13 dem deren Dienstzeit erst nach zurückgelegtem 30. Lebensjahre gerechnet würde; — 2) daß frühe verunglückten Beamten mit längerer Pensions ­ zeit die Pension erhöht werde; — 3) daß Bahnhofverwalter II. Klasse, wenn sie ein höheres Staatsexamen gemacht haben auf Lebzeiten angestellte Beamten seien, nicht aber geprüfte Bcchnmeistcr re.; und wünsche bei Punkt 3, besonders aber bei erstem Abhilfe und die Vermittlung des Vereins; es dürfte jedoch nur dieser in Behandlung zu nehmen und die Andern fallen zu lassen sein, da insbesondere Punkt 2 auch andere Beamte, Eisenbahnbctricbsbeamte, Bergleute rc. treffe, der §. 47 dem Könige in besonderen Fällen ein weiter ­ gehendes Recht auf Erhöhung von Pensionen einräumt, überhaupt die 2 leztercn Punkte keine Aussicht auf Erfolg haben dürften. Der Referent aus der Kommission theilt diese Ansicht und verliest nun Herr Baumgärtner eine von ihm verfaßte Ein ­ gabe, welche nachdem sich an der Debatte die Herren Binder, Bok, v.Egle, Köhler, Knoll und v. Schlierholz betheiligen und nach einigen Ergänzungen, die sich darauf beziehen, daß z. B. beim Eisenbahnbau seit neuerer Zeit die Bauführer auf vierteljährliche Kündigung bestellt werden und daß es geboten sei, daß bei den wenigen Assistentcnstellen, die Techniker als Bauführer bis zu ihrer definitiven Anstellung Dienste leisten müssen, in denen sie sich weiter für ihr späteres Amt ebenfalls ausbilden und dadurch doch wohl nicht Schaden nehmen sollten, dieß beigefügt werde und in nachstehender Fassung angenommen wurde. Kohe Kammer der Abgeordneten! Bitte des würltemb. Vereins für Baukunde um Modification des Art. 39 in dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Rechtsverhältnisse der Staatsbeamten. Der württcmb. Verein für Baukunde erlaubt sich einer hohen Kammer der Abgeordneten in Betreff des den Ständen vorgelegten Entwurfs eines Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der Staatsbeamten, beziehungsweise in Betreff der Bestimmungen des Art. 39 dieses Gesetzes eine ehrerbietige Vorstellung und Bitte zu unterbreiten. Der genannte Artikel bestimmt: „Die Dienstzeit, welche bei der Feststellung des Ruhe- „gehalts in Betracht kommt, wird vom Tage der Anstellung „an auf Lebenszeit gerechnet. Hiezu tritt wenn eine An- „stellung auf einer vierteljährig kündbaren Stelle (Beil. II „dieses Gesetzes) voranging, die auf solcher nach Vollendung „des 25. Lebensjahres zugebrachte Dienstzeit." Hiezu sagen die Motive, daß die zuletzt angeführte Be ­ stimmung bezüglich des Lebensalters aus dem Grunde getroffen sei, damit nicht für diejenigen, welche längere Zeit auf Er ­ langung einer umfassenden Vorbildung verwandten, eine Be- nachthciligung bezüglich der Dienstberechnung entstehe gegenüber von Solchen, die lediglich in einer praktischen Laufbahn sich vorbilden. Die ausgesprochene Absicht des Gesetzes wird bei denjenigen Bediensteten, deren Interesse wir vertreten, nicht erreicht, sondern das gerade Gegentheil davon bewirkt. Die Bautechniker nämlich, welche ihre wissenschaftliche Ausbildung vollendet und die höhere Staatsprüfung erstanden haben, werden zunächst als Bauführer und zwar meist nicht mit */ 4 jähriger Kündigung, sondern fast durchweg mit einem Taggeld bei Ausführung von Staatsbauten angestellt. Auf sie würden also, weil nicht mit l U jähriger Kündigung, sondern mit bloßem Taggeld angestellt, nicht die Bestimmungen des Art. 39, sondern die des Art. 42, Ziff. 5 Anwendung finden, d. h. ihnen würden bei Berechnung des Ruhegehalts die vor dem Eintritt in ein definitives Amt im Staatsdienst zuge ­ brachten Jahre nicht vom 25., sondern vom 30. Lebensjahre an gezählt. Dagegen würden den in der Beil. II. des Gesetzes aufgeführten Bediensteten, welche in der Regel keine höhere wissenschaftliche Bildungslaufbahn durchgemacht und keine höhere Staatsprüfung erstanden haben, aber mit '/« jähriger Kündigung angestellt sind, wie z. B. Bahnmeister, Straßenmeister, Floß ­ meister, Bauaufseher an der Neckarwasserstraße, selbst Schleusten-, ! Fluß- und Straßenwärtcr rc rc., wenn sie später eine An ­ stellung auf Lebenszeit erlangen, die in ihrem früheren Dienste zugebrachten Jahre bei der Pensionsberechnung vom 25. Lebens ­ jahr an gezählt. Ihnen gegenüber wären also die zuerst ge ­ nannten Bautechniker, durch ihre höhere wissenschaftliche Aus ­ bildung und der erstandenen höheren Staatsprüfung in be ­ deutendem Nachtheil. Dies ist offenbar gegen den Sinn und Zweck des Gesetzes und der gesetzgebenden Faktoren, und läuft den allseitig ange ­ nommenen Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit entgegen — das Alles umsomehr, als es für Bautechniker zur Erlangung der völligen Tüchtigkeit für ihr zukünftiges Amt absolut noth ­ wendig ist, daß sie nach Vollendung ihrer wissenschaftlichen Studien als Bauführer eine (eben nur mit einem Taggeld ver ­ bundene) Anstellung bei Bauausführungen suchen, weil sie bei der nicht ausreichenden Zahl von Ingenieur- und Bauamts ­ assistentenstellen in keiner andern Weise dem Staate dienen und ihre volle praktische Ausbildung erlangen können. Wir glauben von einer weiter begründeten Ausführung absehen zu dürfen und erlauben uns vertrauensvoll einer hohen Kammer der Abgeordneten die ehrerbietige Bitte zu unterbreiten: „Dieselbe wolle bei Berathung des mehrerwähntcn Ge ­ setzesentwurfes den in Art. 39 enthaltenen Bestimmungen eine solche Fassung geben, daß auch denjenigen Bantechnikern, welche eine höhere Staatsprüfung erstanden haben, vor ihrer definitiven Bedienstung aber nur in der Eigenschaft als Bau ­ führer rc. rc., mit einem Taggeld im Staatsdienst angestellt waren, die in dieser Stellung zugebrachte Zeit bei Berechnung der Pension vom 25. Lebensjahr an gezählt werde. Stuttgart, den 8. April 1876. Ehrerbietigst Der württemb. Verein für Baukunde. Im Namen desselben der Vorstand: I. v. Schlierholz, Obcrbaurath. Ferner wird beschlossen von der Eingabe den Herren Ministern der auswärtigen Angelegenheiten und der Verkehrs ­ anstalten, des Innern und der Finanzen Abschrift mit ent ­ sprechenden Begleitschreiben zuzustellen, was der Vorsitzende zu besorgen übernimmt. Schließlich erwähnt Herr Knoll, wie es wünschcnswerth wäre, daß die geprüften Techniker auch als Bauführer in einem dem genannten Gesetze entsprechenden Sinne angestellt würden, wodurch uns auch die tüchtigeren Kräfte mehr als seither er ­ halten und an unsere Verhältnisse gekettet würden. Dies wird allseits anerkannt und soll jeder in seinem Kreise auf die Verwirklichung dieses Wunsches hinwirken. Der Vorsitzende spricht hierauf im Namen des Vereins den Dank an Herrn Preu für dessen Antrag und den Kom ­ missionsmitgliedern für ihre Mühe aus. Ein Antrag auf die Ausführung eines Frühlingsausflugs für Herrn und Damen, welchen der Herr Vorsitzende auf den Wunsch mehrer Mitglieder und zwar nach der Solitude stellt, wird nach einiger weiterer Besprechung genehmigt, für die Aus ­ führung der 28. Mai d. I. vorgesehen und als Festordner die Herren Bock, Dobel, v. Scegerfl'., Zobel erwählt. Aus ­ wärtige Mitglieder sollen jedenfalls auch benachrichtigt werden. Endlich wird zum letzten Gegenstand der Tagesordnung übergegangen und gibt Herr Prof. Dollinger Erläuterungen über die von ihm ausgestellten Zeichnungen, welche schon vor und während der Verhandlungen die Aufmerksamkeit der Mit ­ glieder auf sich gezogen hatten. Es sind: 1) getreue Pausen von 3 alten kreisförmigen Glasbildern, welche sich im Fürstl. Hohenlohc'fchcn Schlosse zu Ncuenstein gefunden haben und bei der Einrichtung eines Saals für Kunst- und Altcrthumsgegcnstände verwendet werden sollen. Die Gegenstände der Bilder sind theils ans der Bibel, theils aus dem Leben gegriffen und reihen sich je um die mittlern Hohen- lohe'schen Wappenschilder; erstere sind Scenen aus dem Leben ! von Adam und Eva, von Simson und von David, an welche sich