14 schusses wird beschlossen durch Herrn Professor Reinhardt den Wunsch und die Hoffnung unseres Vereins aussprechen zu lassen, es möge der Inhalt des Vereinsorgans von der definitiven Ordnung der Verhältnisse Nutzen ziehen, und wenn thunlich auch ein etwas besseres Papier gewählt werden. Der an ­ wesende Professor Reinhardt wird durch den Vorsitzenden er ­ sucht, demgemäß das vorliegende Schreiben zu beantworten. Als Vertreter des Vereins bei der Abgeordnetenversamm ­ lung, die in Breslau am 7. und 8. August d. I. stattfinden soll und deren Tagesordnung der Vorsitzende mitteilt, wird auf dessen Vorschlag einstimmig Oberbaurat Leibbrand gewählt. Obgleich der Verein das Recht hätte, 2 Vertreter abzusenden, obgleich eine schwache Mehrheit der Anwesenden sich in diesem Sinn ausspricht, muß vorerst hievon abgesehen werden, da die übrigen Vorgeschlagenen ablehnen. Doch wird dem Ausschuß überlassen, im Falle sich eine zweite geeignete Persönlichkeit dazu bereit finden sollte, diese als weiteren Vertreter zu be ­ stellen *). Oberbaurat v. Schlierholz berichtet über das Resultat einer Kommissionssitzung vom 22. Mai 1885 betr. die im Namen der bei der K. Finanzverwaltung in Verwendung stehenden Reg.-Baumeister durch Reg.-Baumeister Le übe in Ulm ausge ­ sprochene Bitte, der Verein wolle den in ihrem Gesuch an das K. Finanzministerium um Organisation des technischen Hilfs ­ beamtendienstes und Aufstellung einer Dienstanweisung für die ­ selben ausgesprochenen Wünschen förderndes Interesse und mora ­ lische Unterstützung zu teil werden zu lassen. Der Antrag der Kommission an die Versammlung geht dahin: „Der Verein für Baukunde wolle den Bittstellern gegen ­ über aussprechen, daß er den in der Eingabe enthaltenen, auf Besserung der Lage eines Teils der im Staatsdienst ver ­ wendeten Techniker abzielenden Bestrebungen seine volle Sympathie entgegenbringe, daß er jedoch glaube von einer unmittelbaren Unterstützung des vorliegenden Gesuchs in der Voraussetzung abstehen zu sollen, daß wohl in aller ­ nächster Zeit auch von anderer Seite ähnliche Bitten laut werden werden, und daß dem Vereine dann Gelegenheit gegeben sei, auf breiterer Grundlage und mit größereni Nachdruck für die Interessen seiner beteiligten Mitglieder eintreten zu können." Ingenieur Hauck spricht den Wunsch aus, daß die im Kommissionsantrag ermähnte Gesamtvorlage möglichst bald ein ­ gereicht werden möge, da die in mancher Beziehung bestehenden Mißverhältnisse in der Stellung der betreffenden Techniker bald beseitigt werden sollten. Oberbaurat Leibbrand empfiehlt die Annahme des Kommissionsantrags, und ist der Ansicht, heute nicht auf die Einzelheiten der Frage einzugehen, da man sie doch im'nächsten Winter im weiteren Umfang zu beraten haben werde. Oberbaurat v. Schlier holz und v. B o k wenden sich mit Richtigstellungen gegen Hauck, worauf der Kommissionsantrag mit allen gegen 4 Stimmen angenommen wird. In Beziehung auf die Honorarnorm für Ingenieur- arbeiten, Punkt 8 der Breslauer Tagesordnung, berichtet Oberbaurat v. Schlierholz über den Stand der Frage und bringt hierauf den von der Kommission gutgeheißenen Bericht über den vorliegenden vom hannöver'schen Verein ausgearbeiteten Entwurf zu einer solchen Norm zur Kenntnis der Versammlung. Baumeister Canz stellt die Anfrage, ob irgend ein Zwang vor ­ liege, die Norm nach ihrer Annahme einzuhalten und ob es überhaupt zu empfehlen sei, in die Beratung der Einzelsätze *) In einer am 27. Juli 1885 abgehaltenen