29 Portlandcement auch je etwas zuviel Wasser weniger schadet und durch Cementzusatz wieder ausgeglichen werden kann, auch die Einbringung weniger drängt, zudem er an Ort und Stelle der Verwendung geklopft oder gestampft sein ungebundenes Wasser verliert, dadurch ein geringeres Volumen erhält und auch bei seiner Erhärtung dasselbe weniger mehr ändert, als dies bei Romancementen der Fall ist, die sich meist ausdehnen; ad c. ist in der Regel das Mischungsverhältniß durchschnittlich für gröberen Beton: bei Romancement bei Portlandcement Verwendung in Wasser: Cement 1 Theil, Cenient 1 Theil, Sand 1 Theil, Sand 2—2% Theile, Schotter oder Kies 3 Theile Schotter oder Kies 4—5 und geben diese 5 Theile in Theile und bei 1, 2, 5 geben der Regel nur 3,37 Theile diese 8 Theile 5,7 Theile erhärteten Beton, erhärteten Beton, im Trockenen: Cement 1 Theil, Cement 4 Theil, Sano 1'/- Theil, Sand 2—2V a Theile, Schotter, Kies oder Schlacken Schotter, Kies oder Schlacken 4—5 Theile; 5—8 Theile; ad d. Trocknet Beton aus Romancement trotz periodischem Be ­ feuchten im Freien, besonders unter Einwirkung der Sonne, die überhaupt abzuhalten ist, bald aus, er erhält Risse, nicht selten auch Abblätterungen oder Abbröckelungen gegen solchen aus Portlandcement, der gegen die Abwechslung der Witterung weniger empfindlich ist; ad 6. ist die Druck- und Zugfestigkeit bei Verwendung von Portlandcement ungefähr das Doppelte bis Dreifache gegenüber der bei Romancement. Hienach hat in Württemberg seit mehreren Jahren die Ver ­ wendung von Portlandcement selbst zu Fundation und sonstigen Bautheilen sich sehr erhöht und hat die Erfahrung im Allge ­ meinen gute Resultate geliefert, wobei in neuerer Zeit für Lieferungen desselben meist die Normen für einheitliche Lieferung von Portlandcement nach den Beschlüssen des Architekten-Vereins zu Berlin und des deutschen Vereins der Cement-Ziegel-Fabri ­ kanten von 1877 zu Grunde gelegt wird (siehe auch Mittheil ­ ungen von Professor Bauschinger Heft 4 der Zeitschrift für Baukunde S. 551—582). Wie bereits angedeutet, begann man in Württemberg mit der Betonverwendung in größerer Ausdehnung, besonders für den Hochbau, wesentlich erst voni Jahre 1868, indem zunächst an der oberschwäbischen Eisenbahn durch den Referenten eine Anzahl Bahnwärterhäuser wie einige Stationsgebäude, dar ­ unter einige der ersteren nicht nur bis unter das Dach, sondern incl. der Bedachung, nach Innen Spitzbogenform, nach Außen abgedacht, durchaus incl. der Souterrain-Gewölbe von Beton zur Ausführung in Aussicht genonimen und im Laufe einiger Jahre, im klebrigen aber fast allgemein die Souterrains und vielfach auch die Sockel, Perronfassungen, Fußböden, Trottoirbelege u. s. w. von Beton ausgeführt wurden, (vid. Abhandlung hierüber in der Wiener Bauzeitung 1870 S. 260—265.) Bei Mochenwangen waren es die Fabrikanten Müller, welche in derselben Zeit einen Komplex von Fabrikgebäuden aus Beton ausführten, in Cannstatt Civilingenieur Huß, der ein Wohngebäude von Beton erstellte. Dies gab Anregung überall hin im Lande zum Betonbau, wesentlich aber in Oberschwaben, woselbst in der Regel Sand und Kies in guter Beschaffenheit billig nächst den Baustätten, nicht selten schon durch den Fundamentaushub zu haben ist und an Orten, wo sich Cementfabriken in der Nähe befinden, so daß vielerorts vielfach nicht nur die Souterrainmauern mit ihren Gewölben, sondern nicht selten auch die Stockwerke, wenigstens der untere, häufig besonders über Stallungen, Fabriken, Brauereien, Magazinen Ueberwölbungen zwischen schmiedeeisernen Trägern, aber auch ganze Gebäude, darunter auch solche mit reicher Archi ­ tektur aus Beton erstellt wurden und stets noch ausgeführt werden. Letzteres kann außer von den schon genannten Gebäuden wesentlich von einem Wohnhause des Fabrikanten Merkel in Eßlingen, einem solchen von Kaufmann Kees in Waldsee und einer Villa des Fabrikanten Spohn in Ravensburg gesagt wer ­ den und hat sich der Betonbau für Wohnhäuser wesentlich in Ravensburg, Tettnang, Ulm, Blaubeuren, Reutlingen, Eßlingen, Heilbronn und deren Umgegend verbreitet