6 Programms nicht zweckmäßig erscheinen würde, wenn der Verein jetzt schon eine bestimmte Stellung zu der Platzfrage einnähme; es schiene ihm dies namentlich nicht im Einklang mit dem Hauptzweck: der Erstrebung einer Doppelkonkurrenz. Demgemäß beantrage er, Ziff. 2 und 5 der Kommissionsanträge zu streichen. Mayer kommt wiederuni darauf zu sprechen, daß deni Verein bezw. der Kommission, nicht genügend Material zu Gebot gestanden haben soll. Auch das Referat spreche hievon, wie Eingangs der Vorsitzende. Er müsse aber entschieden betonen, daß der Stadtbau ­ plan, die Karten, die Brouillons re. jedermann zugänglich seien. Aeußerungen wie die, daß die bürgerlichen Kollegien den Verein für Bankunde gewissermaßen zu der Stellungnahme zu Gunsten des Marktplatzes getrieben haben, halte er für gewagt; cs erscheine ihni überhaupt große Vorsicht in Abgabe von Aeußerungen des Vereins als angezeigt. Auf den v. Leins gemachten Einwurf, daß die in die Kom ­ mission gewählten, derselben aber nicht heigetretenen Mitglieder Braunmald und v. Tritschler als Gemeinderäte wohl in der Lage gewesen wären, über manche Punkte Aufschluß zu geben, er ­ widert er, daß diesen Herren ihre Stellung nicht gestattet hätte, irgendwelche Mitteilungen zu machen. Gegen Mayer bemerkt Abteilungsingenieur Tafel, daß man zu einer bestimmten Stellungnahme allerdings und zwar deshalb getrieben worden sei, weil nicht blos Gerüchte über die Absichten der städtischen Behörden hinsichtlich des Bauplatzes in die Oeffent- lichkeit gedrungen seien, sondern der Kammer der Abgeordneten be ­ reits eine Vorlage, betr. den Verkauf der Legionskaserne in Aus> sicht gestellt wurde. Der Vorsitzende schlägt mit Beziehung auf das Vorbringen Mayers vor, den von dem Fehlen jedweder sicheren Grundlage handelnden Passus milder zu fassen, als bisher geschehen, was keinem Einwand begegnet. Rheinhard hebt hervor, daß, nachdem alle möglichen Ge ­ sichtspunkte für die Beurteilung der ganzen Frage schon in Bro ­ schüren und Zeitungsartikeln hervorgekehrt worden seien, die Kom ­ mission geglaubt habe, eine eingehende Motivierung ihrer Anträge unterlassen zu können. Nach dem bisher Gehörten scheine diese Ansicht nicht geteilt zu werden. Er für seine Person glaube auch, daß die Fassung der Kommissionsbeschlüsse für die Oeffentlichkeit nicht tauge und ein Eingehe» auf die historischen, ästhetischen, hygie ­ nischen u. s. w. Gründe der Vollständigkeit wegen wünschenswert erscheinen würde. Mit deni Hervorkehren der architektonischen Seite der Frage und einer mehr nebensächlichen Behandlung der eben genannten Gesichtspunkte stehe ja auch die in erster Linie anzu ­ strebende Doppelkonkurrenz im Einklänge. Der Vorsitzende bemerkt hieran anschließend, es dürfe wohl auf der einen Seite ausgesprochen werden, daß nach den histori ­ schen, ästhetischen u. s. w. Gesichtspunkten der Marktplatz entschieden den Vorzug verdiene, während auf der andern Seile zur Klärung der rein praktischen Frage eine Doppelkonkurrenz empfohlen werde. Laistner vertritt die Ansicht, daß ein Gutachten des Vereins für Baukunde in der Rathauefrage sich keineswegs auf die eigent ­ liche Platz- und Grundrißfrage beschränken dürfe, daß vielmehr alle die schon genannten anderweitigen Gesichtspunkte nicht allein in der gutächtlichcn Aeußerung aufgeführt, sondern auch begründet sein sollten, weil es eben Sache der Techniker sei, die Vor- und Nach ­ teile des einen oder andern Projekts, wie in rein baulicher Hin ­ sicht so bezüglich der verkehrstechnischen, der ästhetischen, hygieni ­ schen u. s. w. Seite klar zu legen. Ed. Stahl empfiehlt, sich einfach für eine Doppelkonknrrenz auszusprechen, ohne die beiden Plätze auf ihre Vor- und Nachteile näher zn untersuchen. Weyrauch beantragt im Interesse rascherer Förderung der Verhandlungen, die allgemeine Diskussion zu verlassen und die Kommissionsanträge der Reihe »ach einzeln in Behandlung zu nehmen. v. Bok findet