Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Balingen. 
Rundbogenarkaden mit dünnen Würfelknaufsäulchen und weit verlangenden Aufsätzen, 
ganz in der urtümlichen Art der Kirche zu Oberzell auf der Reichenau. An seiner 
Westseite zeigt sich noch die alte niedrigere Giebelschräge, ein offener Dachstuhl muß 
bestanden haben. Die Westwand der durch kleine Rundbogenfenster in der Höhe 
beleuchteten Kirche ist erneuert; die alte Kirche war länger und schloß vielleicht mit 
einer halbrunden Westabside. Im Schiff der Kirche stieß man auf eine Begräbnis 
stätte mit Holz- und Steinsärgen; wohl die der ersten Schalksburger Zollern, die 
ihrerseits wieder mit den noch älteren Gaugrafen in der Bertholdsbaar zusammen 
hangen. — Die Gemälde in Burgfelden wurden von Baurat Stahl in Stuttgart, 
der das Kirchlein umbauen sollte, entdeckt, und auf seine Anzeige hin vom Verfasser 
sofort in ihrem hohen kunstgeschichtlichen Wert erkannt. Auf seinen Antrag geschah 
die Erwerbung und Schätzung derselben durch den Staat. Genaue Nachbildungen 
der Gemälde befinden sich durch Maler P. Haaga im Museum vaterl. Altertümer 
in Stuttgart. Der östlich stehende, für sich ausgemauerte Turm ist wohl das älteste 
des ganzen Gebäudes, ragte vielleicht an einer Holzkirche empor; und die jetzige Kirche 
wäre als eine Sühnkirche aufzufassen, wenn sich der Überfall im Walde als „Mord 
der Zollern" herausstellen sollte. Pfarrer Dr. Fr. Losch schreibt: Die Blumen und 
der Hirsch sind sicher symbolisch. Der Hirsch ist mit dem schweizerischen Alahirzi und 
Holzhirzi, welcher den Tod bedeutet, zusammenzustellen; vgl. Rochholz, Sagen aus 
dem Aargau. Der Hirsch ist im Begriffe, einen Baumzweig abzubeißen, d. h. er waltet 
soeben seines Amtes; denn Blumen, besonders Lilien, bedeuten das Leben oder die 
Seele des Menschen. Nachdem im Volksliede der stolze Reiter die Lilien abgebrochen 
hat, heißt es: „und sterbe ich noch heute, so bin ich morgen tot"; ebenso, da dem 
Liebenden „drei Röselein in den Schoß fallen", sagt dieser: „jetzt weiß i net, lebt 
mein Schatz, oder ist er tot?" Die Mordscene des Burgfeldener-Bildes fasse ich 
als einen lokalgeschichtlichen Vorgang, der auf derselben Bildfläche symbolisch erklärt 
ist. Demnach dürfte es sich um den Mord zweier Brüder, und zwar aus Blutrache, 
handeln; siehe die zwei Blumen auf dem abgebissenen Zweig und die hinter dem An 
greifer am Boden liegende. Bergt. S. 12. 
Der Sprengel der dem Erzengel Michael geweihten Pfarrkirche war ursprünglich 
sehr beträchtlich, es gehörten zu ihm noch in der Mitte des 15. Jahrhunderts die 
Kapelle zu Schalksburg, sodann Pfeffingen, Laufen, Streichen, Zillhausen, Aufhofen 
und Oberwannenthal. Um dieselbe Zeit erscheint das Kloster Ottmarsheim im Elsaß 
im Besitze des hiesigen Kirchensatzes. Der Sage nach soll der heilige Michael in der 
Kirche begraben sein. In der Nähe ein Grabhügel. 
Die Schalksburg, s. o., auf welcher die Milites de Sclialksburg saßen, kommt 
im Jahr 1403 mit der gleichnamigen Zollerschen Herrschaft, worunter auch Burg 
felden, an Württemberg; sie bildete einen Bestandteil des ältesten Zollerschen Familien 
besitzes. Das Landbuch von 1624 sagt: „Schalksburg ein alt abgegangenes Schloß, 
noch ziemlich viel Gemäuer, auch der Zwingel und Graben darum zu sehen, dabei 
zehn Mannsmahd Wiesen und ein Viehweid, darauf man auf die zwölf Stück Vieh 
halten kann." ^zetzt ist alles mit Wald bedeckt. Erhalten sind noch Spuren der sehr 
starken Umfassungsmauer und die furchtbare dreifache Verschanzung gegen den einzigen 
Zugang auf dem schmalen Sattel.
	        

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