18 dem Hauptstock durch kleinere innere Treppen vermittelt, deren eine bis auf die Kuppel und deren zuoberst angebrachtes Bel ­ vedere führt. Der Umriß des Grundplans ist, wie es der Geschmacks ­ richtung damaliger Zeit entsprach, keineswegs in strengen Linien gehalten, sondern das Geschweifte in unmuthiger Abwechselung mit den gradlinigen Theilen verflochten. In wirklich scharf ­ sinniger Weise ist die innere Eintheilung combinirt und eine Verschiedenheit in der räumlichen Gestaltung erreicht, die den Eindruck des höchsten Behagens erzeugt. Da sämmtliche Oeffnungen der Außenwände als Thüren behandelt sind, also überall den Austritt auf die Terrasse er ­ lauben, konnte die Grundrißanordnung auch ihre ungemeine Einfachheit erlangen, weil keine Vorhallen und die Zugänglichkeit vermittelnde Gänge und Vestibüle nöthig waren. Der Gedanke, den großen elliptischen mit einer Kuppel überdeckten Mittelsaal nach beiden Seiten gegen das Freie zu öffnen, verleiht demselben eine außerordentliche Helle und mit die ­ sem sonnigen Effect contrastirt auf das Wohlthätigste der kleine ovale, über die Fayade halb vortretende Saal am westlichen Ende, dessen rückwärtiger viereckiger Theil, im Innern des Ge ­ bäudes liegend und nur schwach von oben erhellt, in reizender Dämmerung bleibt. Die kleinen geschweiften Cabinete, deren eines für die Bibliothek diente, in deren stattlichen Bücher ­ schränken jetzt übrigens anstatt der anderwärts aufbewahrten Pracht ­ bände, zierliche Porzellangruppen der ehemaligen Ludwigsburger Fabrik aufbewahrt sind, gehören zu dem Unmuthigsten, was die Recoccozeit in Württemberg hervorgebracht hat. Die Wände des Conzertsaals, gleichwie des Versammlungs ­ und Empfangsaals und die kleineren Eckräume, deren einer als Schlafzimmer mit Alkoven ausgebildet ist, sind meist mit Gold- leisten gefaßt, und in schlanke Felder abgetheilt, die an den obern und untern Endigungen in den bekannten Violinenformen auskaufen. Ist auch die Dekorationsweise der einzelnen Säle nicht von so großer Mannigfaltigkeit und Ueppigkeit wie z. B. in der weit kleineren Amalienburg bei Nymphcnburg, die eine sehr ähnliche Anlage hat, ebenfalls mit einem dort kreisförmigen gewölbten, von beiden Seiten beleuchteten Mittelsaal, der ein Meisterstück von Vertheilung und zierlicher Ausspinnung der Versilberung bis in die feinsten Ranken genannt werden muß, so ist in dem Hauptsaal der Solitude doch eine reichere Glieder ­ ung der Umfaffungswände, und die Art wie die Wandflächen in die Wölbung der Decke übergeführt wurden, ist voll Schwung, die Einrahmung der Oeil-äeboeuk Fenster, die dem Saale von oben Helle geben, höchst sinnreich, und das große Deckenbild mit den kleinen Bildern über dem Hauptgesimse ringsum, geben dem Raum etwas wahrhaft festliches. Denkt man sich noch das reiche Ameublement hinzu, das nicht mehr oder nur in spärlichen Resten noch vorhanden ist, so muß der Gesammt- eindruck zur Zeit des ehemaligen Glanzes vor 100 Jahren ein wahrhaft prächtiger gewesen sein. Die äußere Erscheinung in behaglicher Breite sich aus ­ dehnend, wirkt sehr anmuthend, freilich ist von den Blumen- Parterres, den geschnittenen Hecken, Lorbeer- und Pomeranzen ­ bäumen, den Balustraden, Vasen, Statuen, Hermen und Büsten, die den Platz vor dem Gebäude zierten, nichts mehr zu sehen, und die Fläche ist öde, wie sie unsere Abbildung, Blatt 2 wiedergiebt. Aber die hohe prächtige Lage, von der aus man eine weite fruchtbare Landstrecke bis in große Ferne überblickt, geradeaus die langgezogene Straße, die in schnurgerader Linie bis Ludwigsburg führt, und bekanntlich zur Basis der württemb. Landesvermessung diente, im Mittelgrunde der hoch aufragende Aspcrg, dahinter die Höhenzüge vom Strombcrg bis rechts in langer Reihe zu den Bergen der Alb, der rückwärts und zu beiden Seiten sich ausdehnende schattige Wald machen heute noch diesen Punkt zu einem der schönsten in Württemberg, und seine Wahl, sowie die Art wie er ausgenützt wurde, geben