58 Gesang Wir sind ein Samenkorn. Unendliche Hände schenken uns fremdem Boden. Kinder der Sonne sind wir Licht küßt uns zum Frühling empor. Nächte tauen uns silbrig zum Knospen, Stumm trinken wir Sterne und Monde. Des Windes Gespiel ist unser schwankes Leben. Der Wind ist Fruchtbereiter dem Herbste. Regen beugt uns furchtsam zu Boden. Keusch im Regenbogen blicken wir aufwärts zu Gott. •Fremde Sichel singt in der Sonne: Vom Nirgends gegeben von der Welt gediehen fruchtschwer ins Namenlose geschritten, der Sonne gejubelt dem Abend zerschnitten Spreu in den Wind gestreut namenlos weht unser Sein vorbei. Leben ist Garbenfülle der dunkelen Scheuer, eine Kinderhand tastet uns jauchzend ins Haar, ln tausendfach Vollem erblüht uns Bestimmung in windstillen Nächten erwachsen wir uns. Stille Stimme spricht in der Scheuer: Alles ist Leben, dem Zwecke gegeben. Dasein ist Leben Fühlen ist Sonne fruchtloses Schreiten ist Ende und Tod Weit hinter Wäldern hängt vom Himmel ein Strahl, glühend beglänzt er ein dunkles Boot. Bergwaldherüber erbraust ein Lied: Hoch in den Wipfeln wiegen sich Sonnen. Strahlen, himmelher aus den Gletschern gestiegen, Himmelblau, von reifenden Feldern getragen, Hände in meinen Haaren, klein bin ich und blind vor eurem Leuchten. Wolken feuchten den Gang,