Volltext : Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis.  Oberamt  Reutlingen.

'Mullingen,  Stadt  (pfullichgowe  g37,  phullingen  (283).
Wohl  ein  Platz  uralter  Götterverchrung  am  Fuß  des  von  Feen  bewohnten
Ursuleuberges.  Noch  sind  hier  viele  Sagen  im  Schwange.  Prächtige  Reihengräberfunde,
  sowie  solche  aus  Römer-,  Sueven-  und  Keltenzeit.
Große  gotische  ev.  Kirche  zum  heil.  Martin  (im  Chorgewölbe  die  Jahreszahl
1463),  vor  einigen  Jahren  trefflich  ganz  im  alten  gotischen  Geist  wieder  hergestellt
durch  Oberbaurat  Berner  mit  Hilfe  opferwilliger  Bewohner.
Der  Chor  hat  reiche  Maßwerkfenster  und  ein  schönes  Netzgewölbe  auf  Wanddiensten
  und  zeigt  den  Meifterschild  des  bekannten  Baumeisters  Augsteindreyer,  s.
bei  Tübittgen.

Pfullingen.  Frühgotische  Wandmalerei  in  der  ehemaligen  Klosterkirche.
Der  im  Westen  stehende  Turm  bildet  unten  eine  Vorhalle  mit  einem  Rippenkreuzgewölbe, ­
  die  Sakristei  mit  drei  solchen  Gewölben  zeigt  im  Bogenfeld  der  Thüre
den  heil.  Martin  zu  Pferd  in  erhabener  Arbeit,  1500.  Großer,  vielleicht  noch  romanischer
achteckiger  Taufkessel,  jetzt  in  Privathänden.  Spätgotische  Predella,  Christils  und  die
zwölf  Apostel.  Grabmäler  uird  Epitaphien  aus  dem  16.  bis  18.  Jahrhundert.
Von  dem  1250  gegründeten  Clarissinnenkloster  steht  noch  aus  dieser  Zeit,
leider  jetzt  ein  Magazin,  die  hohe  einschiffige  Klosterkirche,  in  ernster,  anmutiger,
noch  strengfranzösischer  Frühgotik  mit  hochschlanken,  schlichtklaren  Maßwerkfenstern.
Innen  erhielt  sich,  als  ein  seltenes  Beispiel,  noch  die  Bemalung  aus  dieser  frühen
Zeit  (s.  K).  Die  Malerei  besteht  in  einer  Quaderirung,  schwarzgran  mit  weißen
Fugen,  worin  rot  aufgemalte  französisch-gotische  Maßwerkfenster  und  Tabernakel  schlank
und  gefällig  emporsteigen.  Von  dem  Kloster  steht  ferner  noch  das  mit  Blätterkelchsäulchen
  besetzte  steinerne  Sprachgitter,  auch  in  frühester  Gotik,  eine  rührende  Er ­
            
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