Full text: Deutsche Konkurrenzen (1908, Bd. 23, Nr. 265/276)

  
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Aus dem Gutachten des Preisgerichts. 
Für den Rathauswettbewerb waren 147 Entwürfe eingegangen. 
Bei dem ersten Rundgange des Preisgerichts wurden 75 Arbeiten wegen ungenügender Lösung der 
Aufgabe von der Bewerbung ausgeschlossen. Bei dem zweiten Rundgange wurden 38 Arbeiten ausgeschieden 
und bei dem dritten Rundgange nochmals 21 Arbeiten ausgeschlossen. Es verblieben hiernach für die 
engste Wahl ı3 Arbeiten und zwar die Nummern 1, Kennwort „Rathaus“, 3, Kennzeichen „Drez Ringe“, 
8, Kennwort „Sachsenland“, 24, Kennwort „Ofner Hof“, 40, Kennwort „Binnenturm“, 45, Kennwort „Letzte 
Post“, 58, Kennzeichen „Zine Rolandfigur, 61, Kennwort „2. September“, 89, Kennzeichen „„Zin Stadtwappen“, 
98, Kennwort „Stadtbild“, 100, Kennwort „Zweckmässig“, 141, Kennwort „Kerlchen“, 
Bei der Fortsetzung der Prüfung am nächsten Tage versammelten sich sämtliche Herren Preisrichter, 
mit Ausnahme des Herrn Geh. Baurats Prof. Dr. Wallot aus Dresden, der wegen einer übernommenen 
Führung im Ständehause nicht länger hier verweilen konnte; es wurden die Nummern ı, 8, 24, 33, 58, 
61 und 141, oft mit schwerem Herzen, ausgeschlossen. Bei der hierauf erfolgten Abstimmung wurde der 
Nr. 100 mit dem Kennwort „Zweckmässig“ mit 5 gegen 3 Stimmen der erste Preis, der Nr. 3 mit dem 
Kennzeichen „Drei Ringe“ mit 5 gegen 3 Stimmen der zweite Preis, der Nr. 89 mit dem Kennzeichen 
„CTezeichnetes Stadtwappen“ mit 5 gegen 3 Stimmen der dritte Preis zuerkannt. Die noch verbleibenden 
drei Arbeiten und zwar Nr. 40 mit dem Kennwort „Binnenturm“, Nr. 45 mit dem Kennwort „Letzte Post“ 
und Nr. 98 mit dem Kennwort „Stadtbild“ wurden der Stadtgemeinde Döbeln zum Ankauf empfohlen. 
Die sodann vorgenommene Oeffnung der Umschläge ergab als Verfasser: 
Für den Entwurf „Zweckmässig‘“, ı. Preis, die Herren Köhler & Kranz, Architekten in Charlottenburg. 
” Be © „Drei Ringe“, 2. Preis, Herr Architekt X. Schleinitz in Dresden. 
„Gez. Stadtwappen“, 3. Preis, Herr Architekt Professor Oswin Hempel in Dresden. 
„Binnenturm“, Z. A. e., Herr Architekt /osef Reuters in Wilmersdorf- Berlin. 
„Letzte Post“, Z. A. e., die Herren Architekt Zudwig Becker in Essen und Wil. Dilis, 
Amtsbaumeister in Weitmar i. W. 
“ „Stadtbild“, Z, A. e., die Herren Kgl. Baurat X. Viehweger und Architekt R. Bitzan in 
Dresden. 
Die drei Herren Sachverständigen, Geheimer Baurat Prof. Dr. Zicht, Baurat Prof. Hocheder und 
Stadtbaumeister Richter, wurden noch um Abgabe einer Kritik über die ausgewählten Arbeiten ersucht. 
Durch Los wurden je zwei Arbeiten den Sachverständigen zur Beurteilung zugewiesen. Es wurden folgende 
schriftliche Urteile abgegeben: 
Entwurf Nr. 100. Kennwort: „Zweckmässig“. Die Grundrissanordnung ist eine übersichtliche, sie 
weicht von der im Programm angenommenen Raumverteilung zweckmässig dadurch ab, dass die Polizei- 
verwaltung in das Untergeschoss, das Standesamt in das Erdgeschoss und der Ratssitzungssaal in das 
zweite Obergeschoss gelegt worden sind. Auf diese Weise ist der Hof ziemlich geräumig geworden und 
könnte noch bessere Lichtverhältnisse erhalten, wenn der an die Nachbargrenze stossende Trakt durch 
Weglassung entbehrlicher Räume niedriger gehalten wird. Das Aeussere ist in den Massen klar von 
einander geschieden und wirksam gegliedert. Die vorsichtige Zurückhaltung in dem schmückenden Beiwerk 
ist lobend hervorzuheben. Dem Entwurf wurde der erste Preis zuerkannt. Hocheder. 
Nr. 3. Kennzeichen:. „Dre£ Ringe“. Dem Entwurf wurde der zweite Preis zuerkannt, weil der 
Verfasser die geforderten Räume in programmgemässer Weise untergebracht und noch einen hinreichend 
grossen Hofraum erzielt hat. Die Ratskellerwirtschaft würde besser nach dem Obermarkte zu gelegt und 
die Sparkasse an der verbrochenen Ecke untergebracht worden sein. Die Gruppierung der Fassaden im 
Aufbau ist gut zusammengestimmt, nur wirkt der Erker an der Hauptecke etwas zu schwer. Richter, 
Nr. 89. Kennzeichen: „Zn Stadtwappen“. Dem Entwurf wurde der dritte Preis zuerkannt. 
Die Grundrissanordnung ist eine gute und klare, sie weicht von der im Programm angenommenen Raum- 
verteilung insofern ab, als der Tresor- und Aktenraum der Sparkasse in das Kellergeschoss und die 
Polizeiregistratur sowie die Expedition aus dem ersten in das zweite Obergeschoss verlegt worden sind. 
Diese Veränderung wurde als kein grosser Fehler bezeichnet, weil dadurch der Hofraum gross und geräumig 
gestaltet worden ist. In der Vorhalle wäre besser die doppelte Pfeilerstellung zu vermeiden gewesen, der 
Ratssitzungssaal würde besser neben die Zimmer des Bürgermeisters zu legen sein. Der wirksame und 
geschickte Aufbau in der Fassade mit guter Verteilung der Massen wurde lobend anerkannt. Richter, 
Nr. 98. Kennwort: „Stadtbild“, Der Grundriss ist zweckmässig gelöst, wobei sich noch ein 
genügend grosser, hübsch geformter Hof ergab. Dabei überschreitet freilich die Vorlage an der Südseite 
weit das Mafs von 1:3 der Fassadenvorlage. Die verlangte Aktenkammer für die Kasse und die Schrank- 
kammer für das Standesamt fehlen. Das Aeussere ist originell gestaltet, die Zusammenfassung des Haupt- 
traktes unter einem dominierenden Satteldach mit mächtigem Frontgiebel steht zur Masse des Turmes in 
einem wirksamen Gegensatz, Die Anordnung des Vorbaues vor die drei Quergiebel mit seinen sehr kleinen 
Erkerchen entwickelt sich zu wenig organisch aus dem Ganzen und erscheint daher etwas willkürlich. 
Die phantasievolle Arbeit wurde zum Ankauf empfohlen. Hocheder. 
 
	        

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