23 Sorge, welche ihnen diese Ereignisse bereitet haben, künftig enthoben seien; für uns aber mögen sie ein neuer Beweis sein, wie nothwendig es ist, sich von den Bodenverhältnissen, mit denen man zu thun hat, im weitesten Umfang zu unter ­ richten und sich davon nicht durch die oft zu karge Zuweisung der Mittel an Geld und namentlich an Zeit, abhalten zu lasten. Stuttgart, im April 1876. C. Binder. Beilage 2 zur 9. ui 10. ordentl. Versammlung. IZerichl betreffend die Minimalstärke für steinerne Mittelpfeiler eiserner Balkenbrücken (insbesondere großer Strombrücken). Die vom Verein mit Bearbeitung der nebenbezeichneten Frage beauftragte Kommission besteht, nachdem Herr Ober ­ baurath v. Abel seine Mitwirkung wegen Geschäftsüberhäufung abgelehnt und Herr Baurath v. Beckh erklärt hat, wegen Abwesenheit von Stuttgart der Berathung nicht anwohnen zu können, noch aus den unterzeichneten Mitgliedern, nämlich Oberbaurath Binder, Bauinspektor Knoll, Professor Laißle und Professor Baurath Hänel (Berichterstatter). Die einstimmig beschlostene Ansicht dieser Kommission ist folgende: 1) Die Dicke der in Frage stehenden Mittelpfeiler hat sich in erster Linie nach der Belastung derselben und nach der von der Natur des Stein- und Mörtelmaterials, sowie von dem Grade der Sorgfalt der Ausführung abhängigen größten zulässigen Inanspruchnahme der Pfeilermasie pro [Dem. zu richten. Die meist beanspruchte Stelle des Steinwerks pflegt aber die Auflagsfläche der Lagerplatten für den Eisenoberbau zu sein und muß daher vor Allem für eine gehörige Ausdehnung dieser Fläche gesorgt werden. Der ungünstigste hiebei mög ­ liche Fall ist der einer doppelspurigen Eisenbahnbrücke mit nur zwei Hauptträgern. Nimmt man das Gewicht einer solchen Brücke bei 100 Meter Tragweite der einzelnen Oeffnungen, im vollbelasteten Zustande zu 8 Tonnen pro laufenden Meter jedes Geleises an, was gewiß reichlich gerechnet ist, so erhält man für die beiden auf einem Mittelpfeiler in der Längen ­ richtung der Brücke neben einander liegenden Platten (statt welcher im Falle continuirlicher Träger nur eine einzige größere vorhanden ist) eine Maximalbelastung von zusammen 800 Tonnen, also z. B. bei einer zulässigen Inanspruchnahme des Steins von 25 Kil. pro [Hem. eine nothwendige Auflags ­ fläche von 32,000 mein. — 3,2 Meter, somit, wenn man jede der beiden Platten quadratisch annimmt, für die Quadratseite v i~6 — 1,26 Meter. In den meisten Fällen, wenn näm ­ lich entsprechend festere Steine vorhanden sind, wird aber eine noch größere Inanspruchnahme zulässig sein, wie denn z. B. die je 1 Meter im □ haltenden Platten der Mannheimer Eisenbahnbrücke über den Rhein auf die darunter liegenden Buntsandsteinquader, deren Festigkeit zu 450 Kil. pro (Dem. angegeben wird, bei unbelasteter Brücke mit 32 Kil., bei größter Belastung sogar mit ca. 60 Kil. pro [Hern. drücken. Aehnliche Drücke ergeben sich auch auf die, aus Basaltlava bestehenden Unterlagssteine der Kölner Rheinbrücke, nämlich 35 Kil., beziehungsweise 58 Kil. pro dem. (vergl. Erbkam, 1863). Außerdem ist zu beachten, daß man bei minder festem Stein, um mit Rücksicht hierauf die Pfeilerdicke nicht vermehren zu müssen, die größere Dimension der Unterlagsplatten auch nach der Pfeiler länge