17 Bearbeitung der Steine ist möglichst wenig verwendet, weder regelmäßiges Haupt noch Lager, Abgleichung der Schichten gar nicht verlangt. — Bei einem Gewölbdurchlaß, 2 m weit, sieht man in der Stirne Ausschieferungen im Gewölbe von 18 cm (f. Fig. 5, Zeichnungsbeil. 2), es will dem im Württemb. Dienst geschulten Ingenieur ganz unbegreiflich erscheinen, aber sicher hält der Durchlaß so lange, als die aus kantigen Schablonen ­ quadern hergestellten hiesigen Brücken. Auf der Südseite ist die Ausführung besser, die Steine sind, obgleich rauh, besser zu ­ sammengearbeitet, namentlich auch in den Lagern, aber noch iveit entfernt von der bei uns üblichen Sorgfalt. Dafür kostet aber auch der Kubikmeter nur 25 Frcs. = 20 Mk. gegenüber 30 bis 35 Mk. bei uns, und besteht der Vortheil des Accor- danten nur darin, daß die Steine in der Nähe zu haben, da ­ gegen viel schwerer zu gewinnen sind (die Arbeiter erhalten ca. 6 Frcs. pro □ m Granitquader, 40 cm breit, fertig bossirt). Für gut zusammengearbeitetes Trockengemäuer ohne Ausschiefe ­ rung im Haupt wird 8 Frcs., fiir Beugung 4,25 Frcs. bezahlt. Ich möchte nur wünschen, daß hiesige Ingenieure die Arbeiten am Gotthard einer genaueren Besichtigung unterwerfen möchten, um zu lernen, wie man mit hartem, nicht lagerhaften Material ivohlfeile und doch genügend gute Arbeit herstellen kann. Man sagt mir, es sei dieß hier nicht möglich, man finde die Arbeiter nicht dazu rc., ich glaube selbst, daß man es mit den hier be ­ stehenden Vorschriften nicht kann, aber man sollte eben diese ändern, und nicht die Lösung darin suchen, daß man in Gegenden, uw nur rauhe Kalksteine zur Verfügung stehen, aus weiter Ent ­ fernung Werksteine beifiihrt. Von den Tunnels sind die Kehrtunnels insofern interessant, als einige derselben über 1400 m lang sind (Pfasfensprung) und die Bauzeit nicht ausreicht, sie in gewöhnlicher Weise mit Hand ­ arbeit zu vollenden. Am Pfaffensprung ist bereits Maschinen ­ bohrung mittelst comprimirter Luft im Gang, die Bohrmaschinen sind aber viel einfacher als im Haupttunnel. Vor Ort stehen 2 Bohrer, jeder an einer vertikalen, durch hydraulischen Druck festgehaltenen Säule seitlich befestigt. Bei 4,6 Atmosphären Pressung der Luft macht der Bohrer etiva 300 Schläge per Minute, über die Arbeitsleistung kann ich noch nichts berichten, da eben erst die Maschinen probeweise arbeiteten. Sehr inter ­ essant sind schon die Wehranlagen und sonstige Wasserbauten, welche die Betriebskraft liefern, die Maschinengebäude und was dazu gehört, bilden für sich ein kleines Dorf. Die Einrichtungen des großen Tunnels sind bekannt und anderwärts genau beschrieben, mich interessirte nur die Art der Mauerung, die man in der Nähe der Mündung zur Genüge sieht. Das Gewölbe besteht aus annähernd nach der Schablone bearbeitetem Granit, die Lager lassen zu wünschen übrig, das Widerlager aber ist aus Bruchsteinen kleinster Sorte hergestellt, etwa in der Art, wie in Zürich die Mauern der Wohnhäuser. Bei dem guten Mörtel und geringen Druck wird es seinem Zweck entsprechen. In Italien habe ich derartiges Mauerwerk häufig gesehen, auch an Gewölben der Tunnels: An dem anhängenden Mörtel konnte man noch die Schalbretter erkennen, auf denen es ausgeführt war. Sehr interessant ist eine Druckstelle im Tunnel, dieselbe liegt gerade unter Andermatt und ist hier statt Granit eine zerreibliche kaolinartige Masse vorhanden, so daß wahr ­ scheinlich der ganze Gebirgsdruck von ca. 300 m Höhe auf dem Gewölbe lastet. Die Mauerung ist schon zweimal zerstört worden, der Druck ist so stark, daß Hölzer von 10/, Fuß Durchmesser etwa alle 8 Tage ausgewechselt werden müssen, weil sie sich nach allen Richtungen spalten. Das betreffende Stück, ca. 60 m lang, wird jetzt zum drittenmale hergestellt, dießmal aus Quadern mit ca. 3 m Mauerstärke. Die große im Tunnel herrschende Hitze von ca. 34 ° Celsius und das viele Wasser hielt uns ab, die interessante Stelle in Augenschein zu nehmen, wir begnügten uns mit der Musterung der zahlreichen an der Tunnelmündung liegenden zerstörten Hölzer. Einige Bemerkungen über die