28 das in vielen Fällen durch steile Ufer und sonstige Hindernisse be ­ schränkt war, durch die Anlage selbst möglichst wenig verkleinert werden, um den zu erwartenden starken Hochwassern Widerstand leisten zu können. Andererseits war es notwendig, die Anlagen in das richtige Verhältnis zu dem von ihnen verlangten Zweck zu setzen und thun- lichste Sparsamkeit walten zu lassen, um die wirtschaftlichen Kräfte der Werkbesitzer, welche vielfach an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit waren, nicht über Gebühr anzustrengen. Bei der großen Anzahl der unter ähnlichen Verhältnissen her ­ zustellenden Anlagen lag es nahe, denselben Typus öfters zur An ­ wendung zu bringen, was bezüglich der Bauausführung, der Kosten u. s. w. verschiedene Vorteile bot. Anhaltspunkte für die zu wäh ­ lende Konstruktion gaben die von Baurat Rheinhard seinerzeit ausgeführten Wehre an der Enz und Nagold. Es wurde schließlich ein Typus, wie er an dem Nemswehr bei Geradstetten angewendet worden war, gewählt und derselbe den vorliegenden besondern Ver ­ hältnissen angepaßt. Bei näherem Eingehen auf die Projekte empfahl es sich vielfach, die Baustellen der früheren Wehre zu verlassen und die neuen Stau ­ anlagen flußaufwärts zu legen, wodurch bei dem namhaften Gefäll des Flusses die Stauhöhe ermäßigt, an Baukosten gespart, auch ein besserer Baugrund gewonnen werden konnte, da an den früheren Wehrstellen infolge Mangels von Sohlbefestigungen meist tiefe Kolke unterhalb des Wehrs entstanden waren. Die zur Ausarbeitung der Projekte nötigen Aufnahmen mußten noch bei ziemlich hohem Wasserstand vorgenommen werden, weshalb Grunduntersuchuugen nur in oberflächlicher Weise mögfich waren. Es hat sich dieser Unistand bei der späteren Ausführung der Projekte teils zu Gunsten, teils zu Ungunsten der Baukosten geltend gemacht. Der von uns vorzugsweise in 8 Fällen angewandte Wehrtypus ist der eines Fallenwehrs mit Betonunterbau. Die 1,5—1,8 m breiten und 0,8—1,6 m hohen Stautafeln werden von beweglichen eisernen Ständern gehalten, welche einerseits auf der Wehrkrone drehbar befestigt sind, andererseits ihre Unterstützung an einem hoch ­ wasserfreien eisernen Steg finden, welcher die ganze Breite des be ­ weglichen Wehrs überspannt. Die in Ketten hängenden Tafeln können einzeln mittelst einer einfachen Hebelanfzugvorrichtung durch einen Mann von dem Steg aus leicht gehoben werden, wobei sich die Aufzugsketten um gußeiserne Trommeln legen. Die Fallcnstäuder sind mittelst gußeiserner Charniere auf der Wehrkrone befestigt, derart, daß sie gegen das Unterwasser hin abgelassen werden können. Am oberen Ende stützt sich der Ständer gegen einen am Steg befestigten beweglichen Riegel. Nach vollzogener Hebung der Fallen können die Ständer durch Anheben des Riegels umgelegt werden, wodurch die ganze Wehröffnung frei wird. Soll das Wehr wegen plötzlichen Ansteigens des Wassers rasch geöffnet werden, so können die Riegel vom Steg aus mittelst Hebeisen unmittelbar angehoben und dadurch die Ständer zum Umfallen gebracht werden, ohne daß die Fallen zuerst gezogen zu werden brauchen. Die an den Ketten hängenden Fallen schwimmen dann mit dem Wasser ab. Zur Unterbringung der Aufzugsvorrichtungen ist oberhalb des Stegs ein einfaches Ge ­ stell aus Walzeisen angeordnet. Die lichte Weite der projektierten Wehröffnungen beträgt von 9,0 bis 12,0 m, während die größte Länge des Wehrkörpers zwischen den Widerlagern 30 m beträgt. Der größte Höhenunterschied zwischen dem gestauten Oberwasser und dem Unterwasser ist bei diesen Kon ­ struktionen ca. 2,5 in. Bei den kleineren Wehren von 4,5 bis 6,0 in Weite der lichten Oeffnung wurden teils einfache Fallentafeln, welche durch Zahn ­ stangen und Schneckengetriebe gehoben werden, teils einfache Damm- balkenverschlüsse angewendet, wobei die Dammbalken durch einen einzigen Handgriff leicht zum Abschwimmen gebracht werden können. An einigen größeren Wehren, insbesondere den von dem Herrn Professor Maurer projektierten und ausgeführten, kamen selbstthätig wirkende Fallen zur Anwendung, welche durch das ansteigende Wasser nach und nach umgelegt werden und nach dem Ablaufen des Hoch ­ wassers wieder von Hand aufzurichten sind. Der Unterbau sämtlicher Wehre wurde aus Beton