29 Nachdem diese unerläßlichen Einleitungen erledigt waren, konnte mit der Ausführung der Bauten begonnen werden. Es war mittler ­ weile September geworden, somit die Bauzeit mit Rücksicht auf die rauhe Lage der Baustellen und die Art des Geschäfts bedenklich kurz bemessen. Biele Schwierigkeiten machte die Beschaffung der nötigen Arbeitskräfte und Materialien, da zu dieser Zeit überall im Eyach ­ thal sich eine fieberhafte Thätigkeit entfaltet hatte, und die Arbeits ­ kräfte sehr rar geworden waren. Dazu kam der fortwährende Wagen ­ mangel auf der Eisenbahn, wodurch der Bezug der Baumaterialien sehr erschwert war. Da im Eyachgebiet und der näheren Umgebung brauchbares Material zum Beton nicht zu erhalten war, so wurde Kies und Sand aus den Moränenhügeln des Donauthals bei Mengen und Sigmaringen durch die Eisenbahn bezogen. Um die vorhandenen Hilfsmittel der Werkbesitzer, wie Fuhrwerke, Materialien u s. w. möglichst auszunützen und dadurch an Baukosten zu sparen, wurde für die Gründungsarbeiten und die Herstellung der Wehrkörper aus Beton vielfach der Regiebetrieb gewählt, welcher zwar bedeutend mehr Arbeit für die Bauleitung verursachte, aber andererseits verschiedene Vorteile für die Werkbesitzer bot. Durch diese Bauweise wurden auch die Schwierigkeiten umgangen, welche bei Ausführung der in ihrem Umfang im voraus kaum zu bemessenden Gründungsarbeiten durch Unternehmer entstanden wären. Während des Herbstes gestaltete sich das Wetter sehr günstig, so daß die Bauten rasch gefördert werden konnten. Der Wasserstand sank fortwährend, schließlich konnte die ganze Eyach in den Mühl ­ kanälen abgeführt werden. Die Fundierungsarbeiten wurden hiedurch in den »leisten Füllen sehr vereinfacht, es konnte fast überall ohne wesentliche Schwierigkeiten auf dem festen Schieferfels des schwarzen und braunen Jura aufgesetzt werden. Die gesamte Eisenkonstruktion für die Wchroberbanten im Ge ­ wicht von ca. 54000 kg wurde auf Grund eingehender statischer und Gewichtsberechnungen an die Maschinenfabrik Wälde, Kade und Erath in Steinbach bei Hall zum Preis von 35 Jl. für 100 kg vergeben. Weitere Eisenkonstruktionen für die Dammbalkenwehre, die selbstwirkenden Wehre und einige größere Gerinne wurden von den vereinigten Werkstätten Zum Bruderhaus in Reutlingen, von der Maschinenfabrik Hildt & Metzger in Berg und von der Mühlenbauwerkstätte Gebrüder Stilling in Dußlingen zum Preise von 35—58 Jl für 100 kg geliefert. Bei Berechnung der Stärke der Eisenteile wurde eine größte Inanspruchnahme des Flußeisens von 750 kg für das qcm ange ­ nommen und die Abmessungen so bestimmt, daß diese Inanspruch ­ nahme durch den Wasserdruck erst eintritt, wenn das Wasser die Fallen 20 mm hoch überströmt. Ein derartiger Fall dürfte aber nur bei nachlässiger Bedienung eintreten. Die Aufzugvorrichtungen wurden derart bemessen, daß dieselben bei dem genannten Wasserstand noch von einem Mann leicht bedient werden können. Es genügten demnach bei den nicht mehr als 1,5 m breiten und 1,0 m hohen Fallen Hebelaufzugvorrichtungen, während bei den größeren Fallen Schneckengetriebe in Anwendung kamen. Leider war es der Maschinenfabrik nicht möglich, die Eisenkon ­ struktion bis zu dem vereinbarten Zeitpunkt zu liefern, da sie von den Hüttenwerken im Stich gelassen worden war. Die Fertigstellung der Betonbauten verzögerte sich hiedurch in unliebsamster Weise bis in den Winter hinein und es war Ende Dezember geworden, als die letzten Eisenteile eingesetzt wurden. Glücklicherweise wurden die Arbeiten vom Wetter sehr gefördert, so daß bis zum Schluß, allerdings zuletzt unter Anwendung warmen Wassers und mittelst Vorwärmens der Materialien, ohne Gefahr betoniert werden konnte. Es ist dies bei der Höhenlage der höchstgelegenen Baustelle von nahezu 800 m als ein sehr günstiger Zufall zu betrachten. Die Kosten der von den staatlichen Kulturingenieuren ausge ­ führten 14 