Gotthardstraße mögen hier noch Platz finden: Wenn man von der Axenstraße herkommt, die in wirklich genialer Weise längs dem Steilufer des Vierwaldstätter Sees in schöneul Visir sich hinzieht, so ist man iiber die Beschaffenheit der Gotthardstraße sehr enttäuscht. Schmal, im unteren ebenen Theil schlecht entwässert, zeigt sie in ihrem mittleren Theil viel ­ fach wechselnde Steigung, ja nicht selten Gegensteigungen, die allerdings meist dadurch begründet sind, daß bei den nöthigen Reußübergängen die Trace gesenkt werden mußte. Die Brücken sind sehr schmal, manchmal nur 3 m breit und oft so schlecht ausgeführt, daß die Gewölbe durch eiserne Anker zusammen ­ gebunden werden mußten (Wettingen). Ganz unbegreiflich sind aber die mangelhaften Sicherheits ­ vorkehrungen. An den gefährlichsten Stellen, wo ein Herabgleiten des Wagens dessen Vernichtung zur Folge hat, stehen in Ab ­ ständen von ca. 3 m niedrige Sicherheitssteine, oben 15, unten 20—25 cm stark. Viele derselben sind abgefahren, es denkt aber Niemand an deren Ersatz, so daß oft faktisch am äußeren Rand einer Kehre kein einziger Stein inehr steht. Eben so mangelhaft ist die Straßen-Unterhaltung. Auf der Strecke Göschenen-Andermatt, wo doch der Landverkehr gering ist, fand ich Staub bis zu 10 cm hoch, die Straße hatte entweder keine Wölbung, oder aber so stark, daß auf dem Fußweg nicht zu gehen ivar. Das Schottermaterial zu grob oder zu wenig Vor ­ rath, wie es scheint, wird beim Einwerfen der Koth nicht genügend abgezogen. Auf der Tessiner Seite ist dies viel besser, meist ist hier die Straße auf der Seite durch kleine Mauern gefaßt, außerhalb gepflasterte Kandel für die Wasserabführung (s. Fig. 6 Zeichnungsbeil. 2). Die zahlreichen Straßenkehren zeichnen sich durch ihre kleinen Radien aus, innerer Radius meist 3 m, äußerer 9 m, so daß unsere Heuwagen mit 3,5 in Radstand nur zur Noth Platz finden würden. An der wildesten Stelle, der Dazioschlucht, geht der innere Radius auf 0 herab (s. Fig. 8), der äußere auf 8 in, die Straße ist stellenweise auf 4 m Breite eingeengt und ganz als Galerie aus dem Felsen ausgesprengt (s. Fig. 9), die Steigung soll bis 14 Prozent betragen. Beim Uebergang über den Paß können die zahlreichen Kehren durch Fußwege abgeschnitten werden, welche zum Theil der alten Gotthardstraße folgen, diese war (rauh) gepflastert und ist das Pflaster noch an vielen. Stellen erhalten. Auch einige alte Brücken stehen noch, schmal, nur für Säumthiere eingerichtet, so bei der Teufelsbrücke und unterhalb in den Schöllenen. Auf der Südseite führt der steile Fußweg vom Hospitz nach Airolo an den Wasserbauten vorbei, welche zum Betrieb der Luftpumpen für den Tunnel dienen. Das Wasser der Tremola ist erst in offener Holzrinne, dann in eisernen Röhren gefaßt, so daß eine effektive Druckhöhe von 180 m sich ergibt. Als weitere Betriebskraft dient eine 3—4 Kilometer lange Leitung vom Tessin aus, welche 90 m effektives Gefälle für die Turbinen liefert. Die Turbinen haben zwei Räder übereinander, um sie für das kleine und große Gefälle ohne Arbeitsverlust verwenden zu können. Die Ausinündung des Tunnels in Airolo liegt bekanntlich in der Kurve, während jetzt zur Erleichterung des Betriebs,die Tangente durchgebrochen ist. Die gekrümmte Mündung * ist fertig bis zur Uebergangsstelle, diese wird in der Art ausgeführt, daß inan aus dem Gewölbe der geraden Strecke dasjenige aus ­ bricht, was in den definitiven Tunnel fällt und dasselbe sich an das definitive Gewölbe anlehnen läßt, und wenns nöthig, den Raum a noch ausbeugt (s. Fig. 10 Zeichn.-Beil 2). Vom Tunnel kann bezüglich der Aussteckung noch erwähnt werden, daß die Richtungen auf beiden Seiten durch Triangu ­ lation bestimmt wurden. Um bei Göschenen eine längere Visir- linie zu erhalten, sind durch vorspringende Bergköpfe (unter deni Ort Göschenen durch) Stollen durchgebrochen worden. Von dieser Linie aus bestimmt man die Achse mittelst eines einfachen Passageinstruments, das zuni Durchschlagen eingerichtet ist, der Kreuzfaden desselben wird durch eine seitlich angebrachte Lampe durch Spiegel innerlich erleuchtet. 3