Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Schwarzwaldkreis (1897)

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Schwarzwaldkreis. Oberamt Tübingen. 
Mechthilde, Prinzessin von Rheinpfalz und Bayern (st 1482), Mutter Graf Eber 
hards im Bart. Graf Lndwig, in voller Rüstung, hat den Helm auf dem bartlosen, 
kriegerischen Haupte, die linke Hand am Schwerte; seine Gemahlin mit dem sanften 
Antlitz umhüllt in herrlich-reichen Falten ein weiter Mantel; ihre Statue ist Wohl 
die vortrefflichste von allen. In prachtvollem Brokatgewande mit iveiten Schlepp 
ärmeln, den jungfräulichen Kranz auf den langhinfließcuden Haaren, ruht daneben 
Ulrichs und Sabinens früh gestorbene Tochter Anna (7 1530); ihr zur Seite steht 
— nicht wie die bisher genannten aus Keupersandstein, sondern aus weißem Marmor 
gemeißelt, das prächtige Denkmal des jungen Herzogs Rudolf von Braunschweig- 
Lüncburg, Bischofs von Halberstadt (st 1616). Die Grabplatte wird von vier wilden 
Hundeit getragen; der schöne Jüngling mit dem reichen Lockenhaare liegt, die Hände 
faltend, in einfachem, goldgesäumtem Priesterrock. In der dritten Reihe steht gerade 
vor dem ebengenaunten das gleichfalls marmorne und gleich ausgezeichnete Denkmal 
des jungen Herzogs Johann Georg von Norwegen und Schleswig-Holstein (st im 
Collegium illustre 1613). Er liegt in prachtvoller Rüstung; daneben ruht Herzog 
Christoph mit dem schönen gütigen Ausdruck des Gesichts (st 1568), und neben ihm 
seine Gemahlin Anna Maria (st 1589). Weiterhin ihr junggestorbener Sohn Prinz 
Eberhard (st 1568). Die letzte Reihe wird gebildet durch die beiden noch größeren 
außerordentlich prächtigen Marmordenkmäler Herzog Ludwigs (st 1593) und seiner 
Gemahlin Dorothea Ursula, Tochter des Markgrafen von Baden (st 1583). Diese 
sind im spätesten Renaisfancegeschmack gehalten und wurden gefertigt 1593 f. Die 
hohen Postamente zeigen Medaillons mit sehr feinem, erhabenem Bildwerk; bei 
Ludwig biblische Schlachtscenen, bei Ursula Scenen aus der Leidensgeschichte; um 
die Postamente sitzen bei Ludwig sechs männliche Freisiguren, die Werke des Kriegs, 
bei Ursula vier weibliche, die Werke des Friedens vorstellend. Ludwig trägt eine 
prachtvolle Rüstung, seine Gemahlin reichen Reifrock mit zierlichen Hals- und Hand 
krausen. Außer den marmornen sind sämtliche Denkmäler bemalt; die Grabplatten, 
mit Inschriften versehen, ruhen auf Löwen oder Hirschen, Christophs Gemahlin aus 
Widdern, die je zu zwei an der Ecke in einem Kopf endigen. Zu Füßen der 
Männer liegt ein Löwe, zu Füßen der Frauen ein Hündchen. 
Ein Teil dieser Bildwerke ward verfertigt von Lienhardt Bomhawer (auch 
Baumhawer), Bildhauer, Bürger zu Tübingen. Laut seiner Eingabe an den Herzog 
Ludwig von Württemberg vom Februar 1573 ist er damals „im 13. Jahr häuslich 
in Tübingen gesessen und in der Zeit seine Nahrung mit seiner Hände Arbeit und 
der ihm vom Allmächtigen verliehenen Kunst zu suchen bemüht gewesen, wie er denn 
weil. H. Christophs und H. Eberhards, des H. Ludwigs älteren Bruders, wie auch 
anderer verstorbener fürstlicher Personen Württembergs Grabsteine gehauen." Die 
Grabmäler Herzog Ludwigs und seiner Gemahlin Ursula sind das Werk des Bild 
hauers Christoph Jelin aus Gmünd. Bgl. auch im Anhang „Baumeister und Bildhauer". 
Im Chor sind ferner beerdigt: 
Christophs Söhne Maximilian, st 1557, und Ulrich, st 1558; Johannes Georg, 
Kurfürst von Sachsen, st 1691; Pfalzgraf a. R. Georg Otto, st 1635, dieser hat 
ein schönes Marmorgrabmal, und Graf Anton Heinrich von Oldenburg, st 1617. 
Die Kirche ist ferner Grabstätte verschiedener berühmter Männer, wie des
	        

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