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WALTER CARLE
gen Zentral-Grabens und im E—W-streichenden Becken der südlichen
Nordsee ist Rotliegendes in gebirgsferner Schieferton-Fazies von großer
Mächtigkeit abgelagert. Diese Tiefenzonen werden von breiten Randzonen
aus herangeschwemmtem grobklastischem, zum Teil auch aus feinkörni-
gem, in Form von Dünen zusammengewehtem Sandstein gerahmt. Diese
Tatsachen bezeugen, daß es sich nicht um Denudationsreste, sondern um
auf uns weitgehend vollständig überkommene Sammelbecken handelt.
Auch der Horn-Graben westlich von Jütland ist bereits angelegt. Das
Ablagerungsgebiet des kohleführenden Oberkarbons ist Senkungsgebiet ge-
blieben; vor allem seine Südgrenze fällt exakt mit der Nordgrenze des alt-
paläozoischen Hochgebietes London-Brabant zusammen. Nur geringmäch-
tiges Rotliegendes gibt es über der zu spätvariszischer Zeit ausgefalteten
Kohlen-Vortiefe (Ruhrgebiet). Das Bild der Becken und Schwellen im
Nordsee-Raum ist grundlegend anders, als die durch schmale, einander
parallel verlaufende Einheiten gekennzeichnete Entwicklung in Mittel-
europa (BRINKMANN 1966, Abb. 24).
2.3. Zechstein (Abb. 3)
Das große Zechstein-Becken ist in die durch die ganze Erdgeschichte
fortbestehenden Hochgebiete eingespannt. Es umfaßt nicht nur das Gebiet
des Oberkarbon-Beckens, sondern hat sich auch das nordwärts gelegene
Rotliegend-Sedimentationsgebiet angegliedert. Sehr deutlich deckt sich die
maximale Entwicklung der Salzdiapire und Salzkissen genau mit dem Um-
riß des Oberkarbon-Troges. Die großen Salzpfeiler stoßen auffallend in den
Zentral-Graben vor und zielen exakt auf den Horn-Graben. Im westlichen
und nördlichen Teil des Beckens sind die Diapire entsprechend den Bek-
kenrändern NW-gerichtet. Der Aufstieg des Salzes begann etwa zur Keu-
per-Zeit; er fand seinen Höhepunkt zur Jura- und Kreide-Zeit. Da nach
TRrusHEmM (1957) Zahl und Größe der Diapire in unmittelbarem Zusam-
menhang mit der Mächtigkeit des Salzes und seiner Deckschichten stehen,
erhellt klar, daß die maximalen Mächtigkeiten im Südteil des salinaren
Ausscheidungsgebietes liegen, die Senkungstendenz des Oberkarbon-Bek-
kens also weitervererbt wurde. Dolomitisch-anhydritische Randbildungen
rahmen das Zechstein-Becken im S und W. Gemessen am früheren Wissen
(BRINKMANN 1966, Abb. 25) ist die Kenntnis des Zechstein-Beckens enorm
erweitert worden, vor allem im Bereich seiner Verbindung mit dem Welt-
meer.
2.4. Trias (Abb. 4)
In der südlichen bis mittleren Nordsee sind alle drei Abteilungen der
germanischen Trias entwickelt. Nahe der englischen Küste keilt der voll-
marine Muschelkalk aus; hier vollzieht sich also der Wechsel zu der über
die ganze Formation ausgebildeten klastischen, also festlandsnahen oder
kontinentalen Ausbildung, welche für die britische Insel typisch ist; die
Dreiteilung reicht weiter nach Norden, als man seither vermutete (BRINk-
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 131 (1976)