bruch des Meeres, besonders der Sturnifluthen, als auch gegen den weiteren Abbruch der Küste. Dieser letztere Schutz ist aber erst erreicht, seitdcni cs gelungen ist, die Dünen gehörig zu be ­ festigen. Früher sind sie „wandernd", nämlich der Sand ist so beweglich gewesen, daß er nicht nur zum Schaden der Kulturen durch den Wind aus große Landstrecken dahinter ausgebreitet, sondern auch die ganze Düne in der Windrichtung fortbewegt und dadurch der Strand dem Abbruche immer wieder preisgegeben wurde. Ueber die abgebrochene Küstenbreite wird berichtet, daß sie z. B. von 1611—1737, also in 126 Jahren betragen habe: am Helder 1650 m bei Petten 1740 m bei Scheveningen 148 ’m an der Maasmündung 580 in*) Das Uebel hat sich besonders im 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts stark vermehrt, so daß z. B. ani Helder und bei Petten, wo der jährl. Abbruch von 1611—1712 durchschnittlich 11,30 m bezw. 12 in betragen hatte, derselbe von 1712- 1737 auf durchschnittlich 20,8 in bezw. 21,6 in gestiegen war, und mehrmals Gebäude des Dorfes Petten landeinwärts verlegt werden mußten. Diesem Zustande mußte Einhalt gethan werden, und man hat daher seit jener Zeit großen Werth auf die Festlegung der Dünen gelegt, und dieselbe auch soweit erreicht, daß im 19. Jahr- liundert nirgends mehr ein Zurrickweichen der Küste zu bemerken ist. Das gewöhnliche Mittel dazu ist die Bepflanzung der Dirnen mit Helm oder Strandhafer, welcher im reinen Sande am besten fortkomnrt. Hand in Hand niit diesen Kulturen geht, wo es nöthig ist, die Befestigung des Strandes durch Deckwerke aus Pfählen, Faschinen und Steinwerken, oder durch Buhnen. An einzelnen Stellen ist der natürliche Dünenwall nicht hinreichend sicher oder zeigt gefährliche Lücken, so daß die Dünen zu künstlichen Deichen ergänzt oder durch solche ersetzt werden mußten. Solche Stellen sind am Helder, bei Petten, bei West ­ kappel am weitest vorspringenden Theile der Insel Walcheren, und am linken Ufer der Scheldemündung. Diese Deiche, über welche u. A. in Hägens Wasserbau einige Auskunft zu finden ist, sind aus Dünensand und einer etwa 1 in starken Thon ­ schichte darüber hergestellt, mit flacher, höchstens etwa sechsfacher Außenböschung. Sie haben nieist kein eigentliches Vorland und sind dann am Fuß durch Pfähle, Strauch- oder Steinwerk stark befestigt. Am interessantesten ist in dieser Beziehung der Deich am Helder, welcher sich an der Nordspitze von Holland im Anschluß an die dort endende Dünenkette in westöstlicher Richt ­ ung auf ca. 4500 in Länge erstreckt. Statt des Vorlandes hat derselbe nur ein 6,20 in breites Bankett in Niederwasserhöhe ,96 cm — AP), an welches sich abwärts eine 5 Afadje, stellen ­ weise sogar einfache Böschung anschließt, welche bis 40 in tief unter Wasser hinabreicht, mit Steinwurf bekleidet ist, häufig untersucht und mit Granitblöcken aus Norwegen sorgfältig unter ­ halten wird. Im Uebrigen ist das Profil dieses Deichs sehr wechselnd; als Norm scheint 5 in Kronenbreite in 5 in + AP Höhe, 5 ‘/2 fache Außen- und 2V- fache Jnnenböschung zu gelten. Oberhalb jenes Banketts ist die Außenböschung mit mäßig großen Granitblöcken abgepflastert. Das Terrain hinter dem Deiche liegt 1 in unter AP, also etwas unterm Niederwasser; der Fluth- wechsel beträgt 1,15 in. Die jährlichen Unterhaltungskosten des Deichs sollen jetzt nur 7000—11000 M. betragen, früher aber höher gewesen sein, was darauf schließen läßt, daß die steile Böschung unter Wasser nunniehr zur Ruhe gekommen ist. Die große bis 40 in betragende Wassertiefe vor dem Deich (das „Mars-Diep") rührt von der mehrerwähnten heftigen Fluth- und Ebbeströmung nach und von der Zuideriee her. *) Die meist ausgesetzten Punkte sind offenbar diejenige», wo ent ­ weder die Küste einen Vorsprung bildet (wie noch jetzt bei Petten, viel ­ leicht der Rest eines ehemaligen Deltas), oder wo die Strömung besonders heftig ist (so am Helder, wo die Fluth- und Ebbeströmung nach, bezw. von der Zuidersee stattfindet; vgl. Nr. 5 des früheren Vortrags). III. Entwässerungsanlagen. Tie Entwässerungen sind besonders in den westlichen Provinzen der Niederlande, in Süd- und Nordholland, in Utrecht