Stauanlagen waren veranschlagt zu ca. 99600 Jl und zwar bewegten sich die einzelnen Bauwerke in den Grenzen zwischen 2300 und 12600 Jl. Die thatsächlichen Kosten der Ausführung betrugen 94449 Jl 86 Pf., der Kostenvoranschlag wurde demnach nicht überschritten. Von diesen Kosten konnte dank der reichlich geflossenen Spenden edler Menschenfreunde auf das Hilfskomite übernommen werden zus. 72 760-^05 Pf., so daß von den Werkbesitzern zu tragen waren 21687 Jl 81 Pf. Der Aufwand, welcher dem einzelnen Werkbesitzer hiebei erwuchs, betrug bis zu 3540 Jl. Neben den reichlich eingegangenen Liebesgaben hat auch das Entgegenkommen der Kgl. Eisenbahnverwaltung, welche eine beträcht ­ liche Frachtermäßigung für die zum Wiederaufbau der zerstörten Anlagen bestimmten Sendungen eintreten ließ, zu diesem günstigen Abschlußergebnis beigetragen. Seitens des Staates wurden die Werkbesitzer schließlich noch dadurch unterstützt, daß ihnen auf ihr Ansuchen die Rückerstattung der Kosten der unmittelbaren Bauaufsicht an die Staatskasse er ­ lassen wurde. Nach vollzogener Fertigstellung der sämtlichen Wehranlagen und Uebergabe derselben an die Wcrkbesitzer wurden diese behufs Herbei ­ führung einer im Interesse der Oeffentlichkeit und der Eigentümer selbst liegenden sachgemäßen Bedienung und Instandhaltung mit dem Mechanismus genau bekannt gemacht. Es haben sich bis jetzt die sämtlichen Anlagen gut bewährt. Wenn anfangs auch von berufener und unberufener Seite über die ungewohnte Einrichtung und die Last, welche den Werkbesitzern durch die verlangte Bedienung der Wehre auferlegt worden sei, Klage ge ­ führt wurde, so sind diese Klagen in der Folge vollständig verstummt und die Werkbesitzer haben sich mit den veränderten Verhältnissen befreundet. Da auch von seiten der Verwaltungsbehörden den Werk ­ besitzern sachgemäße und rechtzeitige Bedienung der Stauanlagen zur strengen Pflicht gemacht worden ist, so dürften diese bei eintretendem Hochwasser im Verein mit den übrigen Korrektionsarbeiten als segens ­ reiche Einrichtungen sich erweisen, welche dazu beitragen werden, daß Beschädigungen durch Hochwasser künftig zu den seltenen Aus ­ nahmen gehören. Eine weitere Sicherung gegen Hochwasserschäden wird dadurch erreicht, daß sämtliche Werkbesitzer an das Telefonnetz angeschlossen werden sollen, so daß plötzlich eintretende Hochwasser rasch gemeldet und die entsprechenden Maßregeln getroffen werden können. Wer heute das Eyachthal bereist, wird dasselbe vollständig ver ­ ändert finden. Anstatt der alten baufälligen aber malerischen Brücken und Wehre sind solide stattliche Bauten aus haltbaren Materialien getreten, welche dem Zahn der Zeit wohl lange trotzen können. Der poetische Reiz der Landschaft, der dem Künstler willkommenen Stoff bot und den Naturfreund entzückte, mit dem Rauschen der Wasser über das morsche Wehr in der tiefen schattigen Schlucht, mit den malerischen Baumgruppen und lauschigen Plätzen, dieser idyllische Zauber ist allerdings verschwunden. Bau des Eyachwehres M Schlöhlesmuhle auf Markung Irommeru. (Mit einer Zeichnung.) Vortrag, gehalten am 8. Januar 1898 von Bauinspektor M o e r i k e. In dem vorstehenden Vortrag des Herrn Baurat Canz sind die allgemeinen Verhältnisse, unter welchen die Wehrbauten an der Eyach im Jahr 1895 zur Ausführung gelangten, geschildert worden. Die Beschreibung mit zeichnerischer Darstellung eines einzelnen Wehr ­ baues, wie solcher für die größeren Wehre mehr oder minder typisch war, mag als Ergänzung willkommen sein. Oberhalb Frommern durchbricht die Eyach die Jurensismergel und die oberen Partien des Posidonienschiefers im schwarzen Jura. Der Fluß hat sich ein schluchtartiges Bett mit nahezu senkrechten Wänden 10—15 m tief in die Schieferbänke eingefressen und stürzt über meterhohe Absätze in kesselartig ausgebildete Felsbecken. Das Mühlgebäude mit Säge und Stallung steht ca. 100 m unterhalb