 
schon Ortlieb von Zwiefalten rühmt 1135 den durch die Grafen von Achalm an das 
Kloster gekommenen Besitz überschwenglich wegen seines Frucht- und Weinertrags. 
Der jetzt meist mit kahler Heide bedeckte, von Basaltriffen durchsetzte Kvhlberg ist der 
größte erloschene Vulkan der schwäbischen Alb, trägt oben kohlschwarzen Boden mit 
den uralten schwarzen Scherben einer Opferstätte und bietet eine prachtvolle Aussicht 
in hoher, ernster, den Göttern genäherter Stille. Die gegenüberliegende Königsburg 
Neuffen zeigt sich von hier aus besonders groß und erhaben. 
Linsenkofen. 
Ev. frühgotische Kirche, das Langhaus 1604 erweitert. Der höhere rechteckige 
Chor hat Streben an den Ecken und ein Rippenkreuzgewölbe. Turm mit hohem 
Zeltdach von farbigglasierten Ziegeln. An der Südseite des Schiffes eine Inschrift- 
tafel, wonach durch Hans Holderrieth 1604 die Kirche erweitert ward, s. S. 192. 
Schönes großes Holzhaus mit Rosetten, unten am Bach. Trefflicher Wein. 
,,Z' Linsenhosen uffem Sand Wächst der best' im Oberland." Der Ort war nrachisch, 
später neuffenisch. 
WeckcrrtenzLingen. 
Schöne, spätgotische ev. Kirche zur heil. Maria, am westlich stehenden Turm 
die Jahreszahl 1518; derselbe hat unten eine gewölbte Vorhalle, oben Maßwerk 
fenster und ein zierliches, mit Eckfialen und Giebelblumen geschmücktes Satteldach. 
Den Chor deckt ein auf grotesken Fratzenköpfen ruhendes Sterngewölbe: aus den 
Schlußsteinen St. Maria itnb Martin. Das Rippengewölbe der Sakristei ruht gleich 
falls auf Fratzen, im Schlußstein Ecce liomo, die Arme ausbreitend. Einfach 
hübscher, achteckiger gotischer Taufstein; Grabdenkmale mit Ritter- und Frauenfiguren, 
1502—1614, derer von Neckarburg; ihr Wappen auch am Chorgeivölbe. — Sakristei 
kasten, 1682. Pfarrhaus mit Renaissance-Eingang, mit 1632 und einem Meisterzcichen. 
Weckrcrr'tlöcriLfirrgen (Tagelvingen (090). 
Im schönen Kirchhof die frühromanische, höchst merkwürdige ev. Kirche zum 
heil. Martin. Um 1080 geben die Grafen von Achalm die halbe Kirche und Güter 
dem Kloster Hirsau, also zu Zeiten Abt Wilhelms des Seligen, und es unterliegt 
wohl keinem Zweifel, daß die jetzt noch stehende dreischissige Säulenbasilika (X) nach 
den Entwürfen dieses großen geistlichen Baumeisters erbaut worden ist. Hiesür 
spricht sowohl der geniale Grundriß, als die hochstrcugen und edlen, ans das ein 
fachste Maß zurückgeführten Bauformen, so daß man nimmer müde wird, diesen Formen 
und ihren klangvoll-edlen Verhältnissen zu lauschen. Im Westen führt eine tonnen 
gewölbte Vorhalle zwischen zwei (jetzt abgestumpften» rechtkantigen Türmen durch 
das dreimal abgetreppte Rundbogenportal, in das hochschlanke, von hohen glatten
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.