21 unter dem Wasserspiegel des Sees befindlichen Quellen durch die Auffüllung der kleinen Seebuchten zum Theil ge ­ hindert wurde, und da sie in Folge der großen diesjährigen Regengüße bedeutend angeschwollen sein mußten, übten sie einen bedeutenden Druck gegen die im Wege liegenden Erd ­ massen und setzten dieselben in Bewegung. Möglich ist auch, daß sie in Folge der Verhinderung ihres Laufes eine der angedeuteten Thonschichten aufgeweicht haben. Daß die Bewegung des Bodens nicht früher eintrat, mag darin seinen Grund haben, daß das Niveau des Sees höher war und "so einen stärkeren Gegendruck ausüben konnte." Winterthur, den 30. December 1875. Schleebach. Hiezu waren 2 Karten beigelegt, welche wie das Experten ­ gutachten unter den Mitgliedern circuliren werden. Aus dem Bericht der Expertencommission, aus welchem das wichtigste hervorgehoben werden soll, werden sich einige Vermuthungen, deren Herr Schleebach erwähnt, beseitigen oder berichtigen lassen, Referent glaubt jedoch hier schon der Annahme entgegen treten zu sollen, die früher vielfach ver ­ breitete Meinung, es sei der Abbruch einer unterwaschenen Felsplatte die Ursache der Senkung, wäre von den aus- sührenden Ingenieuren aufgestellt worden, denn dies hätte nicht nur wie Herr Schleebach bemerkt, der Vermuthung nicht genügender Untersuchungen vor dem Bau, sondern wohl auch der Vermuthung einer sehr ungenauen Beurtheilung, nach dem Eintritt des Unfalls Eingang schaffen können, was voll ­ ständig unbegründet wäre. Dem Bericht der Experten ist ein solcher des Herrn Oberingenieur's Moser vorausgeschickt, welcher über die Bahn ­ anlage und deren Entstehung Auskunft gibt, wie sie schon kurz von Herrn Schleebach berührt ist, und woraus im übrigen hervorgeht, daß nach der angenommenen Trace die neuen Uferlinien nicht über die alten Einbauten hinaus fallen, obgleich die Profilaufnahmen die Seeufer sehr flach angaben; die oberen Schichten waren allerdings etwas schlammig, aber nur am obern Ende der Station wurden größere Auffüllungen nöthig. Diese wurden mit zusammen circa 12000 Kbm. an ­ fangs 1875 vollendet, ebenso die auf breitem Steinwurf er ­ baute Ufermauer. Am 9. Februar 1875 Mittags stürzte ein Theil der Mauer 135 Meter lang ein und nahm den größeren Theil der Anschüttung mit; der See hatte in der Bahnachse, wo er früher nur 1 Meter tief war, 7 Meter Tiefe erreicht. Sofort eingerammte Probepfähle ergaben bei 15—20 Meter Tiefe „eine absolut feste, gegen den See etwas geneigte Schichte." Dies führte zur Vermuthung, daß „nicht eine Abrutschung des Gesammtkörpers, sondern mehr ein Ver ­ drängen von weichen Schichten stattgefunden habe." Bei weiteren Nachschüttungen stellte sich jedoch immer wieder die gleiche Uferlinie her, diese wurden um so mehr ausgesetzt, als sich auch ergab, die Pfähle haben den festen Grund nicht erreicht. Die Station wurde nach einem abgeänderten Plane ausgeführt und es zeigte sich in den übrigen Theilen nichts Bedenkliches, insbesondere hatte sich die Ufermauer von Nr. 17,1 — Nr. 17,39 ganz gut, fast ohne Setzung erhalten; bei der ersten Fahrt an: 11. September 1875 blieb Alles in Ordnung. Den 21. und 22. September 1875 war starkes Regen ­ wetter, am 22. früh zeigten sich im Planum bei dem Stations- Gebäude Risse, Geleise und Seemauer hatten sich circa 9 cm gesetzt. Um 10 Uhr 30 Minuten verschwanden 85 Meter Mauer und das Planum mit 3 Geleisen bis zu 23 Meter Breite im See. Nachmittags 2 Uhr waren bis zu 48 Meter Breite und die Mauer Abend's bis zu 103 Meter Länge versunken; im Aufnah ms gebäude zeigten sich Risse und den 23. Morgens stürzte die ganze Fläche vor diesem und dem Güterschuppen in die Tiefe, am 24. folgte der Theil zwischen beiden Gebäuden und das Nebengebäude sammt einem Theil der Kopframpe; die größte Länge des Abbruches erreichte 204 Meter, blieb aber bei 48 Meter Breite und