ein beredtes Zeugniß für den hohen Kunstsinn des einstigen Erbauers, selbst wenn Hohenheim und die anderen Schöpfungen dieses pracht ­ liebenden Fürsten nicht bestünden. Im Hintergründe ziehen sich, wie es der kleine Situations ­ plan, Blatt 1 verdeutlicht, in angemessenem Abstande zwei nie- derige Gebäude mit Mansardendächern für den Hofstaat und das Gefolge hin, deren jedes eine Wiederkehr nach rückwärts hat, und wovon der linke Flügel als Kapelle, der rechte als Theater diente. Von dem ersteren hat sich noch die schöne Stuckdecke erhalten. Eine Anzahl kleiner isolirter, fast würfel ­ förmiger Gebäudchen sind zu beiden Seiten dieser Flügel noch in gerader Verlängerung von deren Vorderfront nach auswärts angefügt, in denen die niedere Dienerschaft, das Balletpersonal re. wohnte. Mehrfach dienten diese Gebäudchen sammt dem recht ­ seitigen gekrümmten Rückbau nach den großen Kriegen als ge ­ sunde luftige Lazarethe für die Verwundeten, aber die einstige Wohnung des Herzogs, der in eigenthümlicher Selbstbeschränkung den Hauptbau nur für festliche Gelegenheiten oder seine hohen Gäste aufsparte, war im Vordertheil des linken Flügels, der heute als Wirthschaftsgelaß dient. In dem Saale desselben ließ sich nach genommener Ein ­ sicht des Schlosses unsere Gesellschaft zu heiterem Mahle nieder, erfreute sich bei Spiel und Tanz und spät erst erfolgte der Rück ­ weg durch den prächtigen Wald in sternheller Nacht. C. L. Ausschußsihung vom 16. Juni 1876. Anwesend die Herren Binder, v. Egle, v. Hänel, Knoll, v. Leins, Silber, Teichmann, später v. Schlierholz. Vorsitzender: v. Egle, Schriftführer: Teichmann. Es ist ein Antrag des Vorstands des mittelrheinischen Architekten- und Ingenieur-Vereins zu behandeln, welcher lautet: Es möge der Kanzler des deutschen Reichs seitens des Vorortes des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine, unter Bezugnahme auf Nr. 5 der vom Verbände heraus ­ gegebenen Denkschrift über Ausbildung der Bautechniker ersucht werden, die Einführung eines in ganz Deutschland im Wesentlichen übereinstimmenden Verfahrens bei der Prüfung höherer Bau ­ techniker und die hierdurch bedingten Annäherungen in der Organisation und den Studienplänen der technischen Hoch ­ schulen des deutschen Reiches dadurch anzubahnen, daß die einschlägigen Detailfragen seitens einer von Reichswegen zu berufenden Commission eingehend geprüft werden. Nachdem der Antrag und die zugehörigen Motive ver ­ lesen, erhebt sich die Frage: Ob die Sache mittelst schriftlicher Abstimmung zu erledigen? oder ob die bevorstehende Delegirtenversammlung abzuwartensei ? Nach einer allgemeinen Debatte, in welcher man sich schließlich dahin einigte, daß eine einheitliche Behandlung der Prüfungen zwar in mancher Hinsicht erwünscht, aber namentlich für Württemberg, dessen Polytechnikum eben in einer erfreu ­ lichen Reorganisation begriffen, nicht dringlich sei, wird be ­ schlossen die Delegirtenversammlung abzuwarten. Auf die Frage ob und welche Instruktion dem oder den Delegirten gegeben werden solle, erwiedert Herr v. Leins: Eine Reichskommission wird jedenfalls das Gute haben, daß die Verschiedenheiten in der Behandlung der Prüfungen ermittelt werden, wodurch schon die erwünschte Einigung vorbereitet und angebahnt wird. Eine solche Einigung ist erwünscht, um den Lehranstalten und den Studirenden einen Anhaltspunkt bezüglich der anzustrebenden Ziele zu geben. Dagegen soll den einzelnen Schulen überlassen bleiben, auf welchem Wege sie dieses Ziel erreichen wollen. Es wären demnach in dem Antrag des Verbandsvorstands die Worte: „und die hiedurch bedingten Annäherungen in der Organisation und den Studienplänen der technischen Hochschulen des deutschen Reichs dadurch anzubahnen" zu streichen. Der Ausschuß pflichtet dieser Ansicht bei und beschließt, den Delegirten zu beauftragen, daß er dieselbe nach Thun- lichkeit vertrete, indeß aber wird der Beschluß in nachstehender Fassung dem Vororte mitgetheilt: