266
Schwarzwaldkreis. Oberamt Reutlingen.
'Mullingen, Stadt (pfullichgowe g37, phullingen (283).
Wohl ein Platz uralter Götterverchrung am Fuß des von Feen bewohnten
Ursuleuberges. Noch sind hier viele Sagen im Schwange. Prächtige Reihengräberfunde,
sowie solche aus Römer-, Sueven- und Keltenzeit.
Große gotische ev. Kirche zum heil. Martin (im Chorgewölbe die Jahreszahl
1463), vor einigen Jahren trefflich ganz im alten gotischen Geist wieder hergestellt
durch Oberbaurat Berner mit Hilfe opferwilliger Bewohner.
Der Chor hat reiche Maßwerkfenster und ein schönes Netzgewölbe auf Wanddiensten
und zeigt den Meifterschild des bekannten Baumeisters Augsteindreyer, s.
bei Tübittgen.
Pfullingen. Frühgotische Wandmalerei in der ehemaligen Klosterkirche.
Der im Westen stehende Turm bildet unten eine Vorhalle mit einem Rippenkreuzgewölbe,
die Sakristei mit drei solchen Gewölben zeigt im Bogenfeld der Thüre
den heil. Martin zu Pferd in erhabener Arbeit, 1500. Großer, vielleicht noch romanischer
achteckiger Taufkessel, jetzt in Privathänden. Spätgotische Predella, Christils und die
zwölf Apostel. Grabmäler uird Epitaphien aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.
Von dem 1250 gegründeten Clarissinnenkloster steht noch aus dieser Zeit,
leider jetzt ein Magazin, die hohe einschiffige Klosterkirche, in ernster, anmutiger,
noch strengfranzösischer Frühgotik mit hochschlanken, schlichtklaren Maßwerkfenstern.
Innen erhielt sich, als ein seltenes Beispiel, noch die Bemalung aus dieser frühen
Zeit (s. K). Die Malerei besteht in einer Quaderirung, schwarzgran mit weißen
Fugen, worin rot aufgemalte französisch-gotische Maßwerkfenster und Tabernakel schlank
und gefällig emporsteigen. Von dem Kloster steht ferner noch das mit Blätterkelchsäulchen
besetzte steinerne Sprachgitter, auch in frühester Gotik, eine rührende Er