und die Cementver ­ wendung auch auf Riegelfachausfüllung auf sog. Cement- und Vulkansteine (ein Gemisch von Cement mit Schieferabfällen oder mit Schlackenkies), auf Ziertheile aller Art, Pflastersteine, Futter ­ tröge, Gartenzaunsäulen, Mauerdeckplatten, Treppenstufen, Mark ­ steine, Kilometer- und Hektometersteine, auf Bodenplatten, Dach ­ platten, Trottoire k. erstreckt. Auch für das Jngenieurfach hat die Betonverwendung einen weiteren Umfang erhalten, nicht nur daß wie früher diese vor ­ zugsweise sich nur auf Fundirungen erstreckt, es ersetzt der Beton besonders in bausteinarmen aber kies- und sandreichen Gegenden seit einer Reihe von Jahren zum Theil auch das Hinter- und Füllgemäuer, er wird vorzugsweise 51t Widerlagermauern, Ge ­ wölben, Stütz- und Futtermauern, auch zu Dohlen verwendet, zu welch' letzteren, besonders, wo kein großer Druck stattfindet, Cementröhren dienen, letztere meist aus natürlichem Portland ­ cement, sog. Röhrencement, d. h. einem natürlichen Cement, der, wenn er auch nicht die gleichmäßige Festigkeit und Bindekraft des künstlichen Portlandcements besitzt, doch hierin den Romancement noch weit übertrifft, rascher abbindet und billiger als künstlicher Portlandcement zu stehen kommt, pro Ctr. aus 1 <M. 50 bis 2 <Mx In Württemberg wird er besonders von Leube und Schwenk in Ulm, der Stuttgarter Cementfabrik in Blaubeuren, der von Spohn daselbst fabricirt. Bei besondern Ansprüchen wegen gesteigerter rascher Abbindung werden entweder separate Bestellungen in renommirten Fabriken gemacht oder es wird Ro ­ man- und Portlandcement gemischt oder auch endlich ohne Rück ­ sicht auf Kosten die rasch bindenden und doch haltbaren Grenobler Cemente verwendet. Solche Röhren werden mit kreisrundem und ovalem Querschnitte in verschiedenen Lichtweiten in Württemberg an manchen Orten ausgeführt und dies vorzugsweise von der Bauverwaltung der Forstdirektion für den eigenen Verbrauch, sodann von den Cementwaarenfabriken des Fürsten Zeit zu Zeil, von der Immobilien-Gesellschaft zu Blaubeuren aus eigenem Fabrikate, von Kimmel & Fischer, sowie Crutina & Mühle in Stuttgart. Bei allen Arten von Betonarbeiten ist jedoch nöthig, daß neben vorzüglicher Beschaffenheit des Cements, der insbesondere sehr fein gemahlen, — besonders Portlandcemeut, — langsam bin ­ dend und deshalb auch nicht frisch versendet werden soll, — derselbe in trockenem zugfreien Magazin, erhaben vom Erdboden aufbe ­ wahrt wird und daß von jeder Lieferung eine gründliche Prüfung vor der Verwendung vorgenommen, ein guter und reiner Sand und ebenso von Staub und Unrath freier Schotter, Kleingeschläg, Schlacken u. s. w. ein reines Wasser und nicht zu viel verwendet wird und zur Bereitung bei richtigem Mischungsverhältniß wie zur Verwendung unter einem erfahrenen, zuverläßigen Vorarbeiter, wohlgeschulte, kräftige Arbeiter verwendet werden und die Aus ­ führung zu geeigneter Jahreszeit nicht zu spät im Herbste (wegen Gefrierens) aber auch nicht ohne fleißiges Annetzen während der ersten 10 bis 14 Tage besonders in heißer Jahreszeit und geschützt vor den Sonnenstrahlen und womöglich in Regie geschehe. Beton wird bei größeren Massen stets direkt und bei Mauern nicht selten zwischen Einschalungen resp. Formkästen, bei Gewölben auf und zwischen die Verschalungen ebenso bei Fußböden direkt eingebracht, wogegen es zu empfehlen ist, alle quaderartigen Arbeiten, Fassungen von Gräben, Trottoirs, Architekturtheile, überhaupt einzelne Stücke und fiir Arbeiten, bei welchen partielle Setzungen zu befürchten sind, in Formen stückweise zu fertigen und wie bereits erwähnt in der ersten Zeit ihrer Erhärtung fleißig zu benetzen, soweit sie nicht zur Erhärtung ins Wasser gelegt werden können, überhaupt vor dem Versetzen vollständig erhärten zu lassen. Auf solche Weise wird stets eine gute Arbeit erzielt werden. Zu letzteren Betonarbeiten, besonders aber bei geringen Dimensionen ist zarter Kies als Beimischung zum Sande nöthig, und zu empfehlen, daß die Oberfläche möglichst so belassen wird, I wie sie aus der Form kommt, höchstens eben gestrichen, nicht