4 Benennung der Preise. Verwendung der Entwürfe. Veröffent ­ lichung des Ergebnisses. Ausstellung der Entwürfe. Rückgabe der Entwürfe. Das Mehrheitsurteil dieses Preisgerichts entscheidet endgültig darüber, welchen Entwürfen die Preise zuerkannt werden sollen. Die Preisrichter haben die Preisbewerbungsaufgabe vor der Veröffentlichung geprüft und gebilligt und sich zur Annahme des Richteramtes bereit erklärt; auch haben dieselben auf jede mittelbare oder unmittelbare Beteiligung an der Wettbewerbung verzichtet. Das Preisgericht wird sein Urteil in einem Protokoll niederlegen; von der in demselben enthaltenen Kritik erhält jeder Bewerber auf Wunsch seiner Zeit eine Ausfertigung. Zur Preisverteilung ist die Summe von 25,000 Jk zur Verfügung gestellt, und zwar: für einen I. Preis von JL 10,000 für zwei III. Preise von je Ji 3,000 n v II. „ „ * 5,000 „ „ IV. „ „ „ „ 2,000. Solche Projekte, bei welchen die im Bauprogramm festgesetzten Baukosten offenbar überschritten sind, sollen von der Prämiierung unbedingt ausgeschlossen werden. Im Uebrigen sind die Paragraphen 6 und 7 der Grundsätze für das Verfahren bei öffentlichen Konkurrenzen, aufgestellt auf der XV. Versammlung deutscher Architekten- und Ingenieurvereine in Hamburg 1868 mit den auf der VIII. Abgeordnetenversammlung 1879 und den auf der XII. Abgeordnetenversammlung zu Frankfurt am Main 1883 beschlossenen Abänderungen massgebend. Die Stadtgemeinde behält sich vor, weitere Projekte auf Antrag des Preisgerichts für je 1 . 1000 käuflich zu erwerben. Die preisgekrönten, beziehungsweise angekauften Entwürfe gehen in das unbeschränkte Eigentum der Stadt Stuttgart über, welche sich bezüglich der weiteren Bearbeitung des Projekts freie Hand vorhält. Dieselbe ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, diese Entwürfe ganz oder teilweise für die Bauausführung zu benützen. Das Recht der Veröffentlichung steht sowohl hinsichtlich der prämierten als der gekauften< Entwürfe den Ver ­ fassern zu. Das Ergebnis der Preisbewerbung wird in den Stuttgarter Lokalblättern, ferner im Württembergischen Staatsanzeiger, Schwäbischen Merkur, Zentralblatt der Bauverwaltung, in der Deutschen Bauzeitung, der neuen freien Presse, der Presse (Wien) und in der Zeitschrift des österreichischen Architekten- und Ingenieurvereins bekannt gemacht. Die Entwürfe werden nach erfolgter Entscheidung des Preisgerichts 14 Tage lang öffentlich ausgestellt. Die bei der Preisverteilung bezw. beim Ankauf unberücksichtigt gebliebenen Entwürfe werden gegen Rückgabe der Einlieferungsbescheinigungen den Inhabern derselben portofrei wieder zugestellt. № Programm für den Entwurf eines neuen Rathauses in Stuttgart. - Lage und allgemeine Anordnung. Fassaden. Konstruktion. Heizungs ­ anlage. Abortanlagen. Das zu erbauende Rathaus soll auf dem Marktplatz erstellt werden, und zwar innerhalb des auf bei ­ liegendem Lageplan mit a b c d bezeichneten, zwischen Marktplatz, Hirsch-, Metzger- und Eichstrasse gelegenen Bauplatzes. Ueber die angegebenen Baugrenzen. dürfen an den 3 Strassen, welche die Rückseite und die Nebenseite begrenzen, die Architekturglieder nur im Sinn des § 20 und ff. des Ortsbaustatuts vorspringen. Gegen den Marktplatz dürfen einzelne Vorbauten, Treppen, Rampen etc. bis auf 2 m vorspringen. Im Lageplan sind die Höhenlagen des Trottoirs angegeben. Für das Gebäude sind ausser Untergeschoss ein Erdgeschoss und nötigen ­ falls 3 Obergeschosse zulässig. Der Haupteingang ist gegen den Marktplatz anzulegen. Weitere Eingänge sind an den Neben- bezw. Rückseiten verlangt. Die Höfe müssen vermittelst Durchfahrten von mindestens 2,10 m Weite und 2,60 m Höhe zugänglich sein. (§ 23 der Vollz.-Verfassung zur Bauordnung.) Die Architektur des Neubaus soll der Würde der Hauptstadt entsprechen; dabei können die Ansichten gegen die Hirsch-, Eich- und Metzgerstrasse, als untergeordnet, sehr einfach gehalten sein. Die Wahl des Baustils steht dem Verfasser frei. Die Konstruktion des Gebäudes soll im Aeussern und Innern durchaus massiv und feuersicher sein. Auch soll das Dach in seinen wesentlichen Bestandteilen aus Eisen konstruiert werden. Es ist eine Zentralheizung vorzusehen und in den Grundrissen des Keller- bezw. Untergeschosses anzudeuten. Rohrleitungen, Kanäle und Heizkörper brauchen nicht eingezeichnet zu werden. Pissoirs, Klosetts und Waschräume sind in ausreichender Zahl hell und geräumig anzulegen. Für die Abortanlagen gilt das Grubensystem mit pneumatischer Entleerung. Die Abtrittsräume sind an einer Umfassungs ­ wand, wozu auch die gegen Höfe gerichteten Wände zu rechnen sind, anzulegen und mit ins Freie führenden Fenstern zu versehen.