25 von Gebäuden zur Anwendung kommenden Baumaterialien in ihrer Form und Farbe ohne Verputz und den sonstigen Ver ­ kleidung smitteln, der heutigen Bauweise einen entschieden andern, von dem früheren vortheilhaft abweichenden Charakter verliehen hat. Dir eben erwähnten Fortschritte äußern sich zunächst und in der ausgeprägtesten Weise bei den durch die Staätsbe-- Hörden zur Ausführung gebrachten Bauten. Nicht nur, daß Seitens der hiezu berufenen Techniker der reine Konstructionsbau überall angestrebt und zur Wahrheit wird, sondern auch seitens der maßgebenden Behörden wird in der anerkennenswerthcsten Weise der Erreichung dieses Zieles Vorschub geleistet. Ebenso ist aber auch bei den Privatbauten während der letzten Dezennien ein entschiedener Fortschritt in der Anwendung und Ausbildung des reinen Konstruktionsbaues zu erkennen. Wenn nun, wie schon von dem Eingangs erwähnten Vereine angeführt, dieser Fortschritt seine wesentlichste Veran ­ lassung in einer lebendigen Erkenntniß des Werthes oder der Wahrheit einer unversteckten richtigen Konstruktion findet, so mögen außer den im 2. Theile der vorliegenden Frage ange ­ deuteten Umständen auf die Entwicklung des reinen Konstruktions- banes noch andere Faktoren eingewirkt haben und zwar: 1) Es muß als eine Thatsache konstatirt werden, daß die Bildungsanstalten für Bautechniker unserer Zeit be ­ deutende Fortschritte in ihrer Entwickelung, namentlich in konstruktiver und künstlerischer Beziehung gemacht haben und daß in Folge dessen der Einstuß derselben auf die jetzige Bauart sich in ganz unverkennbarer Weise äußert. 2) Als weitere Thatsache muß angeführt werden, daß die früher übliche Sparsamkeit und Schüchternheit, namentlich in Herstellung öffentlicher Bauten einer weniger eng ­ herzigen Auffaffung gewichen, und das Verständniß und die Würdigung des Rohbaues mehr und mehr erweitert worden ist. Während so früher beinahe alle, auch die massiv ausge- fübrten Gebäude mit Verputz versehen wurden, sehen wir heute den Massivbau ohne Verputz allgemein eingeführt. Hat so das Hochbauwesen in Württemberg die erfreu ­ lichsten Fortschritte in der immer allgemeiner werdenden Aus ­ führung der Gebäude im reinen Konstruktionsbau gemacht, so muß hier auch angeführt werden, daß es hauptsächlich Stuttgart ist, von dem der Impuls für dieses Streben ausgegangen, nnd daß die in Stuttgart ausgeführten Bauten wesentlich als Vorbild für das ganze Land gelten. Aber auch in der neuen Gesetzgebung ist ein wichtiges Zeichen für die Weitererhaltung des Rohbaues zu erblicken, soferne im Gegensatz zu dem bisher üblichen Fachwerk- oder Verputzbau der Massivbau vorgeschrieben wurde. Einen weiteren wesentlichen Einfluß auf die Vervoll ­ kommnung und Verallgemeinerung des reinen Konstruktions ­ baues haben auch die in den letzten Jahren gemachten Fort ­ schritte in der Ziegelfabrikation ausgeübt. Durch bessere mechanische Einrichtungen in den Ziegel ­ fabriken, durch Beobachtung größerer Sorgfalt bei Herstellung der Ziegel ist es gelungen, ein weitaus schöneres und halt ­ bareres Material zu produziren, das für den Rohbail ge ­ eigneter sich erweist, als das früher hergestellte. Die Anwendung des Ziegelrohbaus ist übrigens schon seit längerer Zeit versucht worden, und wurde auch in vielen Fällen bei den Fayaden durch Anwendung ornamentaler Gliederungen in gebranntem Thon und durch sonstige dekora ­ tive Ausbildung Vieles erreicht, was zwar den in Nord ­ deutschland, wo der Backsteinrohbau ein mehr naturwüchsiges Baumaterial bildet, vorhandenen Schöpfungen nicht ganz gleichkommt, jedoch in mancher Beziehung mit denselben eben ­ bürtig sein dürfte. Es ist in dieser Beziehung namentlich auf kirchliche Bauten in Oberschwaben hinzuweisen, bei welchen die Verwendung des gebrannten Thones zum Theil in überraschender Weise Verweildung erhalten hat, wie z. B. dem Maaswerk von gothischen Fenstern und Thüren rc. und sind die betreffenden Bauten immerhin als ein sehr beachtenswerthes Moment zu betrachten; sie geben Zeugniß, in welchem Stadium des Fort ­ schritts unsere Thonwaarenfabriken sich befinden, und wie vieles dieselben zu leisten vermögen; die Anfertigung von Verblendsteineu in verschiedenen Farben, welche gerade in Oberschwaben eine schöne Ausbildung erreicht hat, ist eben ­ falls ein Beweis hiefür, und es ist nur zu bedauern, daß die Zahl der Fälle, in welchen hievon Gebrauch gemacht wird, eine etwas geringe ist, und die Fabrikation nicht zu weiteren Fortschritten veranlaßt und ermuthigt. Dagegen ist die Fabrikation ornamentaler Bauglieder in gebranntem Thon fast in allen Theilen des Landes mehr oder weniger eingeführt, und steht der in andern Ländern kaum nach. Hiebei dürfte auch noch der Fabrikation einer besondern Sorte von Dachziegeln, sogenannten Dachpfannen — Falz ­ ziegeln — erwähnt werden, welche eine große Vollkommen ­ heit erreicht hat, wenn gleich sie nur in wenigen Orten bis jetzt gefertigt werden. Durch den erleichterten Transport der Baumaterialien auf den Eisenbahnen wird der Rohbau auch für solche Gegenden ermöglicht, welchen nicht genügendes und zweckentsprechendes Baumaterial zu Gebote steht, lnid zeigt sich dies an einer Menge von ausgeführten Beispielen, in welchen die Haupt- Materialien aus größerer Entfernung bezogen werden^ was ohne Eisenbahnen nicht möglich gewesen wäre. Stuttgart, den 20. Mai 1876. Die Commission: Baurath Bok, > Baurath Wolfs, Professor D oll in g er. Ergänzung des Witgtiederverzeichnistes. Neu aufgenommen: A. in Stuttgart wohnhaft: C. Glocker, Baumeister, untere Neckarstraße 107. Canz, Ingenieur, Jägerstraße 12. B. als auswärtige Mitglieder: Bertrand, Ingenieur-Assistent in Langenau. B laich, Stadtbaumeister in Reutlingen. Eberhard, Baumeister in Marbach. Faiß, dto. Förster, Straßenbauinspektor in Ehingen. Hart mann, Ingenieur-Assistent, Vorstand des Betriebs ­ bauamts in Hechingen. Veigele, Baumeister in Marbach. Zw iß ler, Architekt in Reutlingen. Von hier nach auswärts gezogen: Keller, Sektions-Ingenieur in Nenenburg. Gestorben: v. Heimerdinger, Baurath in Stuttgart.