Volltext: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis.  Oberamt  Reutlingen.

Undingen.
Ev.  Kirche,  voll  1487,  ganz  verändert,  mit  altem,  rippenkreuzgewölbtem  Ostturm.
Ähnlich,  nur  früher,  die  ev.  Kirche  zu  Unterhausen.
X  Wannrveit.
Hart  an  die  Reihengräber  des  Bezirks  schließt  sich  die  sv  merkwürdige  Kirche,
wohl  der  älteste  über  dem  Erdboden  stehende  kirchliche  Bau  in  Württemberg,  der  nicht
ohne  Grund  in  den  Anfang  des  zehnten  Jahrhunderts  zu  setzen  ist.  Erhalten  ist  noch  die
Westseite,  Giebelseite,  mit  südlich  daran  stoßendem  viereckigem  Turm  mit  Gruft-Kapelle
im  Erdgeschoß.  Die  Giebelseite  mit  drei  zarten  Rundbogen  auf  hohen  Wandsäulen
mit  Drachenkopsknäusen;  das  Erdgeschoß  des  Turmes  mit  gratgewölbter  Kapelle,  in

Wannweil.  Grundritz  und  Ansicht  der  Kirche.

welcher  gegen  Osten  eine  Nische  mit  Altartisch  und  urtümlichen  Wandkapitälen,  mit
Flechtwerk,  Taube  und  dem  Kopfe  Johannis  des  Täufers,  sich  hinauswölbt.  Außerdem
fand  sich  in  der  Südmauer  der  eingerissenen  Kirche  eingemauert  eiir  langer  Grabstein  mit
heidnischem  Drachen-  und  Zopfwerk  und  christlicher,  mit  dem  eingetieften  Kreuz  verzierter ­
  Scheibe.  Das  Drachen-  und  Zopfwerk  erinnert  an  die  Formen  der  sogenannten
Totenbäume,  jener  mit  geschnitzten  Deckeln  versehenen  Eichen-  oder  Birnbaumstämme,
worin  die  Alemannen  zlw  Zeit  Karls  des  Großen  und  noch  später  zum  Teil  ihre
Toten  gebettet  haben.  Die  aus  backsteinartig  schmalem  Bruchsteingemäuer  aufgeführte
Kirche  schloß  gegen  Osten  mit  einer  halbrunden  Apside.  Kirche  und  Grabstein  zeigt
noch  den  longobardischen  Stil,  ganz  ähnliches  Flechtwerk  findet  sich  an  Marmorarbeiten ­
  in  der  Longobardenkirche  S.  Abondio  bei  Como,  um  724.
Im  Chor  ein  steinernes  spätgotisches  Wandtabernakel  von  Hans  Angstein-Dreyer
von  Wiesensteig,  mit  dem  Zeichen  des  Meisters  nnd  der  Jahreszahl  1488.  Der  mit
Maßwerkbögen  verzierte  achteckige  Taufstein  stammt  wohl  auch  von  demselben.  Die
Kirche,  1890/91  umgebaut,  mit  Ausnahme  des  gotischen  Chörchens  und  der  oben
genannten  westlichen  Teile,  erhob  sich  aus  dem  Schutt  eines  römischen  Gebäudes.
	        
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