Ausschußsitzung ist Pro ­ fessor O. Tafel zum zweiten Abgeordneten gewählt worden, der auch die Wahl angenommen hat. einzugehen. Architekt Stahl bemerkt, daß die Honorare für architektonische Arbeiten vielfach unter die betr. Norni herabge ­ drückt werde. Oberbaurat v. Schlierholz erwidert dem Bau ­ meister Canz, die Norm könne nur ein Leitfaden sein und keine gesetzliche Giltigkeit beanspruchen. Oberbaurat v. Bok bemerkt, daß eine Norm trotzdem notwendig sei; denn ohne solche habe man gar keinen Anhaltspunkt für die Taxierung des Honorars. Oberbaurat Leibbrand: Es könne nach den früheren Be ­ schlüssen kein Zweifel sein, daß die Versammlung auf die Be ­ ratung der Honorarsätze eingehen müsse; auch müsse eine Grund ­ lage für die Bemessung der Jngenieurarbeiten geschaffen werden. Es wird demnach an der Hand des Kommissionsberichts in die Beratung des hannöver'schen Entwurfes eingetreten. Die in demselben vorgeschlagenen Ansätze für das Zeithonorar werden zu hoch gefunden, besonders mit Rücksicht auf die Summierung vieler Einzelansätze, die pro Tag in besonderen Fällen für Ver ­ köstigung, zurückgelegte Arbeitsstrecken u. s. w. Platz greifen sollen. Professor Göller beantragt, ein Maximum festzusetzen; Oberbaurat Leib brand schlägt vor, die für architektonische Ar ­ beiten giltigen Sätze ohne Änderung für die Ingenieure anzu ­ nehmen; Oberbaurat v. Bok beantragt: die Zeithouorarsätze sollen im allgemeinen wie bei der Norm für archit. Arbeiten aufgestellt, und nur bei einzelnen auswärtigen, im Freien unter erschwerten Umständen vorzunehmenden Arbeiten, z. B. Tracie- rungen, Wasserbauten re. solle der Tagessatz bis zu 25% er ­ höht und hiebei auch für zu Fuß zurückgelegte Arbeitsstrecken pro Kilometer für den Chef 50 Pf., für den Assistenten 40 Pf. vergütet werden. Der Antragsteller wünscht zugleich Präzi ­ sierung der Fälle für diese Erhöhungen. Dieser Antrag wird angenommen. Bei der Beratung über die Honoraransätze nach dem Arbeitsumfang wird auf Anregung des Vorsitzenden beschlossen, in Anbetracht der vorgeschrittenen Zeit die diesbezügliche Aus ­ arbeitung der Kommission unverändert der Abgeordnetenver ­ sammlung zur Berücksichtigung zu empfehlen, mit dem Bemerken, daß es dem Verein nicht möglich gewesen sei, Einzelbeschlüsse über alle im Kommissionsbericht enthaltenen Vorschläge und Wünsche zu fassen. Hierauf berichtet Sekretär Dr. Huber über die Punkte 3 und 5 der Tagesordnung für die bevorstehende Abgeordneten ­ versammlung, betr. „die Bestimmungen zur Normierung der zivilrechtlichen Verantwortlichkeit der Architekten und Ingenieure" und die „Revision der Verbands ­ statuten". Dr. Huber stellt die Anträge: 1. Der Verein wolle im allgemeinen sein Einverständnis mit den vorliegenden gedruckten Entwürfen zu jenen Be ­ stimmungen und zu einen: neuen Verbandsstatut erklären; 2. Er wolle aber bei ver Abgeordnetenversammlung folgende, in der Ausschnßsitzung von: gleichen Tag beschlossene, nach unsern früheren Anträgen wiederhergestellte Fassung der Nr. 28 lit. f des neuen Statuts beantragen: „28. Obliegenheiten des Vorstandes sind: f) „Vorbereitung der Verbandsfragen nach ihrer Vorge- „schichte und den Hauptgesichtspunkten, ständige Füh ­ rung mit den Verbandskommissionen und Berichter- „stattern in Bezug auf die Abfassung ihrer Referate „und Ausarbeitungen, sowie ans die Schlußredaktion „und die etwaige Veröffentlichung derselben." Beide Anträge werden angenommen und darauf die Sitzung geschlossen. Der Schriftführer: Göller.