Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Tübingen. 
Tübingen. Oberes Thor. 
Pilasterfüllung. 
Hofgerichts, was es auch bis 1805 blieb, bestimmt, 1536 f. das 
theologische Stipendium, „Stift" gegründet worden. Auch für 
Herzog Christoph war Tübingen ein beliebter Aufenthalt. 
Herzog Ludwig errichtete, einen Plan seines Vaters Christoph 
ausführend, 1588 ff. das Collegium illustre für Nicht 
theologen, woraus Herzog Friedrich sofort ein Adelsinstitut 
machte. Abgesehen von dieser schon nach einem Jahrhundert 
sinkenden Anstalt, blieb die Hochschule lange Zeit fast aus 
schließlich Landesuniversität und weit überwiegend Theologen 
schule, ihr Mittel- und Schwerpunkt das „Stift", bis dieselbe 
im 19. Jahrhundert durch die Errichtung einer katholisch- 
theologischen und einer staatswirtschaftlichen Fakultät (1817), 
wozu 1863 noch eine besondere naturwissenschaftliche kam, 
die Schaffung entsprechender Anstalten für Medizin und Natur 
wissenschaft w. langsam zum erfolgreichen Wettkampf mit den 
größeren Universitäten befähigt worden ist. 
Das Schloß Hohen-Tübingen (ehemaliger Pfalzgrafen 
sitz) liegt auf der höchsten Stelle, nahe der südwestlichen Ecke 
der Stadt, und ragt als besondere Zierde gebieterisch-ernst über 
Stadt und Umgegend. Da die Anwesenheit der Römer hiesigen 
Orts bekundet ist, so liegt die Vermutung nahe, es stehe auf 
dem Grunde einer römischen Befestigung. Die erstmalige 
Nennung eines castrum Twingia und hiemit Tübingens 
überhaupt fällt ins Jahr 1078. In den letzten Zeiten des 
pfalzgräflich Tübingischen Besitzes geriet es sehr in Verfall, 
die Württembergischen Fürsten aber besserten es wieder aus; 
vom Jahr 1451 an sollten dreizehn Jahre lang jährlich 
200 fl. zur Befestigung verbaut werden, wovon die Stadt zwei 
Drittel, die zugehörigen Amtsorte ein Drittel zu zahlen hatten. 
Die Beifuhr von Kalk und Sand, die Arbeit der großen 
Stadtgräben und die Ausgrabung für die Grundlage der 
Mauern mußten aber durch Frohnden geleistet werden. Der 
edle Graf Eberhard im Bart hielt sich mit seinem Gefolge 
öfters hier auf; als er nach dem Empfang der Herzogswürde 
im Jahr 1495 von Worms heimkehrte, kam er zuerst nach 
Tübingen. Den eigentlichen Neubau des Schlosses begann 
Herzog Ulrich 1507. In der österreichischen Zeit Württem 
bergs erbat sich König Ferdinand von dem Abt von Adel- 
berg dessen Baumeister, hatte aber, so beschleunigt er den 
Weiterbau wünschte, wenig vollführt, als er 1534 das Land 
wieder räumen mußte. Nach der Wiedereinsetzung kam Herzog 
Ulrich 1535 wegen des Bauwesens selbst nach Tübingen, be 
gleitet von dem Baumeister Heinz von Luther, der die Haupt 
leitung des Baues erhielt, Meister Balthasar von Darmstadt
	        

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