damit hatten überhaupt die eigentlichen Abstürze ihr Ende. Im Oktober zeigten sich wohl noch Riffe und Setzungen hinter den Gebäuden, und diese fingen an sich selbst zu be ­ wegen, zuerst senkrecht bis zu 170 mm. und vom 1. November an auch seewärts, wobei auch Risse entstanden. Diese Be ­ wegungen dauerten langsam fort und wurden die Gebäude abgebrochen. — Vorhandene Tabellen zeigen den Gang der Bewegungen. Die Beobachtung der nach dem 9. Februar eingerammten Probepfähle ergibt, daß sich dieselben zuerst hoben, dann wieder senkten; die Pfähle der Gebäude zeigten stärkere Senkungen, ebenso die später geschlagenen Probepfähle. Zugleich wurden umfassende Profilaufnahmen vorgenommen und die eingehendsten Beobachtungen über Senkungen, Wasser ­ stände in Brunnen rc. und seit September 1875 unausgesetzt Bohrungen geniacht, um den Experten alle möglichen Daten an die Hand zu geben. Die von der Direktion der Nordostbahn berufenen Ex ­ perten, die Herren Professor C ulmann, Oberingenieur Granicher und W. Hellwag, Professor Alb. Heim und Rector Lang (.letztere beide Geologen) sollten Gutachten ab ­ geben 1) über die muthmaßlichen Ursachen der erwähnten Rutsch ­ ungen und Senkungen, unter Einbeziehung der Beant ­ wortung der weiteren Frage, ob diese Ursachen, be ­ ziehungsweise deren in den stattgefundenen Rutschungen und Senkungen zu Tage getretenen Wirkungen bei dem Bau der Bahn hätten vorausgesehen, beziehungsweise hätten vermieden werden können. 2) Darüber ob die jetzt von Klm. 16,7—19,3 ausgeführte Linie verändert von 16,95—17,7 wie der der Experten- Commission vom 12. Februar überreichte Plan angibt, in Bezug auf Bahnbetriebssicherheit vollständige Be ­ ruhigung gewähre, eventuell welche weitere Verlegung hiefür als nothwendig betrachtet werde. Zu 1) Die am 9. Februar 1875 versunkene Strecke war per Ol Meter mit 5 Tonnen mehr belastet worden, es hatte hier senkrechte Bewegung stattgefunden, nur die unteren Schuttschichten waren seitlich gegen den See abgerutscht. Nach den Profilvergleichungen hatte auf 60 Meter Breite von der Bahnachse ein Abtrag, von 60—260 Meter Ent ­ fernung eine Erhöhung stattgefunden. Bis 240 Meter Ent ­ fernung hatte der Böschungswinkel von 31 0 sich auf 27 0 ver ­ mindert, daher die Ursache der Bewegung oben zu suchen ist. Da sich die aufgeschüttete Masse nur senkte, so mußte die untenliegende Masse verdrängt worden sein, die Senkung war Folge der größeren Belastung. Bis zu einer gewissen Uferlinie hielten spätere Auf ­ schüttungen, darüber hinaus nicht. Am 12. Juni 1875 fand wieder eine solche größere Rutschung statt, es wurden nun Profile bis in den Seegrund vermessen, und mit älteren (Kantonskarten Maßstab 1:25000) verglichen. Nahe am Ufer waren die Veränderungen unbedeutend, erschreckend groß in den tieferen Theilen. Die Anlagerungen vom 9. Februar waren mit sammt den früheren weiter gerutscht, die Böschungen wieder auf 30—31° steiler geworden, weit draußen am'flachen Seeboden erschien eine Erhöhung von 1—3 Meter. Es war jetzt die Ursache zur Rutschung unten in der über maximal steilen Böschung zu suchen. Der ans derselben liegende Schlamm rutschte ab und „die oben sichtbare Ver ­ senkung war diesmal eine sekundäre Folge der überstellen Böschung unten." Die alte Ablagerung war schon vorher hart an der Gleichgewichtsgrenze und eine geringe Mehrbelastung brachte sie in Bewegung. Referent bemerkt hiezu, daß nach einer ihm zugegangenen Mittheilung des Herrn Professor Moesch in Zürich die Nieder ­ schläge im Zürichsee hauptsächlich aus einem Kalksand bestehen und sich wohl fortwährend, wenn auch sehr langsam absetzen. Es ist somit sehr leicht denkbar, daß an den steilen Abfällen der Molassefelsen unter Wasser öfters solche Abrutschungen nur durch die Niederschläge selbst erfolgen können, wenn sie auch nicht immer bis zum Ufer gehen und sich dort bemerklich