Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Nürtingen. 
form mit Rundsäulen und noch einmal so hohem slachgedccktcm Mittelschiff, an den 
Kapitalen und Konsolen noch ein Nachwirken der althergebrachten Zierkunst, an Fenster 
maßwerken und Portalen zum Teil schon die flüssige Reutlinger Gotik. — An der 
Stadtkirche zu Owen, die wir des Zusammenhangs wegen hier kurz berühren, tritt ein 
Baumeister aus, der den Bau der Heiligkreuzkirche in Schlväbisch Gmünd, durch 
Heinrich Parler von Boulogne 8ur mer begonnen nach 1330, emsig studiert haben 
und, mit seinem eigenen Wissen verbunden, das Langhaus der Stadtkirche in Owen 
entworfen haben muß. Auch er brachte die drei Schiffe unter ein Dach, stellte 
schlanke Rundsäulen in die Arkaden und gab der Westfassade dieselbe turmlose, breite, 
mächtige, durch wagrechte Blätterstreifcn geteilte, durch Rundfenster belebte Dreiecks 
gestalt, wie in Gmünd. Einige der Rundsäulen haben die niedrigen Blätterkapitäle 
ganz wie dort, andere noch wild sich bekämpfende Drachen und Vögel. So bilden 
die Stadtkirchen zu Neuffen und Owen die Brücken mm der „alten zur neuen" Weise. 
Zu vergessen ist nicht, daß ans dem Geschlecht der Herzoge von Teck Bischöfe 
in Straßburg saßen: von dort aus gingen, wie auch von den Pariern in Gmünd, — 
aus des großen Erwins Schule Strahlen nach Owen (Chor) und Reutlingen hin. 
An der mit schönem Portal und Fenster (K) belebten Westsassade zeigt die 
oben an ihr in den Verputz gegrabene Jahreszahl (mit arabischen Zahlen) 1358 
ohne Zweifel die Erbauungszeit der Kirche an. Neben der Westseite der große, 
sehr schöne Olberg, mit der Inschrift: Aberlen Schech 1504. Man sieht das Bild 
des Meisters in der Meisterkappe, den Prügel haltend. Geschmackvoller gotischer 
Taufstein, Kanzeldeckcl in reichster Renaissance mit trefflichen Statuetten (s- Rbb. 
S. 202), er soll aus der Stadtkirche zu Nürtingen stammen, 1620. 
Kruzisixns, sehr schlank, ergreifend, überlang, früh, merkwürdige Arbeit. 
Grabmäler von 1309 und 1479 der Schilling von Cannstatt. Vier Messing- 
becken. Schloß der Jäger von Gärtringen, jetzt Kameralamt, in schönem Garten, 
einst Wasserschloß, mit der Jahreszahl 1590. 
Marktbrunnen 1731, mit sehr verwickeltem Meister-Zeichen. 
Großes Haus 15 I E 95. Auch sonst alte Häuser. 
Koken-Weuffen. 
Von allen den vom Nordrande der schwäbischen Alb gegen das fruchtbare 
Hügelland des Neckargebiets vorspringenden Felshäuptern ist das des Hohen-Neuffen 
das kühnste und gewaltigste. Nach Süden hängt er mit dem Hochland der Alb 
nur durch einen langen, sehr schmalen Felsenhals zusammen, und jenes Hochland ist 
selbst wieder eine große, felsenumstarrtc Berginsel, fast rings umgeben von schreck 
lichen Schluchten, nur an einigen Stellen sachtere Ausstiege gewährend. An diesen 
ist durch große Wallanlagen Schutz geschaffen und wiederum springen in den so 
verschanzten Bezirk selbst noch große Ringburgen herein, um dem in die ver 
schanzte Hochfläche (den sog. Heidengraben) hereingedrungenen Feind von ihnen aus 
in die Flanken fallen zu können, oder auch, im Falle des eigenen Rückzugs, als 
weitere Burgplätze zu dienen. Der uneinnehmbarste dieser letzteren ist nun der Hohen- 
Neuffen selbst. Denn abgesehen von dem so schmalen, langgezogenen Zugang, der
	        

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