17 Knoll einige Ergänzungen in Betreff der Berücksichtigung der Horizontalkräfte, insbesondere bei höheren Pfeilern bean ­ tragt worden sind. Der Verein erklärt sich mit diesen Nach ­ trägen einverstanden und ist das Referat, welches dem auf der Generalversammlung referirenden Architekten- und Jn- genieurverein zu Straßburg mitgetheilt werden wird, in Beil. 2 enthalten. Herr Baurath Wolfs referirt Namens der hiezu auf ­ gestellten Kommission über die Fortschritte der Ziegelfabrikation und des Rohbaues in Württemberg. Hieran knüpft sich eine längere Debatte, bei welcher sich vorzugsweise die Herrn v. Egle, v. Schlierholz, Bok und Rheinhard bethei ­ ligten, und es wird sodann beschlossen in dem Referat zwar die Fortschritte der Ziegelfabrikation — namentlich in Ober ­ schwaben — zu betonen, den betreffenden Passus aber dahin abzuändern, daß die Verwendung des Thons zur Nachahmung von Formen, welche sich naturgemäß nur für Hausteine eignen, nicht als Fortschritt dargestellt erscheinen könne, was nach der Erklärung des Herrn Bok auch keineswegs die Absicht der Kommission war. Der Vorsitzende erkundigt sich nach den mit inländischen Falzziegeln gemachten Erfahrungen, worauf Herr v. Landauer ganz günstige Resultate mit Falzziegeln aus der Fabrik von Mack in Schrozberg mittheilt, wogegen Herr Köhler weniger günstige Erfahrungen gemacht hat, während Herr Bok der Ansicht ist, daß der nicht unerhebliche Absatz der Bihl'schen Fabrik in Waiblingen jedenfalls als ein gün ­ stiges Zeugniß für die Falzziegel zu betrachten sei, übrigens sei es nothwendig, bei Anwendung derselben Kehlen und Gräte möglichst zu vermeiden. Herr Silber geht zur Backstein ­ fabrikation im Allgemeinen über und ist der Ansicht, daß durch die Maschinenziegelei zwar ein schöneres Aussehen aber keineswegs eine bessere Beschaffenheit der Backsteine erzielt werde und, daß die früheren Handziegel wesentlich besser ge ­ wesen seien. Bei der folgenden längeren Diskussion kommt schließlich die Ansicht zur Geltung, daß durch die Einführuug der Maschinenziegelei zwar die Produktion erheblich größerer Quantitäten möglich geworden sei, daß aber die Qualität sich im großen Ganzen nicht wesentlich gehoben habe. Das rectificirte Referat findet sich Beil. 3. Herr Köhler bringt zur Sprache, daß an der Berliner Versammlung des Verbands außer den Vereinsmitgliedern eine größere Zahl von Gäste, darunter auch Württemberger, Theil genommen habe, welche hiezu offenbar gar nicht berechtigt gewesen seien. Der Vorsitzende bestätigt dies und erklärt, daß der hiesige Verein von seinem Einführungsrechte nur einen ganz beschränkten Gebrauch gemacht habe. Herr v. Egle glaubt, daß in Berlin gar nicht nach der erforderlichen Legi ­ timation gefragt worden sei, weßhalb sich Unberechtigte leicht Karten verschaffen konnten. Eine Regelung dieser Frage durch den Vereinsverband und die Unterscheidung zwischen Mit ­ gliedern und Gästen durch besondere Abzeichen und Karten sei nothwendig. Es wird beschlossen, die Vororte zu ersuchen für die nächste Generalversammlung dahin zu wirken, daß: 1) Die Einzel-Vereine resp. ihre Vorstände, wie das Local- Comite von dem Einführungsrechte nur sparsam Gebrauch machen möchte, und zwar nur solchen Technikern die Gastfreundschaft verleihen, die vermöge ihrer wissenschaft ­ lichen und sachlichen Ausbildung zur Aufnahme in einen Verbandsverein befähigt wären und 2) daß Gästen andere Abzeichen gegeben werden als den Verbandsvereins-Mitgliedern. Dem Antrage des Vorsitzenden entsprechend wird der Vereinsausschuß ermächtigt, während des Sommers bis zur Wiederaufnahme der Sitzungen die einlaufenden Fragen im Namen des Vereins zu erledigen; auch die Wahl der Dele- girten zur Münchener Versammlung wird dem Ausschuß an ­ heimgestellt. Schließlich werden