die Sache noch nicht spruchreif und beantragt, das Referat zur Ergänzung bezüglich der mehrerwähnten Gesichts ­ punkte an die Kommission zurückzuweisen. Leibbrand erklärt, seinen Antrag fallen zu lassen, wenn nun ­ mehr über die Konimissionsanträge einzeln abgestimmt werde. Tafel für den Antrag v. Bok. Fischer ist gleichfalls dafür, daß die Angelegenheit am heu ­ tigen Abend nicht zum Abschluß gebracht werde; er wünscht, die historischen u. s. w. Punkte im Referat ebenso eingehend erörtert, wie die Platzsrage. Angesichis der Einzelberatung der Kommissionsanträge zieht v. Bok seinen Antrag gleichfalls zurück. Mayer erklärt, daß er an den nachfolgenden Abstimmungen aus naheliegenden Gründen nicht teil nehmen werde. Nach kurzer Beratung der einzelnen Kommissionsanträge wird nun beschlossen: zu Ziff. 1: das v. Leins sche Gutachten den städtischen Be ­ hörden zu überreichen; Ziff. 2 wegzulassen; zu Ziff. 3: den städtischen Behörden das Ausschreiben einer sog. Jdeeukonkurrenz für die fraglichen 2 Plätze zu em ­ pfehlen ; Ziff. 4 der Kommissionsanträge gut zu heißen; zu Ziff. 5: die Aeußerung des Vereins über die Rathausfrage den städtischen Behörden zu übergeben; ferner: in dieser Aeußerung hervorzuheben und zu begründen, daß, bezw. weshalb, in Beziehung auf den ästhetischen Ge ­ winn, den die Stadt durch den Rathausbau erfahren werde, dem Marktplatz der Vorzug gebühre. Für die Zusammenfassung der Anschauungen und Wünsche des Vereins gegenüber dnr städtischen Behörden liegen zwei Anträge vor. Leib bra n d schlägt vor: „Obgleich der Verein für Bankunde der Anschauung ist, daß historische, ästhetische, hygienische und verkehrstechnische Gründe bei der Erbauung eines neuen Rathauses für die Stadt Stuttgart in erster Linie für die Wahl der bisherigen Bau ­ stelle sprechen, so erachtet er es doch zu allseitiger Aufklärung für zweckmäßig, wenn seitens der Stadt eine Konkurrenz nach einheitlichem Programm für einen Neubau auf dem Marktplatz und einen solchen auf dem Platz der Legious- kaserne ausgeschrieben und dadurch insbesondere die Frage des baulechnischen Werts beider Plätze einer vollständigen Klärung zugeführt wird." Eisenlohr dagegen beantragt: „Der Verein ist der Ansicht, daß für den Neubau des Rat ­ hauses aus den in der Anlage niedergelegten Gründen dem Marktplatz der Vorzug zu geben sei, schlägt aber dem Ge- mcinderat vor, zur allseitigen und gewissenhaften Prüfung der Frage, insbesondere bezüglich der mehr oder weniger praktischen Ausnützung des einen oder anderen der in Frage stehenden Plätze unter den deutschen Architekten auf Grund eines einheitlichen Bauprogramms eine Konkurrenz für beide Plätze auszuschreiben." Der Antrag Eisenlohr wird zuerst z>:r Abstimmung ge ­ bracht und hiebei abgelehnt; der Antrag Leibbrand angenommen. Laistner macht darauf aufmerksam, daß ein förmlicher Be ­ schluß über die nähere Beleuchtung und Begründung der verschieden ­ artigen Gesichtspunkte nur bezüglich des ästhetischen gefaßt worden sei und wiederholt, daß er die Ausführungen des Vereins auch auf die übrigen Punkte ausgedehnt wünschen inöchte. Der Vorsitzende nimmt an, daß es im Sinne der Versamm ­ lung liege, wenn auch die historischen, hygienischen, verkchrstechni- schen u. s. w. Gesichtspunkte in gleicher Weise behandelt werden, wie der ästhetische. Er stellt schließlich an die Versammlung die Anfrage, ob sie mit der Drucklegung des Kommissionsberichtcs und der Zeichnungen so ­ wohl für das Vereinsprotokoll als für die Uebergabe an die städti ­ schen Behörden einverstanden sei. Hiergegen erhebt sich kein Einwand. Rheinhard gibt noch seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Verein so selten zur Begutachtung wichtiger öffentlicher Fragen des Bauwesens in Anspruch genommen werde nnd beklagt weiter, daß die heutige Versammlung so wenig zahlreich besucht sei. Damit schließen die Verhandlungen gegen 12 Uhr. Der Schriftführer: L a i st n e r.