— JO nur gewinnbringend auch für den Staat sei. Zweitens sei der Sams ­ tag Abend vielleicht schuld an dem schwachen Besuch; er glaube, das; der Montag günstiger wäre, denn mancher komme erst Samstag Abends von Reisen zurück und sei dann ruhebedürftig, andere seien durch Sitzungen an diesem Tag übermäßig in An ­ spruch genommen; drittens mögen viele Mitglieder durch die lange Dauer der geschäftlichen Berathungen abgeschreckt werden, die doch weniger Interesse bieten. Vieles davon könnten der Ausschuß oder die Kommissionen endgiltig abmachen, wenn man ihnen größere Befugnisse einräumte. Der Vorsitzende erwidert ack. 1, daß in Wien z. B. gerade die überbürdetsten Beamten die eifrigsten Vereinsmit ­ glieder seien, diesen Grund könne er also nicht ganz gelten lassen, auch liege eS ja außerhalb unserer Wirksamkeit, hier Ab ­ hilfe zu schaffen; ml. 2, eine Verlegung des Vereinsabends auf einen anderen Wochentag könne vielleicht angezeigt sein, breche aber so mit den alten Traditionen des Vereins, daß zum Be ­ schluß hierüber die heutige Versammlung, die überhaupt eine Illustration zu der Fragestellung biete, zu wenig zahlreich sei, er werde diesen Antrag in einer größeren Versammlung noch ein ­ mal zur Berathung bringen; ack. 3, könnte Abhilfe geschehen, wenn die Kommissionen mit definitiver Regelung ihrer Berathungs ­ gegenstände betraut würden. Oberbaurath v. B o k bemerkt, daß hiedurch die Kommissionen noch zahlreicher besetzt werden müssen, als bisher, daß die vielen Kommissionsberathungen jetzt schon sehr lästig seien und viel Zeit beanspruchen, auch sollten dazu nicht immer die gleichen Leute gewählt, sondern mehr abgewechselt werden. Bauinspektor Zobel hält eine Vereinfachung für nröglich, wenn die Kommissionssitzungen immer vor Beginn der Vereinsabende stattfinden würden, dadurch werde an Zeit gespart, und es wirken diese Sitzungen weniger störend auf die übrigen Berufs ­ geschäfte. Dem wird aber von verschiedenen Seiten widersprochen, weil dadurch die Berathungen überstürzt werden müßten. Baumeister Lang hält es nicht für angezeigt, die Kom ­ missionen ganz ohne Mittheilung an den Verein beschließen zu lassen; es gebe voch manche Fragen, die vor die Versammlung gehören unv für diese von großen! Interesse seien; man werde aber die Berathungen fruchtbringender machen, und das Neben ­ sächliche sehr rasch erledigen können, wenn die Kommissionsbe ­ schlüsse hektografirt und den Mitgliedern vor der Versammlung zugeschickt werden. Man könne sich dann eher auf eine etwaige Debatte vorbereiten; die Verlesung falle weg und der Vorsitzende brauche nur einfach zu fragen, ob Jemand das Wort über die Kommissionsvorlagen wünsche, wenn nicht, so seien dieselben an ­ genommen. Sehr viele Berathungsgegenstände seien dadurch mit ein paar Worten abgemacht, während die wichtigeren besser zur Geltung kommen. Die Kosten für das Hektografiren seien so geringe, daß man sich hieran nicht zu stoßen brauche. Baumeister Hettich unterstützt diesen Antrag, der der nächsten Versammlung vorgelegt werden soll und glaubt, daß das Interesse am Verein durch solche Kommissionen, bei dem umschichtig sämmtliche Mitglieder betheiligt werden, sich hebe. Der Vorsitzende macht auf die in anderen Vereinen üblichen Konkurrenzarbeiten aufmerksam und schlägt deren Einführung, wenn auch nur in beschränkter Weise, vor. Bauinspektor Zobel möchte die Bibliothek mehr zugänglich machen. Oberbaurath v. Hänel glaubt, daß vielleicht manche das Versammlungslokal nicht gemüthlich finden werden. Baumeister Lang glaubt ferner, daß das Fachinteresse und das Gefühl der Zusamniengehörigkeit ein viel größeres wäre, wenn nicht die württ. Baubeamten so zersplittert wären und in den meisten Kollegien in der Minderzahl sich befänden. Es wäre zu wünschen, daß