Volltext : Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis.  Oberamt  Rottenburg.

Außerdem  fanden  sich  auf  der  Markung  Rottenburg  Grundreste  römischer  Gebäude ­
  auf  der  Flur  „Kalchweil",  Vs  Stunde  westlich  der  Stadt  über  dem  linken
Neckarabhang,  und  auf  dem  sogenannten  „Voll",  einem  schön  gelegenen  Hügel,
1/2  Stunde  südöstlich  von  der  Stadt.  Vgl.  für  Rottenburg  das  von  dem  unermüdlichen, ­
  für  die  Altertumskunde  hochverdienten  Forscher,  Domdekan  von  Jaumann,
verfaßte  Werk  „Colonia  Sumlocenne“  rc.  Stuttgart  und  Tübingen  1840.  Erster
Nachtrag,  Stuttgart,  1855.  Zweiter  Nachtrag,  ebendaselbst  1857.
Wo  ist  sie  hingekommen  die  große,  volkreiche,  mächtige  Stadt,  die  Hauptstadt  der
Römer,  mit  ihren  Kastellen,  Wasserleitungen,  Tempeln,  Theatern  und  Gcrichtshallen,
die  weit  hinaus  auf  beiden  Seiten  des  Neckars  in  herrlichen  Gärten  ihre  Villenstraßen
streckte?  Seit  dem  Eindringen  der  Alemannen  ist  sie  zurückgetreten  in  die  zweite
Reihe  der  Städte,  und  andere  große  Mittelpunkte  haben  sich  gebildet  weiter  nnten
am  Neckar-Flusse,  nahe  der  zweitgrößten  Römerstadt  unseres  Landes,  beim  alten
Clarenna  (Cannstatt)  und  bei  Heilbronn,  gegenüber  des  alten  Römerkastells  von
Bückingen.  —  Betrachten  wir  nun  die  kath.  Kirchen  und  Kapellen.
Die  bischöfliche  Kirche  zum  heil.  Martin  wurde  1644  durch  Brand  heimgesucht
und  1655  wieder  eingeweiht;  sie  mag  aber  in  die  altchristliche  Zeit  zurückreichen  und
ist  wohl  das  älteste  christliche  Gebäude  unseres  Landes.  Das  dreischiffige  Langhaus ­
  muß  in  seiner  Grundgestalt,  mit  der  großen  Weite  des  Mittelschiffes  und  der
leichten  lichten  Arkadenstellung,  aus  dieser  sehr  frühen  Zeit  stammen;  die  ursprünglichen ­
  Säulen  sind  beim  Brand  ohne  Zweifel  verdorben  und  hernach  ummantelt  worden,
s.  den  Grundriß  auf  S.  271,  die  halbrunden  Arkadenbögen  sind  nicht  mehr  die  alten.
Wer  den  Grundriß  aufmerksam  betrachtet,  muß  das  Langhaus  jedenfalls  als  den
ältesten  Kern  des  Gotteshauses  erkennen.  Die  Umfassungswände  zeigen  jetzt  gotische
Formen.
Im  Jahr  1424  wurde  dann  ein  großer  gotischer,  vieleckig  schließender  und  mit
hohen  Streben  besetzter  Chor  östlich  angebaut,  und  wohl  zu  gleicher  Zeit  die  Westseite ­
  der  Kirche  gotisch  erneuert.  An  einem  nördlichen  Strebepfeiler  steht:  Als  man
zalt  von  gepnrt  Christi  1424  iar  da  wart  diser  kor  angefangen  zu  machen.  Derselbe ­
  liegt  nicht  in  der  Achse  des  Langhauses,  zeigt  Spitzbogenfenster  mit  neuem  Maßwerk ­
  und  neue  Gewölbe,  von  Egle  1867.  Südlich  am  Chor  steht  der  starke,  1486
von  Meister  Hans  Schwarzacher  von  Rottenburg  erbaute  Turm,  endigend  in  eine  achtseitige ­
  durchbrochene  Steinpyramide;  sein  Vorbild  ist  auch  in  Reutlingen  zu  suchen,
ganz  derselbe  Übergang  vom  vierseitigen  Schallfenstergeschoß  in  die  achtseitige  Spitze
durch  vier  schlanke  Dceiecksgiebel,  Eckfialen  und  durchbrochenen  Umgang.  Der  schöne
Steinhelm  ist  mit  Krabben  besetzt  und  hat  in  seinen  Maßwerksöffnungen  auch  zwei
Bildwerke,  St.  Martin  zu  Pferd  und  zwei  miteinander  ringende  Ritter.  Oben  ragt
ein  Brustbild,  das  des  Baumeisters,  heraus.  Die  Spitze  wird  von  einem  luftigen
Kranz  und  doppelter  Kreuzblume  gekrönt  und  blickt  weit  in  das  grüne  Neckarthal
hinaus.  Unten  hat  der  Turm  ein  hohes  Kreuzgewölbe  mit  halbachteckigcn  Rippen,
die  beweisen,  daß  er  längst  vor  1486  in  seinen  Grundstockwerken  bestand;  auch  das
oberste  Geschoß  des  Turmes  ist  gewölbt  und  zwar  mit  einem  Netzgewölbe.  In  der
später,  östlich  dem  Turm  vorgelegten  Sakristei  ein  hübscher  runder  Treppenturm  mit
Renaissancebögen  auf  schlanken  Säulchen.  Reiche  Kirchengefäße  und  Paramente.  Von
            
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