Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

Obrraml Kottweil. 
^Votüueis, ein uralter Platz, da, wo der jugendliche Neckar zum erstenmal aus 
dem hohen, flachen, von runden Hügeln umgrenzten Keuperthal sich in engen Felsen- 
krümmungen durch den Muschelkalk hindurchbricht. Hier lag wohl aus dem obersten 
langen, vom Neckar umströmten Felsenhorn das alte keltische Brigobanne, zu deutsch 
Berghorn oder Hornberg, links des Flusses. Die geschützte Lage und daneben die 
leichten Übergänge im Keuperland über das Neckar- und Primthal, verknüpfend die 
Verbindungswege zwischen Alb und Schwarzwald, zwischen dem Unterland und Hoch- 
gebirg (Schweiz) muß schon in ältester Zeit die Bedeutung dieses Platzes gesteigert 
haben. Und so sehen wir, daß die Römer bereits bei ihrem ersten Vorstoß in unser 
damals suevisch-keltischcs Land, als Tiberius im Jahr 15 vor Christi Geburt an die 
Donanquellcn kam, hier ein großes verschanztes Erdlager für mehrere Legionen auf 
der schönen breiten Terrasse links des Neckars, oberhalb des „Hornbergs" auswerfen. 
Unter den Flaviern, um das Jahr 85 etwa, ersteht dann die Römerstadt aus beiden 
Seiten des Neckars, links mit Kastell, rechts als Brückenkopf und auch befestigt, das 
von der Prim umflossene „Hochmauern". Schon in der Römerzeit einigemal (?) in 
Trümmer geworfen, blieb Rottwcil, im späteren Mittelalter bis 1803 freie deutsche 
Reichsstadt, bis aus den heutigen Tag ein wichtiger Platz für heranziehende Kriegs 
heere, wie es auch schwere Belagerungen durchzumachen hatte. Zu den Tagen 
der Römer, im Mittelalter und später noch war cs eine blühende Stätte der Kunst, 
von der viele fruchtbringende Keime ins Gebiet der Reichsstadt und weiter hinaus 
gestreut wurden. Die Gegend ist ernst und herb, großkopfige Hochberge der im Süden 
nahe vorbeiziehenden Alb blicken herein ans die alte vieltürmige, an Rothenburg ob 
der Tauber erinnernde Bergstadt. 
Der Bezirk umfaßt samt dem südöstlich anstoßenden Oberamt Spaichingen die 
höchsten Höhen der schwäbischen Alb, bis über 1000 m hoch, und diese höchsten Berge, 
die großartige Aussichten an die Alpen, den Schwarzwald und das Unterland ge 
statten, müssen Götterberge gewesen sein; bis jetzt sind sie noch nicht erkundet, außer 
dem ganz gegen das Oberamt Balingen vorgeschobenen Lochenstein, auf welchem jene 
berühmte Opferstättc gewesen ist, s. o. S. 13 f. Ein Ringwall auf dem westlich vom 
Lochenstein gelegenen Schafberg, auch der Plettenberg zeigt Verschanzungen. Grab 
hügel sind fast über den ganzen Bezirk verstreut. Schöne Funde bei Dautmergen 
und Dotternhausen (21). 
Die Zahl der römischen Jnschriststeine ist bis jetzt noch gering; ein beim 
Rottweiler Hochturm gefundener, den Göttinnen der Kreuzwege geweihter Altar, jetzt
	        

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