alle Baubehörden unter einem Ministerium vereinigt würden; das trüge zur Hebung des Korpsgeistes bei, wovon wir an Frankreich ein so glänzendes Beispiel sehen. Der Vorsitzende hält die Erfüllung dieses frommen Wunsches zunächst für unausführbar, wenigstens liege es außer ­ halb unserer Machtsphäre, hierauf hinzuarbeiten, übrigens könnte man auch unter den jetzigen Verhältnissen mehr Korpsgeist er ­ warten. In Berlin seien die Baubehörden auch zersplittert und doch finde man mehr Zusammenhalt im Verein. Hiemit wird die Debatte geschlossen und der Vorsitzende, Oberbaurath v. Schlierholz, geht über zu interessanten Mitthei ­ lungen über ein neues Baumaterial, das Tripolith, wovon er mehrere Proben vorzeigt; diese Mittheilungen sind ihrem Wort ­ laut nach in Beil. 1 abgedruckt. Oberbaurath v. Bok spricht dem Redner den lebhaften Dank des Vereins für seine Bemühungen um diesen Vereins ­ abend aus. Da noch in letzter Stunde verschiedene Berathungs- uno Vortragsgegenstände abgesagt worden seien, so verdiene der Herr Vorsitzende durch sein rasches Einspringen in die Lücke mit einem so interessanten Vortrage besondere Anerkennung. Schluß der trotz der geringen Betheiligung sehr belebten Versammlung um 10 7a Uhr. Der Schriftführer: Lang. Siebente ordentliche Versammlung, am 0. April 1881. Vorsitzender: Oberbaurath v. Egle. Schriftführer: Bauinspektor Knoll. Anwesend: 25 Mitglieder. Oberbaurath v. Egle eröffnet die Sitzung und theilt mit, daß der Vorstand, Oberbaurath v. Schlierholz, durch eine dienstliche Reise von der Theilnahme an der Versammlung ab ­ gehalten sei. Das Protokoll der testen Sitzung wird verlesen und ge ­ nehmigt. Sodann übernimmt es Baumeister Lang, da ein anderer zugesagter Vortrag wegen Verhinderung des Referenten noch in letzter Stunde abgesagt worden war, seinen ini vorigen Jahre gehaltenen Vortrag „über den gegenwärtigen Stand des Tunnel ­ baues" (vgl. Beil. 4 des II. Protokollhefts v. I. 1880) durch eine Studie über „Ein- oder zweigleisige Tunnelanlagen" zu ergänzen. Er hebt zunächst hervor, wie viele Tunnels in Württemberg und sonst zweigleisig gebaut und nur eingleisig betrieben sind, weist die dadurch unnütz vergeudeten Baukosten in Zahlen nach, bekämpft dann die zahlreichen Einwände der Gegner des eingleisigen Tunnels betreffs der Reparatur- und Erweiterungs ­ fähigkeit, der Unfälle und der Ventilationsfähigkeiten, schlägt Mittel zur Hebung der letzteren für lange Alpentunnels vor, und kommt schließlich zu dem Resultat: es sei angezeigt künftig ­ hin nur eingleisige Tunnels zu bauen und bei Bedarf eines zweiten Geleises lieber einen besonderen Paralleltunnel dafür zu erstellen. Der Vortrag ist in extenso zu lesen in einer Publikation des Redners „über den gegenwärtigen Stand des Tunnelbaues" in der Wiener allgemeinen Bauzeitung 1881 Heft 5—8. Der Vorsitzende spricht Herrn Baumeister Lang den Dank des Vereins für seinen allgemein belehrenden, klaren und gründ ­ lichen Vortrag aus. Hierauf kommt das Gutachten der Commission, welche mit der Berichterstattung über die Vorschlüge des Straßburger Archi ­ tekten- uud Jngenieurvereins in Betreff einer veränderten Er ­ scheinungsweise der Zeitschrift für Bauwesen beauftragt war, zur Verlesung. Dasselbe lautet wie folgt: „Es hat Herr Abtheilungsbaumeister Caspar in Straßburg an den Redaktionsausschuß der Zeitschrift für Baukunde in München bezüglich dieser Zeitschrift Vorstellung gemacht und an ihrer Zweckmäßigkeit und Lebensfähigkeit ausgestellt: Daß jedes Heft einen compacten Band bilde, der in der Regel nicht gelesen werde, nicht selten veraltete Gegen ­ stände bei 1 U jährigem Erscheinen behandle, oder lange gelehrte Abhandlungen, eine Reihe nutzloser Referate, trockene Notizen und werthlose Mittheilungen von Vereinen enthalte.