10 sich, daß die Norm für architektonische Leistungen dahin zu ergänzen sei, daß in Fällen, wo die zu einer Gesammt-Ausführung gehörigen Hochbauten den Betrag von 400,000 oder 500,000 Thalern übersteigen sollten, ein prozentiger Abzug von der durch die architektonische Norm gegebenen Taxe in Anwendung kom ­ men soll. Nachdem der vorliegende Entwurf in Folge vorgerückter Zeit ohne weitere Diskussion zu Ende gelesen worden, so stellt der Vor ­ sitzende eine neue Einladung nach etwa 14 Tagen in Aussicht und ersucht insbesondere um Sammlung von Notizen, welche sich, wenn thunlich, nach den 6 Leistungen der architektonischen Norm — Skizze oder generelle Vorarbeiten, Entwurf, Kostenanschlag, Arbeits ­ risse und Details, Ausführung, Revision — unterscheiden lassen sollten. A. Sch übt er. Beilage 2. Zweite Sitzung der Kommission zur Weraltzung der Konorarfrage für Aauingcnieur-Arbeiten am 15. April 1872. Anwesend die Herren: v. Beckh, Ehmann, Kaiser, v. Morlok, Schlierholz und Schübler. Herr Oberbaurath Schlier holz verliest eine nach den Be ­ schlüssen vom 30. Mürz abgeänderte Fassung des Entwurfs, wo ­ bei insbesondere für denjenigen Fall, wo der Ingenieur bei gene ­ rellen Vorarbeiten, beim vollständigen Projekt und beim Kosten ­ anschlag nur für seine persönliche Leistung honorirt werden soll, diese persönliche Leistung näher definirt ist. Ueber eine von Herrn Oberbaurath Ehmann vorgeschlagene Fassung der verschiedenen hydrotechnischen Arbeiten wird Beschluß in der Richtung gefaßt, daß die Wasserversorgung ganzer Städte und dergleichen umfassendere Arbeiten in die Klasse B, die kleineren Arbeiten, welche auch als Bestandtheile anderer Bauausführungen vorkommen können, in Klasse 2 aufgenommen werden sollen. Die Herren Schlierholz, Ehmann und Kaiser geben No ­ tizen über Bauregiekostcn, insbesondere über Kosten des Hülfsper- sonals sammt Nebenausgaben für einzelne Bauausführungen und Projekte, und werden diese Notizen mit dem Resultate einer vor ­ läufig entworfenen Tabelle der nach Prozente berechneten Honorar- Ansätze verglichen. Es wird hierauf beschlossen, den heute vorgelesenen Entwurf, nachdem derselbe entsprechend der heutigen Berathung ergänzt wor ­ den, autographisch vervielfältigen zu lassen, in der Weise, daß die einzelnen Mitglieder ihre etwaigen Bemerkungen, beziehungsweise weitere Anträge in der nächsten auf Montag den 29. April be ­ stimmten Sitzung anbringen können; auch soll jedem Comits- Mitgliede die vorerwähnte Tabelle zugestellt werden und sollen, wenn thunlich, in der Sitzung vom 29. April die Comite-Bera ­ thungen zum Abschlüsse gebracht werden. A. Schübler. Beilage 3. Dritte Sitzung der Kommission zur ZLerathung der Konorarfrage für Aauingenienr-Aröeiten am 2». April 1872. Anwesend die Herren: Binder, Ehmann, v. Morlok, Schenk, Schlierholz und Schübler. Der autographirte Entwurf für die diesseitige Begutachtung der Baumeister'schen Vorschläge wird verlesen und werden hiebei einzelne Modifikationen und redaktionelle Verbesserungen ver ­ einbart. Herr Baurath Schenk bringt die artesischen Brunnen und die hiezu gehörigen Schachtbauten zur Sprache; man verständigte sich dahin, daß solche Arbeiten sich zum Voraus schwer bestimmen lassen, im Allgemeinen zwar in Klasse 2 einzurangiren wären, aber besser nach Taggeld oder sonstiger Vereinbarung behandelt werden. Nachdem der Entwurf von den Anwesenden glitgeheißen, wird beschlossen, denselben in Rücksicht auf die oben erwähnten Correk- turen wiederholt autographiren oder drucken zu lassen, und soll derselbe im Namen der Kommission vom Vorsitzenden unterschrieben und der nächsten Sitzung des Vereins vorgetragen werden. A. Schübler. Beilage 4. Begutachtung und Uorschtag bezüglich der Aufstellung einer Norm zur Berechnung des Honorars für Arbeiten aus dem Bau-Jngenieur-Wesen durch die von dem Württembergischen Verein für Baukunde zu Stuttgart gewählte Kommission, bestehend aus dem Baurath v. Beckh, Oberbaurath Binder, Oberbaurath Ehmann, Bauinspektor Kaiser, Baurath v. Martens, Oberbaurath v. Morlock, Baurath Schenk, Oberbau ­ rath Schlierholz und Bauinspektor Schübler. Ter Vorschlag des Herrn Professor Baumeister: „über Honorirung von Arbeiten aus dem Bau-Jngenieurwesen" zeigt die Eigenthümlichkeit, daß die einzelnen Bauarbeiten auch nach dem Baumaterial unterschieden werden sollen, indem nach dem Wortlaute des Entwurfs vier sog. Indexe eingeführt wur ­ den, anstatt dreien bei den architektonischen Arbeiten. Abgesehen von primitiven Arbeiten wie Erdbauten, deren Eigenthümlichkeiten bei Bemessung des Ranges doch entsprechende Berücksichtigungen finden müssen, ist die Unterscheidung des Bau ­ materials überflüssig und bedenklich; überflüssig — weil z. B. eine Holzbrücke von 20,000 Gulden oder Thalern Bauaufwand größere Mühe verursachen kann, als eine eiserne Brücke von demselben Kostenbeträge; bedenklich — weil die Bauobjekte meist aus ver ­ schiedenen Materialien zusammengesetzt sind, deren gegenseitiges Massenverhältniß im Laufe der Projektirung oder Ausführung wesentliche Aenderungen erleiden kann. Eine weitere Schwierigkeit der Baumeister'schen Klassifikation liegt darin, daß Arbeiten umfassenderen Charakters, wie Eisen ­ bahnen, Straßen, Kanäle in der fraglichen Aufzählung gleich ­ laufend mit Einzelobjekten, wie Brücken, Tunnels, Schleusenthore, Schiebebühnen rc. erscheinen, so daß Willkürlichkeiten nur durch weitere, ziemlich ins Einzelne gehende Bestimmungen verhindert werden könnten. Wenn man die vorgenannten umfassenden Arbeiten zunächst bei der Klassifikation ausscheidet, so lassen sich die übrigen Ar ­ beiten, welche in den 9 Baumeister'schen Klassen aufgeführt sind, mit Vorbehalt einiger Modifikationen in folgender Weise eintheilen: Erste Klasse: enthält sämmtliche Erd- und Beschotterungs ­ arbeiten. Zweite Klasse: enthält die Klassen Ln. und Ca. des Bau ­ meister'schen Entwurfs.