und in Seeland von großer Wichtigkeit, indem dort das Terrain unter dem gewöhnlichen Fluthstande, meist sogar unter dem mittleren Stande (AP) des nachbarlichen Meeres liegt, soinit vollständiger Eindeichung bedarf, welche gegen die Nordsee durch die Dünen, gegen die Zuidersee und die Flüsse durch künstliche Deiche be- ivirkt ist. Die Bodenverhältnisse sind in diesen Landstrecken nicht überall die gleichen. Zwar findet man überall in der Tiefe Saud, darüber Thon und endlich eine Torfschicht, die wol dem norddeutschen „Darg" entspricht. Während aber diese Torf ­ schicht, deren Mächtigkeit 3—5 in beträgt und im Allgemeinen von Norden nach Süden hin zunimmt, in den nördlichen Pro ­ vinzen, nänilich in Nordholland und in den nördlichen Theilen von Südholland und Utrecht, in der Regel die Bodenoberfläche bildet, ist sie im Süden, insbesondere in Seeland und dem südlichen Theile von Südholland, noch mit einer bis 2 m dicken Thonschichte bedeckt. In diesen südlicheren Gegenden liegen die eingedeichten Flächen in der Regel über dem Niederwasser, so daß während der Ebbe ­ zeit die Entwässerung mit natürlichem Gefälle stattfinden kann, zu welchem Zwecke in den die Culturflächen umgebenden Deichen Entwässerungsschleußen (Siele) angebracht sind. Noch jetzt erhalten diese Marschflachen immer neuen Zuwachs, indem der Meeresboden an den dortigen flachen Küsten sich durch neue Schlammablagerungen allmälig erhöht, und die so entstehenden Wattslächen (Schorren) eingedeicht und entwässert werden, sobald sie die Höhe der ge ­ wöhnlichen Fluth erreicht haben. Durch diese neuerdings gesetzlich vorgeschriebene Höhenlage ist eine leichte Entwässerung auch für die Zukunft gesichert, während die älteren, oft schon bei geringerer Höhe eingedeichten Flächen schwieriger zu entwässern sind. Anders sind die Verhältnisse in den nördlicheren Distrikten, woselbst mit Ausnahme des Dünengürtels im Westen die Torf ­ schichte im Allgemeinen die Oberfläche bildet, welche, wenn auch früher theilweise den Ueberschwcmmungen und Schlammablagerungen ausgesetzt und an solchen Stellen mit einer Thonschichte bedeckt, doch seit einer Reihe von Jahrhunderten den Ablagerungen ent ­ zogen sind, und daher nicht wie die südlicher gelegenen Flächen allmälig emporwachsen konnten. Dahin gehören alle Ländereien nördlich von den Winterdeichen auf dem rechten Ufer des Leck, des nördlichsten von den mächtigen Flußarmen der Niederlande. Alle diese Flächen liegen daher von Haus aus tiefer als die südlicheren und ist daher ihre Entwässerung durch Abfluß schon aus diesem Grunde schwieriger gewesen. Ein zweiter Grund ist aber der geringere Fluthwechsel und folglich höhere Ebbestand im Norden, und besonders in der Zuidersee. Während z. B. bei Vließ ­ ingen an der Scheldemündung der Fluthwechsel 3,60 in beträgt, und der gewöhnliche Ebbestand 1,50 m unter AP liegt, sind die ent ­ sprechenden Zahlen für Amuidcn an der Mündung des Nordsee ­ kanals, ver nördlichsten Entwäfserungsstelle in die Nordsee, nur 1,70 in bezw. 70 ein, und bei Amsterdam an der Zuider ­ see nur 30 ein bezw. 15 ein, so daß der Ebbestand in Dmuiden 1,50 — 0,70 — 0,80 m höher liegt als in Vließingen, und in Ainsterdam 70 — 15 = 55 cm höher als in Umuiden Diese ursprünglich schon für die Entwässerung ungünstigen Höhenverhältnisse sind ini Laufe der Zeit noch ungünstiger ge ­ worden dadurch, daß die Terrainfläche im Vergleich zum Meeres- spiegel sich allmälig gesenkt hat. Vielleicht haben früher, bis in die geschichtliche Zeit herab, unterirdische Ursachen hiezu mitgewirkt, denen z. B auch die beobachtete Hebung der Norwegischen Küste zugeschrieben wird. Doch muß diese allgenieine Senkung, wenn sie überhaupt stattgefunden hat, seit Jahrhunderten aufgehört haben, denn die über 300 Jahre alten Schleichen und anderen Wasserbauten, welche auf festen Sand gegründet sind, haben ihre ursprüngliche zweckmäßige Höhenlage bis jetzt beibehalten. Bei der auch neuerdings beobachteten Senkung der Terrainfläche muß also noch eine andere Ursache mitgewirkt haben, und diese ist ohne Zweifel die Eintrocknung der entwässerten lockeren Torf ­ massen. Der Betrag der Senkung ist in einer preisgekrönten