16 einander rote gebräuchlich; sehr flache Dächer erhalten zwischen den Sparren horizontale Quersprossen, auf denen die Tafeln auch durch Vermittelung der Randstreifen aufliegen und zwar ohne sich zu überdecken. Fig. 1. Fig. 2. Das Prinzip des Systems läßt sich darin zusammenfassen, daß die Glastafeln durch die Randstreifen verlegbar gemacht werden sollen wie Bleitafeln. Es ist einleuchtend, daß der Wert dieses Grundgedankens niit der Erreichbarkeit einer dauernd wasserdichten Verbindung von Randstreifen und Glas steht und fällt; das übrige ist leichte Aufgabe und läßt viele Lösungen zu. Diese Verbindung hatte der Vortragende durch eine An ­ zahl von Probestücken in Längen bis zu einem Meter zur An ­ schauung gebracht; sie wird dadurch bewerkstelligt, daß man den Bleistreifen zwischen die Tafel und einen auf sie gesetzten etwa 15 mm breiten Stab aus einfach-starkem Glas einklemmt. Da ­ bei ist sowohl zwischen dem Streifen und der Tafel als zwi ­ schen dem Streifen und dem Glasstab gedichtet durch Glaser ­ kitt oder solche Materialien, die mit dem Pinsel aufgetragen werden können; man streicht sie auf die Tafel und den Stab und drückt diesen auf den aufgelegten Streifen, derart, daß er ihn um etwa 5 mm überragt und die Gläser auf diese Breite nur durch das Dichtungsmatcrial getrennt sind. Anstatt die Gläser anzustreichen, kann man auch den Bleistrcifen mit dem Rand in ein langes Gefäß eintauchen, das mit dem Dichtungs ­ material gefüllt ist. Die Verbindung des Glasstabes mit der Tafel wird. durch Blech klammern gesichert, die mit einem schnell erhärtenden Kitt ans Schellacklösung und Bleiglätte an die Tafelecken angesetzt und so gestaltet sind, daß sie jede Be ­ wegung des Glasstabes unmöglich machen, auch wenn das Dich ­ tungsmaterial nicht mehr zum Zusammenhalt von Tafel und Glasstab genügen würde (Fig. 3 und 4). Es hat also nicht zu halten, sondern nur zu dichten, und wird gehalten. Durch die spätere Lage dieser Klammern auf dem Dach ist dafür ge ­ sorgt, daß sie selber sich nicht verschieben können, auch wenn das Bindemittel sie nicht mehr an der Tafel festhalten würde. Der Preis einer solchen Klammer stellt sich auf etwa 3—4 Pf.; die Herstellung der Glasstäbe ist bis zu Längen von 1,5 m noch leicht aus einfach-starkem Glas möglich. Man könnte bei sehr langen Tafeln fürchten, daß durch eine Ausbiegung des schwachen Glasstabes zwischen den beiden Klammern ein Oeffnen der Fuge und ein Herausschlüpfen des Bleistreifens eintreten könnte; doch wird dies dadurch verhindert, daß der Glasstab unter die Tafel zu liegen kommt und auf seine ganze Länge im Kittlager eingebettet ist. Dieses soll ihn nicht nur unter ­ stützen, sondern ganz umhüllen (Fig. 1). Fig. 3. Fig. 4. Die Beweglichkeit der Tafel auf'dem Sprossen wird ohne Beeinträchtigung der gleichmäßigen Druckverteilung zwischen beiden dadurch erreicht, daß man die Flantschen des letzteren vor dem Legen der Tafeln mit gefalztem Staniol oder Papier belegt; der Falz sieht dabei nach außen; der untere Teil des Falzes wird mit Kleister aufgeklebt, der obere bleibt lose. Das nach dem Verlegen von der Seite her eingestrichene Kitt ­ lager heftet sich an die Tafel und den Glasstab und gleitet nach seinem Erhärten mit dem oberen Teil des Staniols als Fuß auf dem unteren Teil und auf dem Sprossen. Das Profil der Sparrenkappen ist so gewählt, daß sie dem An- und Ab ­ rücken der Tafeln durch eine leichte federnde Biegung nachgeben können; zu diesem Zweck sitzen auch die Mutterschrauben ziem ­ lich hoch an der Sparrenrippe. Um auch die Beweglichkeit jeder Tafel auf der nächstunteren bei gleichzeitigem dichtern Fugenverschluß zu erreichen, bestreicht nian beide Glasflächen, die sich decken sollen, mit Kitt, und legt ein gefaltetes Staniol- band, mit dem Falz nach oben, auf die Verkittung der unteren Tafel, ehe man die obere aufpreßt (s. Figur 2). Der Anschluß an Dachflächen aus andereni Material, so ­ wie an Firstlinien, Gratlinien, Kehlen u. s. w. wird unter Wahrung der Beweglichkeit wasserdicht gemacht, indem man die betreffenden Tafelränder ebenfalls mit Randstreifen behandelt. Die Eindeckung ist auf Tafeln jeder Größe anwendbar; doch würde für kleinere Tafeln, von denen mehr als 8—10 auf den Quadratmeter gehen, das Verfahren mit den Blei ­ streifen zu zeitraubend, und die Auslage für Blei und Klam ­ mern zu groß. Für diesen Fall kann man billigere Randstreifen verwen ­ den, deren Zeug in großen Flächen durch Aufziehen von Staniol auf Packleinwand (oder starke Gaze oder Leder) mit Goudron und ein wenig Harz hergestellt wird, und die durch einfaches Ankleben mit einer dichten Schellacklösung an die Tafeln zu setzen sind. Durch die Umhüllung mit Goudron und Staniol wird der Schellack nie zu spröde. Die mit der Goudronseite nach außen sehenden Streifen erhalten dabei (je nach dem Verlegen der Tafeln längs eines ganzen Sprossens) eine weitere Stanioltapezierung, die auch über die Glasränder und die Sparrenrippe hinweggeht. Ein solcher Staniolüberzug kann auch bei Bleistreifen zuin Schutz derselben gegen Oxydation beigefügt werden; es ist dieses Ver ­ fahren der Wahl einer stärkeren Bleisorte vorzuziehen, indem bei einer solchen die starke Dilatation des Bleis die Fuge un ­ dicht machen könnte. Zum Schluß wurden verschiedene andere Varianten erklärt, die für die Befestigung der Randstreifen und für die Sprossen- prosile möglich sind; z. B. eine Eindeckung auf rechteckigen Holzlatten, das Einkeilen der Randstreifen in eine Nut des Sprossens, das Verbinden benachbarter Randstreifen unter dem Sprossen u. s. f. Die Figuren 1 und 2 zeigeit den Durchschnitt durch den Sprossen und die llebergreifung der Tafeln, Randstreifen und Zinkkappen längs des Sparrens. Die Figuren 3 und 4 geben die Form und die Lage der Zinkblechklammern, die den Glas ­ stab halten. Die kleinere Querklammer wird nach dein Ansetzen an die Tafel mit einem Falzbein abgebogen, wie es der Pfeil der Fig. 4 andeutet, wodurch die Unterscheidung rechter und linker Klammern wegfällt. In den 2 letzten Figuren sind Varianten für die Befestigung der Bleistreifen an den Tafeln dargestellt, wie sie bei sehr langen Tafeln deren Glasstäbe gestoßeit werden müssen, oder bei Verbindung der Randstreifen unter dem Sprossen geeignet sind. Fig. ö. Fig- 6- Ein in Stuttgart int Oktober 1884 mit den Randstreifen aus Blei an der K. Staatsbibliothek ausgeführtes Dach von