T weiteren Friedhofs am westlichen Theile des Stuttgarter Thals zu denken; wie ja auch alle größeren Städte mehrere Friedhöfe haben. Der neu vorgeschlagene Platz ist nur am untern Theil der in der Beilage Heller angelegte Fläche annähernd ebenso eben als das gewählte Feld; auf der dunkler angelegten Fläche steigt er ziemlich an, wodurch die Anlage- und Planiruugskosten wesentlich höher zu stehen kommen werden, und ebenso auch die Kosten für die Herstellung und Unterhaltung der Wege und für die Wasser ­ beischaffung, wogegen aber wohl sicher anzunehmen sein dürfte, daß durch die Verrückung nach Nordwest das seither in Aussicht genommene Areal wesentlich an Werth „als Bauplatz" gewin ­ nen würde. Nach allen diesen Punkten nun für und wider dürfte es bei der Wichtigkeit dieser Frage höchst empfehlenswerth erscheinen, daß von Seiten der bürgerlichen Kollegien dieselbe nochmals in Er ­ wägung gezogen würde. Dem Verein für Baukunde scheinen, soweit sich die Sache ohne weiteren Detailstudien übersehen läßt, die Vortheile des vorgeschlagenen Platzes dessen Nachtheile entschieden zu über ­ wiegen." Stuttgart, 23. März 1872. Auf dieses, mit einem Geleitschrciben dem Gemeinderath übergebene Gutachten ist sodann am 29. Mai 1872 nachfolgende Antwort eingelaufen: „Dem verehr!. Württembergischen Verein für Baukunde beehre ich mich, Namens der bürgerlichen Kollegien von Stuttgart die ergebenste Mittheilung zu machen, daß dieselben mit Interesse von dem Gutachten des Vereins über die Anlage eines neuen Fried ­ hofs auf der Prag Kenntniß genommen und den darin entwickelten Vorschlag einer genauen Prüfung unterworfen haben. — Es ge ­ reicht uns zur Befriedigung, daß der verehrl. Verein die ange ­ messene Terrain- und Bodenbeschaffenheit, die schöne Lage und die richtige Entfernung des von uns für den neuen Friedhof gewählten Platzes anerkannt hat; dagegen vermögen wir die Bedenken nicht zu theilen, welche der Verein gegen den Platz mit Rücksicht auf die bauliche Entwicklung in jener Gegend hegt. — Wir glauben, daß die naturgemäße Ausdehnung der Stadt in nordöstlicher Rich ­ tung durch die projektirte Friedhofanlage wohl kaum eine Störung erleiden werde. — Abgesehen davon, daß östlich von der Ludwigs ­ burger Bahnlinie im Mühlberg und auf der untern Prag der Bauthätigkeit ein weites und sehr günstiges Feld offen steht, scheint uns der gewühlte Platz schon jetzt durch seine natürliche Terrain ­ beschaffenheit und durch die ihn begrenzende Bahnlinie so abge ­ schlossen, daß eine weitere Abschließung gegen das sich nach jener Gegend ausdehnende Wohngebiet schwerlich nothwendig werden dürfte. — Nördlich vom gewählten Platz wird sich ein Bauquartier nicht so leicht entwickeln können, auch wenn die dort liegenden Lehmfelder abgebaut sind, weil dieses Quartier mit den östlich der Bahn entstehenden Stadttheilen nur eine mangelhafte Verbin ­ dung, durch Bahnübergänge im Niveau, erhalten kann. — Würde vollends das, doch nicht so ganz in der Luft schwebende Projekt der K. Staatsregierung über Anlage der Böblinger Bahn ausge ­ führt und hienach die Bahnlinie in einer Schleife um den Platz gezogen, so würde er wohl kaum einer anderen Abschließung be ­ dürfen. — Wir wollen übrigens nicht in Abrede ziehen, daß der fragliche Platz ohne seine Umrahmung durch eine Eisenbahnlinie auch zu Anlegung eines Bauquartiers geeignet gewesen wäre. — Es schien uns jedoch im Hinblick auf die vortrefflichen Eigen- ^ schäften, die er auch für eine Friedhofanlage besitzt, der Zweck * einer solchen wichtig genug, um sonstigen Bauten nicht einen ab ­ soluten Vorzug einzuräumen; wir müßten sonst consequenter Weise auch den oberen, von dem verehrl. Verein für Baukunde vorge ­ schlagenen Platz verwerfen. — Er könnte nämlich einestheils eben ­ falls ein Bauquartier für gewerbliche Anlagen und für Villen abgeben, andererseits könnte keine Garantie dafür gegeben werden, daß derselbe mit der Zeit nicht auch umbaut und der Friedhof zu 0 verdrängen gesucht werde. — Wollte man hiegegen Vorkehrung ^ treffen, so müßte auf ziemliche Entfernung ringsum ein Bauverbot n erlassen werden, wodurch auch ein ziemlicher Theil des von uns für den Friedhof in Aussicht genommenen Platzes mit betroffen 1_ würde. — Nachdem wir ferner das Areal des Friedhofes mit Ausnahme eines Grundstücks von Gastwirth Stotz, über welches noch ein Expropriationsprozeß verhandelt wird, glücklich erworben J haben, und die Pläne der Friedhofanlage, die mit Rücksicht auf das gegebene Terrain ausgearbeitet wurden, genehmigt sind, somit 1 der sofortigen Anlegung und Benützung des Friedhofs, welche durch ! das fast ebene Terrain sehr erleichtert werden, kein Hinderniß mehr im Wege steht, so mußte die hohe Dringlichkeit der Fricdhofanlage, bei der sehr geringen Anzahl von Grabstätten, welche auf den seitherigen Friedhöfen übrig ist, die Beibehaltung des gewühlten Platzes zur Nothwendigkeit machen. — Die Wahl eines neuen ' Platzes hätte nach unseren Erfahrungen die Ausführung der Fried- * Hofanlage um mehrere Jahre verzögert, da nicht nur die Herstellung 1 neuer Pläne erforderlich gewesen wäre, sondern hauptsächlich auch ! Grunderwerbungen hätten stattfinden müssen, die mit langwierigen Expropriationsprozessen verbunden sein würden. — Wenn wir den * vom verehrl. Verein vorgeschlagenen Platz aus diesen Gründen und ' wegen der vom Verein selbst hervorgehobenen Mängel, wegen seines ' beschränkten Umfangs, der schwierigen Terrainverhältnisse und der ' hiedurch veranlaßten, sehr bedeutenden Anlagekosten vorerst nicht' als Areal für den neuen Friedhof wählen können, so liegt es uns ' jedoch fern, seine Vortheile zu verkennen, und werden wir den- ' selben gerne für die Vergrößerung des Friedhofes in Aussicht ! nehmen. — Wir gehen hiebei davon aus, daß der neue Friedhof 1 auf der Prag der Central-Friedhof für die Stadt werden soll, ohne daß wir den schon früher gehegten und nur an administra ­ tiven Schwierigkeiten gescheiterten Plan ausschließen wollen, später auch im Westen der Stadt (etwa bei Böhmisreüte) einen neuen Friedhof anzulegen. — Schließlich habe ich dem verehrl. Vereine den Dank der Kollegien auszudrücken für die neue Anregung, welche denselben das mitgetheilte Gutachten in einer so wichtigen Frage gewährt hat." \ Stuttgart, den 29. Mai 1872. Hochachtungsvoll rc. Stadtschultheißenamts-Verwescr: Römer.