268 Die Ich-Erzählung fügt sich wie oder sogar als ein Schlußstein in das System der logischen Struktur des Gebildes Dichtung ein. Damit mag nicht nur sie selbst in ihrer nuancenreichen Eigenstruktur eine Erhellung erfahren haben, sie repräsentiert darüber hinaus einen methodischen Wert für unsere Betrachtung. Denn sie läßt in ihrer Eigenschaft als fingierte Wirklichkeitsaussage, als Zwi ­ schenform weiträumiger Art, noch einmal die Konturen deutlich hervortreten, die innerhalb des allgemeinen Sprachsystems die beiden Hauptgattungen der Dichtung, die fiktionale und die lyrische, kategorial voneinander tren ­ nen. In dichterischer Form spiegelt sie die Verhältnisse wieder, mit deren Erörterung wir uns den Zugang zu dem logischen System der Dichtung zu eröffnen begannen: denn sie zeigt in ihrer Eigenschaft als erzählende Dichtung, daß auch eine noch so hochgradig fingierte Wirklichkeitsaussage diese nicht in ein fiktionales Erzählen verwandelt. Die Wirklichkeitsaussage erwies sich als das Erkenntnisinstrument größter Effektivität, weil sie im Vergleich mit dem fiktionalen Erzählen, als der einzigen vergleichbaren dichterischen Struk ­ tur, dessen Sondergesetzlichkeiten erkennbar werden ließ. Zwischen der Wirk ­ lichkeitsaussage und dem fiktionalen Erzählen läuft die Grenze, ja die schmale, aber unüberbrückbare Kluft, die die fiktionale Gattung als ein Sonder ­ gebiet von dem allgemeinen Aussagesystem abscheidet, das wiederum die lyrische Gattung, und an einem anderen Orte seines Gebietes auch die Ich- Erzählung, in sich schließt.