21 Bindemittel oder Morast vermischten Geschläg der Flicken, welches zum größeren Theil durch die Räder der Fuhrwerke zerstört werden muß, ehe es durch dieselben eine nur nothdürftige Be ­ festigung oder Komprimirung erfahren wird. Deßhalb ist es auch ganz unbedenklich, wenn eine Reihe von Jahren nach denr Ein ­ walzen der Decklagen beinahe keine Ausbesserungen an den be ­ treffenden Straßenstrecken vorgenommen werden; die letzteren nützen sich aber wohl weniger ab, als die niit Flicken ausge ­ besserten Fahrbahnen, sie haben daher auch weniger Morast ­ bildung, weniger Geleise, Schlaglöcher u. dergl. aufzuweisen. Einzelausbessernngen sind indessen selbstverständlich auch beim Deckensystem nicht ganz ausgeschlossen, sie werden übrigens bei den in Braunschweig in Verwendung stehenden meist vorzüglichen Materialien in sehr beschränktem Umfange nothwendig, auch be ­ lästigen sie den Verkehr nicht in nennenswerther Weise, weil sie mit Sorgfalt und unter Verwendung der Handrammen vorgenom- nien werden. * Was das Personal für den äußeren Dienst betrifft, so haben denselben zunächst 6 Kreisbaumeister wahrzunehmen; den ­ selben unterstehen verglichen 486 kni Staatsstraßen oder Kom ­ munikationswege in Bezirken von etwa 615 dkm räumlicher Ausdehnung. Die genannten Beamten werden durch 1—2 tech ­ nische Hilfsbeamte (Baumeister) und einen Banschreiber unter ­ stützt. Die unmittelbare Aufsicht über das niedere Personal haben die sog. Bauverwalter und Bauaufseher zu führen, deren jedem in einem Bezirk von vergl. 72 dkm im Mittel 57 km Wege zugetheilt sind. Ständige Straßenwärter sind, gleichwie int Nachbarlande Hannover, nicht vorhanden; es werden nur ständige Stations ­ arbeiter beschäftigt, an welche die auf der Straße nöthig wer ­ denden Arbeiten von Fall zu Fall, nach längst typisch gewordenen Einheitssätzen vergeben zu werden pflegen; nur soweit dies nicht möglich ist, wird im Taglohn gearbeitet zu Einheitssätzen, die zum Voraus vereinbart sind. Für die Wahrnehmung der Straßen ­ polizei und gewissermaßen als Fixum ihres Einkommens erhalten die Stationsarbeiter eine bescheiden bemessene jährliche Arbeits- znlage; die Distrikte der Stationsarbeiter sind verglichen 3,5 km groß. Etwa die Hälfte des Landes kann aus dem Harzgebirge in mäßigen Entfernungen mit guten Unterhaltungsmate ­ rialien versorgt werden; anders verhält sich dies in den Kreisen Braunschmeig, Wolfenbüttel und Helmstädt, wo die Materialien aus größeren Entfernungen, meist voni Harze per Eisenbahn hergeführt werden müssen. Hiebei wird überall nach dem Grund ­ sätze verfahren, daß das beste Material dann herzubringen ist, wenn die Kosten desselben nicht ganz unverhältnißmäßig hoch sind und der Verkehr beträchtlich ist. Besondere Sorgfalt wird auf die Gewinnung guter, wenig Schmutz erzeugender Materialien für Etterstraßen verwendet. Es kommen vornämlich Gabbro, Basalt, Hornfels, Quarzfels, Grünstein, Grauwackensandstein, Zechstein, Muschel- und Jurakalk, Harzgeschiebe und Hochofen ­ schlacken zur Verwendung. Im Radauthale, 44 km oberhalb Harzgebirgs, hat die herzogliche Baudirektion 4 Steinbrüche in Regie in Betrieb, dort steht Gabbro, von Thonschiefer in einzelnen Partien durchsetzt, in vorzüglichster Qualität in großen Massen an; der Betrieb steht unter der unmittelbaren Aufsicht eines hiefür besonders bestellten Wegebauaufsehers; das Abräumen des Bruches erfolgt im Taglohn, alle übrigen Arbeiten werden ausnahmslos im Akkord vollzogen. Die Selbstkosten haben pro 1878 betragen für die Station Harzburg, bis wohin die Steine von Hand, pr. ct>m zu 1 Ji 50 verführt werden: für Chausseesteine, roh . . . per cbm 5 Ji — -A, „ „ geschlagen „ „ 7 84 „ für Steingries ... . „ „ 2 „ 83 „ hiebei kostete das Abräumen . . „ „ h 17 das Groß- oder Kleinbohren „ „ 1 49 das Sprcngmaterial . . . „ „ " 26 Das Großbohren allein wird mit vergl. 