stellen, also in obigem Beispiel jede 1,60 s^Meter große Platte in dieser Richtung etwa 1,60 Meter lang, folglich in der Richtung der Brückenlänge 1 Meter breit machen kann, was übrigens unter allen Umständen wegen der besseren Ausgleichung der Belastung nach der Pfeilerlänge zu empfehlen sein dürfte. Nach allem Vorhergehenden glauben wir, daß bis zu 100 Meter Tragweite eine Auflagsbrejte von 1 Meter für jede der beiden Platten, also im Ganzen von 2 Meter vollauf genügen werde. Giebt man nun, um das Abspringen der Steine durch Ueberlastung der Außenränder zu verhindern, welches übrigens bei Anwendung von Kipplagern weit weniger zu fürchten ist, als bei den ftüher üblichen, ebenen Auflagern, beiderseits noch 25 bis 50 em. zu, so erhält man eine gesammte obere Pfeilerdicke von 2,50 Meter bis höchstens 3 Meter als vollauf genügend bis zu 100 Meter Tragweite. Die Tragzapfen der beiden auf dem Pfeiler aufliegenden Theile des Eisenoberbaues haben unter der vorstehenden Vor ­ aussetzung, wonach die Unterlagsplatten dicht an einander liegen, einen Abstand von 1 Meter, welcher bei rationeller Konstruktion des Oberbaues gewiß immer wird eingehalten werden können. Außerhalb Deutschland ist man schon mehrfach auf obiges Maß herabgegangen, wenn auch nicht bei ganz so großen Oeffnungen. So z. B. hat die neue Eisenbahnbrücke über Douro in Portugal (Engineering 1876) mit Oeffnungen von 50 Meter und 80 Meter, eine obere Pfeilerdicke von 2,50 Meter; bei der Girard-Avenue-Brücke in Philadelphia (Engineering 1875) mit Oeffnungen von circa 60 Meter beträgt sie 8" engl. — 2,44 Meter. 2) Die vorstehend bestimmte Pfeilerdicke kann bei der, in weiten Flußthälern gewöhnlichen, durch das Hochwasser be ­ dingten Pfeilerhöhe von nicht über etwa 10 Meter, bis zu den Fuudamentabsätzen hinab beibehalten werden, oder sie bedarf höchstens, nach Maßgabe des Materials und der Ausführung, einer geringen Zunahme durch einen beiderseitigen Anlauf von nicht über 1: 40. Der obere Theil solcher, durch die Unterlagsplatten auf kleine Flächen stark belasteter, im Uebrigen unbelasteter Pfeiler muß freilich unter allen Um ­ ständen sorgfältig, und in solchem Verbände gemauert sein, daß der Druck in mäßiger Tiefe sich auf die ganze Grundfläche möglichst gleichmäßig vertheilt. Dies vorausgesetzt, wird z. B. die Basis eines 10 Meter hohen, von oben bis unten 2,50 Meter dicken, und verglichen 12 Meter langen Pfeilers einer doppel ­ spurigen Eisenbahnbrücke von 100 Meter (s. oben) durch den Oberbau sammt größter Belastung mit 5,3 Kil., durch sein eigenes Gewicht mit 2,5 Kil., im Ganzen also mit 7,8 Kil. pro dem. an der Basis beansprucht sein, während bei un ­ günstigster einseitiger Verkehrsbelastung der Druck pro dem. an der meistbeanspruchten Stelle sich nur unbedeutend höher, nämlich auf höchstens 9 Kil. stellen würde, was selbst für gutes Bruchsteinmauerwerk durchaus nicht zu viel ist. ' 3) Einer Verstärkung solcher, bis zu 10 Meter hoher Pfeiler, mit Rücksicht auf die daran angreifenden Horizon ­ talkräfte, bedarf es nicht.. Der Druck des anströmenden Wassers kommt dabei um so weniger in Betracht, als derselbe — die richtige Stellung der Pfeiler im Grundriß voraus ­ gesetzt — wesentlich parallel der Pfeilerlänge wirkt, und mit