auf Antrag des Herrn Silber die Herren: Architekt Zwißler und Stadtbaumeister Bleich in Reutlingen als auswärtige Mitglieder in den Verein auf ­ genommen. Hl e f e r a t über die am 28. Mai stattgehabte Excurston des Vereins für Baukunde nach der Solitude. «Mit 2 Zeichnungsbeilagen.) Am 28. Mai begab sich eine große Zahl der Vereins ­ mitglieder in Begleitung ihrer Familien nach der Solitude, einem Landsitz, den bekanntlich der prachtliebende Herzog Karl Eugen von Württemberg auf einem Höhenrücken in der Nähe Leonbergs in den Jahren 1763 bis 1767 errichten ließ. Der Weg führte in nächster Nähe der Stadt bei der Steigung des Hasenbergs an den von Oberbaurath v. Ehmann ausgeführten Wasserreservoirs und Druck-Regulirvorrichtungen vorbei, welche Bestandtheile der neuen Wasserversorgung der Stadt von südwestlicher Richtung her bilden. Mit großem Interesse folgten die Anwesenden den Er ­ läuterungen, welche über dieses interessante Werk von dem Herrn Ingenieur Zobel ertheilt wurden, der bei der Instand ­ setzung desselben thätig war. Die weitere Fortsetzung des Wegs durch den schattigen Wald fiihrte an einem Theil der großen Sammelbecken vorbei, durch welche dieses Wasserwerk in weitem Umkreis gespeist wird; ein kurzer Halt an dem sogenannten Bärcnschlößchen im K. Park wurde zur Erfrischung der wandernden Gesellschaft benutzt. Es ist dieser mäßig große Jagdpavillon dicht an einem der Seen gelegen, der den Namen Bärcnsee trägt, ein auf hoher Terrasse gelegener mäßig großer Saal, an den sich beider ­ seits etliche Cabinete anschließen. Im Unterbau sind Dienst ­ räume, Küche rc., so daß dadurch ein anmuthiges Uenäeri-vous de chasse geschaffen war. Von der Vorder- und Rückseite führen bequeme Freitreppen auf die Höhe der Terrasse, die einen Umgang um den Pavillon bildet. Nach der Seeseite zu sind am Fuße der Treppe zwei überlebensgroße Bärengestalten diesseits und jenseits auf hohen Postamenten errichtet und verdeutlichen so die Bezeichnung als Bärenschlößchcn. Das Aeußere dieses einstöckigen Gebäudes war früher ganz mit Eichenrinde bekleidet, und stimmte in seiner einfachen kunst ­ losen Erscheinung ganz zu der Waldeinsamkeit, die nach keiner Seite einen Ausblick in die umliegenden Thäler gestattet. In neuer Zeit hat die Rindenbekleidung einer Verblendung weichen müssen, und nur das Hauptgesimse hat noch sein altes Aus ­ sehen behalten. Dieser Halt auf dem Bärenschlößchen war insofern ein zweckmäßiger, als die darauf erfolgte Ankunft auf der Solitude recht auffällig die Aehnlichkeit der Grundanlage beider Bau ­ werke anschaulich machte. Was im Bärenschlößchen gleichsam als einfachster Ausdruck der räumlichen Disposition gegeben war, kommt in der Bauanlage der Solitude zur reichsten Ent ­ faltung. Das langgestreckte Schloß, nur aus einem Stockwerk be ­ stehend, ist auf einen hohen Unterbau gestellt, der von einer äußern Bogenreihe umgeben eine ringsum laufende geräumige Halle bildet, deren Wölbungen eine breite,, an ihrem Rande mit einer Balustrade gefaßte Terrasse tragen. Die Zugäng ­ lichkeit derselben wird durch vier Treppenaufgänge vermittelt, wovon das eine Paar ganz ähnlich wie bei dem Bärenschlößchen von der Vorderseite, das andere auf der Rückseite in weit aus ­ ladenden doppelt gekrümmten Bogenlinien in die Höhe führen. Das Herausrücken des Wohngeschosses, wie es unser Grundriß Blatt 1 gibt, über die Höhe der Terrasse war eine höchst zweck ­ mäßige Anordnung, um von den Gemächern aus über die Baum ­ kronen hinweg soviel als möglich von der herrlichen Landschaft, die sich fernhin ausbreitet, in den Gesichtskreis zu bringen. Das Innere des Unterbaues, durch eine in der Mittclaxe lie ­ gende geräumige Durchfahrt in zwei Hälften getheilt, ist für die ökonomischen Zwecke ausgenützt und die Verbindung mit