projektiert. Besondere Sorgfalt wurde auf die Gestaltung des Kanaleinlaufs verwendet, da dieser dem Hochwasser vorzugsweise ausgesetzt ist. Zur Bestimmung der Abmessungen der Kanaleinlaßfallen und der Betriebs ­ kanäle wurde die bisherige Betriebsweise des betreffenden Werkes zu Grunde gelegt und im allgemeinen angenommen, daß ein Mahl ­ oder Hartgang einer gewöhnlichen Kundenmühle mit einem Stein ­ durchmesser von ca. 1,0 in einer Arbeit von ca. 4—5 PS., ein Säg ­ gatter einer solchen von ca. 10 PS. bedarf und durch die vorhandenen oberschlächtigen Räder ca. 65°/o der rohen Wasserkraft ausgenützt werden. Da das Betriebsgefälle überall gegeben war und beibehalten werden mußte, so konnte hieraus die zum Betrieb notwendige Wasser ­ menge bestimmt und die Abmessungen der Einlaßfallen und Kanäle berechnet werden. Um die Betriebskanäle vor eindringendem Schlamm und Schotter zu schützen, liegt der Kanaleinlauf meist nicht in der Richtung des Stromstrichs, auch ist die Kanalsohle etwas höher als die feste Wehrkrone angeordnet. Die Ecken des Kanaleinlanfs sind möglichst abgerundet, um den Wasserzuflnß zum Kanal zu erleichtern. Gegen Hochwasser sind die Kanäle durch eine starke Holzwand ab ­ geschlossen. Die Kanalfallen sind mit einfachen mechanischen Auf ­ zugsvorrichtungen, meist mit Schraubengetriebe versehen, so daß sie leicht bedient werden können. Gegen Unterwaschung sind die Wehre teils durch starke Holzpritschen, teils durch betonierte Absturzböden mit Wasserkissen gesichert. An denjenigen Stellen, wo die Verhält ­ nisse eine größere Wehrbreite als 12,0 m nötig machten, wurde der übrige Teil des Wehrs als festes Ueberfallwehr projektiert. Für die Sicherung der unmittelbar an das Wehr anschließenden Ufer wurden starke Pflasterungen, teilweise aus Betonplatten herge ­ stellt, vorgesehen. Die Anfortigung der Verleihungspläne mußte den gesetzlichen Vorschriften entsprechend erfolgen und das vorgeschriebene Verfahren genau eingehalten werden. Da zur Ausarbeitung der Pläne nur ein für solche Zwecke wenig eingeübtes Personal von zwei Geometern und zwei Kulturaufsehern zu Gebot stand und die Zeit sehr drängte, so war es für die Knlturingenieure keine kleine Arbeit, die Aufgabe neben den laufenden Dienstgeschäften in kürzester Frist zu bewältigen, da allein ca. 250 Blatt Zeichnungen und Beschreibungen anzufer ­ tigen waren. Schon während der Ausarbeitung der Projekte hatten die Werk ­ besitzer die Bitte an das Kgl. Ministerium gerichtet, es möchten die Kulturingenieure auch mit der Leitung der Bauausführung der von ihnen projektierten Anlagen betraut werden, da andere Techniker nicht zur Verfügung stehen und es für Uneingeweihte schwer sei, sich in die durch die angefertigten Konzessionspläne nur im allgemeinen dar ­ gestellten Projekte einzuarbeiten. Dieser Bitte wurde von dem Kgl. Ministerium entsprochen. Zur Entscheidung etwa entstehender Anstände wurde eine Kommission bestehend aus dem Herrn Präsi ­ denten v. Leibbrand als Vorsitzenden, dem Vorstand des Bezirks- hilfskomites, den beiden Kulturingenieuren und zwei unbeteiligten Wcrkbesitzern, bestellt. Diese Kommission ist nie in Thätigkeit getreten. Die Werkbesitzer hatten die gefertigten Pläne und Voranschläge anzuerkennen und sich zu verpflichten, die entstehenden Baukosten zu tragen. Seitens des Hilfskomites wurde zu denselben ein Beitrag von 2 / 3 der Summe des Kostenvoranschlags in Aussicht gestellt. Die unmittelbare Bauaufsicht sollte an Ort und Stelle durch zwei staat ­ liche Kulturaufseher besorgt werden. Der durch die Anfertigung der Pläne entstandene Aufwand, sowie die Diäten und Reisekosten der Ingenieure wurden auf die Staatskasse übernommen, während die Kosten der unmittelbaren Banaufsicht von den beteiligten Werkbesitzern nach Verhältnis der Höhe des Kostenvoranschlags zu bezahlen waren. Die Werkbesitzer hatten alle auf das Bauwesen sich beziehenden Ver ­ träge unter Mitwirkung und Zustimmung der Ingenieure abzuschließen und die entstehenden Baukosten unmittelbar nach erfolgter Anweisung durch die Ingenieure zu bezahlen. Eine finanzielle Beteiligung seitens des Staates außer den schon genannten Vergünstigungen sollte nicht eintreten. Diese Bedingungen wurden von sämtlichen Werkbesitzern anerkannt.