5,4—7,5 -A, per cbm Bohrloch, das Kleinbohren mit 18—60 -«F per cbm roher Steine bezahlt. Zum Sprengen des außerordentlich harten Ge ­ steins wird vorzugsweise Dynamit verivendet. Der Steinbruch ­ betrieb erfolgt terassenförmig, wobei Blöcke bis zu 10 cbm ab ­ geschossen werden. Die Leistungsfähigkeit des Bruches kann dem jeweiligen Bedürfnisse vollständig angepaßt werden, sie hat pro 1878 bei ­ spielsweise 12200 cbm betragen. Auf der Kopfstation Harzburg sind für die Ablagerung, das Schlagen und den Versandt der Steine eine ca. 120 ar große Fläche und außerdem 3 Bahn ­ geleise vorhanden; ein ständiger Aufseher leitet die dortigen Ar ­ beiten und den Versandt der Steine nach allen Theilen des Landes. Ueber den Verbrauch an Unterhaltungsmaterial je nach der Größe des Verkehrs sind bislang keine Beobachtungen gemacht worden, im Mittel werden per Kilometer 41 cbm verwendet; der Bedarf schwankt indessen zwischen 10 und 180 cbm. Auch über den relativen ökonomischen Werth der verschie ­ denen Unterhaltungsmaterialien fehlen genaue Anhaltspunkte, es wird nur als durch die Erfahrung erwiesen angesehen, daß sich die Materialien Gabbro und Muschelkalk ■— das beste zum schlechtesten Material — verhalten wie 8 : 1. Die größte Trans ­ portweite beträgt etwa 70 km für Gabbro, 100 km für Basalt; der höchste für erstgenannntes Material in geschlagenem Zustande zu bezahlende Preis betrügt 14 Ji, der Durchschnittspreis des Materials dagegen 9 77 -A, per cbm. Die Zerkleinerung des Materials erfolgt in der Regel nicht durch die Stationsarbeiter, sondern im Akkord; das Geschläg soll sich Würfeln von 3—4 cm Seitenlüuge möglichst nähern; im Mittel kostet das Schlagen 2 Ji 85 ^A, per cbm; zur Rei ­ nigung des Geschlägs vor dem Einbringen bedient man sich eines kleinen aus Rundeisenstäben bestehenden Rüttelsiebs. Die Rein ­ haltung der Fahrbahn erfolgt theils in bekannter Weise ver ­ mittelst der Krücke (Besen sind nicht im Gebrauche), theils ver ­ mittelst der Dürkrog'schen Reinigungsmaschinen, welche mit deu in Stuttgart verwendeten Abschlammmaschinen fast identisch sind; die Verwendung der letzteren hat sich vollkommen bewährt, da ebenso eine rasche Förderung der Reinigungsarbeiten, wie etwa 30—40% Ersparnis) an den Kosten der Handarbeit erzielt worden sein sollen. Ans den 748 km Staatsstraßen sind derzeit 22, also aus je 34 km 1 Abschlammaschine vorhanden; die Anschasfungskosten einer solchen betragen ca. 450 AL per Stück; neuerdings werden sie jedoch durch kleine Schlossermeister noch billiger, nämlich zu 350 Ji per Stück angefertigt. Das Aufbringen der Decklagen erfolgt auf die ganze Fahrbahnbreite auf Längen von ca. km; die Straße wird zwar vollständig gereinigt und das durch die Rüttelsiebe ge ­ säuberte Geschläg nach Chablonen auf der Fahrbahn auf ­ gebracht und tüchtig abgewalzt. Im Mittel werden die Decken alle 4—6 Jahre erneuert/zu Einzelausbesserungen wird % des gesummten Materialquantums verwendet; übrigens werden auch hiebei größere Flicken festgemalzt. Für das Verbauen des Ma ­ terials, nämlich das Reinigen, Einlegen und Einmalzen wer ­ den durchschnittlich 2 Ji 90 für, das Einwalzen allein 1 Ji. 50 A, bis 1 J(, 80 -A, per cbm aufgewendet; es kostet hienach das Einwalzen per in Straße ca. 30 -A,. Man ver ­ wendet meist Eincylinderwalzen von 107 Ctr. Gewicht in un ­ belastetem und 150 Ctr. in belastetem Zustande; jeder Bauauf ­ seher hat bis jetzt zum mindesten eine Walze, auf je 60 km ist derzeit eine solche vorhanden; das Beiführen des beim Walzen etwa erforderlichen Wassers geschieht in gemietheten Fässern ohne besondere Vorkehrungen. Dian beabsichtigt indessen, die vorhandenen Straßenbearbei ­ tungsmaschinen allmählig noch weiter zu vermehren. Den Nebenwegen und Trottoirs wird eine weitgehende Pflege nur an den Harzstraßen oder in der Umgebung der Stadt Braunschweig zu Theil, welche meist schmäler sind, als die Straßen in den übrigen Landestheilen; das Schürfen der Neben-