30 eines solchen Absturzes auf alluvialem, nicht viel über Mittelwasser gelegenem Vorland und wird von beiden Steilufern hoch überragt. Das über 100 Jahre alte, aus Holz gebaute und mehrfach erneute Kastenwehr von ca. 2,5 m Höhe war beiderseits in den Felsen ein ­ gelassen und stand auf einer harten, dem Wasser zähen Widerstand leistenden Schiefervlatte unmittelbar über einem 2 m hohen senk ­ rechten Absturz. Dem Anprall der sich in der Schreckensnacht vom 5./6. Juni 4 m hoch über die Wehrkrone stürzenden, mit Trümmern aller Art beladenen Wasserwelle konnte der Holzbau nicht wider ­ stehen; er riß durch, sodass nur einige wenige im Fels festgeklemmte Balkenstummeln auf die frühere Lage des Wehres schließen ließen. Dank der soliden Bauart hielt das Mühlgebäude (Nro. 55 im Lageplan), bis in dessen erstes Stockwerk die Wasser einbrachen, stand, nur die Mühleneinrichtung des Erdgeschosses wurde fußhoch mit Schlamm überdeckt. Die Wasserräder in der zusammengebrochenen Radstube wurden aus ihren Lagern gerissen und bildeten mit den eingestürzten steinernen Widerlagern einen unentwirrbaren Trümmer ­ haufen. Die leichtgebaute Sägmühle, von dem Mühlgebäude in etwas geschützt, war unterwaschen; das Gebälk der südlichen und der Giebelwand hieng teilweise mit seinen Pfosten in der Luft, sodas; das Dach mit gänzlichem Einsturz drohte. Nahezu ebenso schlimm war das dem Wasseranprall am meisten ausgesetzte, zweistöckige Oekonomiegebäude mit Stallungen (Nro. 54) zugerichtet; größere Partien der Außenwände waren geborsten und eingestürzt. Das Innere konnte nur mit Lebensgefahr betreten werden. An Stelle des Wehres hatte sich eine übermannshohe Trümmerbarrikade von Pappelbäumen, Strauchwerk, Gebälk aller Art, Hausrat, Scheitern u. dergl. festgekeilt. Der hölzerne Kühner (Oberkanal) zwischen Wehr und Nadstube war weggeschwemmt. Ebenso war es der die einzige fahrbare Verbindung mit Frommern bildenden Brücke über die Eyach am Ortswcg Nro. 10 ergangen. Der Hausgarten und Hofraum war meterhoch mit Kies und Geröll bedeckt. Mit den Aufräumungsarbeiten konnte erst etwa 2 Wochen nach der Katastrophe begonnen werden; zunächst mußte noch ein Sinken des Wasscrstandes abgewartet werden, auch bedurfte es dieser Zeit, bis die von Schreck gelähmten Besitzer daran denken konnten, plan ­ mäßig mit Hilfe der Techniker an das Werk der Wiederherstellung zu gehen. Das erste war, daß von den Pionieren die Ehachbrücke als Notbau erstellt wurde. In der dritten Woche wurden die Säube- rungsarbciten in der Mühle, dem Hof und dem Flußbett vor ­ genommen. Die notdürftig abgesprießten Gebäude wurden mittler ­ weile mit Mauerwerk unterfangen, die Fußböden und Innenwände im Gebäude Nro. 54 abgestützt und die Treppen wieder in stand gesetzt. Der gänzlich verschlammte Unterkanal wurde geräumt und die Wiederaufmauerung der eingestürzten Stützmauern eingeleitet. Um den Mühlenbetrieb, wenn auch nur in provisorischer Weise, in Zeitkürze wieder aufnehmen zu können, mußte rasch für den Ersatz des Kähners gesorgt werden. Der alte Kühner war auf Holzböckcn, die mit ihm fortgeschwemmt worden waren, gelegen. Statt dieser wurden durchbrochene Betonpfciler (Fig. 7 und 8), auf welchen die Tragbalken mit im Beton verankerten Bolzen solid befestigt waren, gewählt, so daß ein Abschwemmen des mit den Tragbalken sicher ver ­ bundenen Krähners künftig verhindert wird. Dieser Kühner trügt eine hochwasserfreie Laufdiele als Zugang für die Bedienung des Wehres. Die Betonpfeiler wurden auf witterungsbeständige Schichten des Schiefers aufgesetzt. Zum Schutz des Kähners mußten einige hundert Cubikmeter losen Gesteins der vielfach überhängenden links ­ seitigen Uferwand abgesprengt werden. Innerhalb drei Wochen wurde der rund 110 m lange, im Lichten 1,5 m weite, mit Karbolineum bestrichene Holzkühncr von einem Zimmermann des Ortes betriebs ­ fähig aufgestellt, sodaß das Mühlwerk mit einem provisorisch er ­ stellten Fangdamm oberhalb der neuen Wehrstelle ausgangs Juli hätte wieder in Gang gesetzt werden können. Die Erneuerung des inneren Mühlwerks und der Wasserräder zog sich aber bei dem all ­ seitig hervortretenden Bedarf und dem Mangel an Mühlärzten bis in den Monat September hinein hin. Bei Anfstellnng des Projektes waren folgende Verhältnisse und Erwägungen maßgebend. Die Mühle zählt 3 Mahlgänge und 1 Gerbgang; die Sägmühle arbeitet mit 1 Blatt und außerdem trieb 1 Gang eine Hanfreibe; der volle Betrieb beanspruchte demnach ca. 23 effektive Pferdckrüfte. Das Gefäll, in der Radstnbe ge ­ messen, betrug 4,2 m, sodaß bei 630 Sekundenliter Zufluß (reich ­ liches Mittelwasser) und 65°/o Nutzeffekt der oberschlächtigen, hölzernen ; Wasserräder die erforderliche Triebkraft vorhanden war. Bei Nieder ­ wasser ging die Leistung wohl bis auf 1 Gang zurück. Der Stau- wasserspiegel wurde wie beim alten Wehr beibehalten, er lag an der Baustelle ca. 2,5 m über der festen Schieferplatte der Flußsohle. Es, wäre wohl angegangen, das Mauerwerk direkt auf diese auf ­ zusetzen; mit Rücksicht aber darauf, daß schon eine geringe Be ­ schädigung des Gesteins den Fuß der Widerlager gefährdet hätte und daß ein Abschwächen der Gewalt des abstürzenden Wassers auch der Erhaltung der Felsplatte unterhalb des Wehrkörpers zu statten kommt, wurde die Absturzpritsche kesselförmig ausgebildet. Durch das ent ­ stehende Wasserkissen wird auch die Heftigkeit des Stoßes der um ­ stürzenden, eisernen Fallenpfosten in wünschenswerter Weise gemildert. Um gegen etwaige Abbrüche der Felsplatte im Lauf der Jahre ge ­ sichert zu sein, wurde die Baustelle 25 m vom alten Wehr an auf ­ wärts gerückt. Für die lichte Weite des Wehres mit 9,0 m war zunächst die Breite der eigentlichen Flußrinne an der Baustelle maß ­ gebend. Da das Flußprofil programmgemäß durch den festen Wehr ­ körper möglichst wenig verbaut werden sollte, so konnte an eine, nur geringe (0,6 m) Stauhöhe voraussetzende, automatisch wirkende Fallcn- anlage nicht gedacht tverden. Es wurde daher auch im vorliegenden Fall an dem gewählten Wchrtypus mit umlegbaren Ständern fest ­ gehalten. Da die Fallcutafeln eine Höhe von mindestens 1,6 m mit Rücksicht auf die eben angegebenen Gründe erhalten sollten, so mußte auch von der einfachen Aufzugsvorrichtung mit Hebel (s. Fig. 11), wie solche für 1,5 m breite und 1,1 m hohe Tafeln gerade noch ausreichen, abgesehen werden. Das Nächstliegende war, den Hebel durch ein von einem Mann zu bedienendes Schneckengetriebe zu er ­ setzen, was den weiteren Vorteil bot, an eine Auszugswelle 2 Tafeln von zusammen 3,6 m Breite zu hängen. Die Fallenbreite von 1,8 m Weite ist mit Rücksicht ans die übrigen Wehrkoustruktionen, die unterhalb Frommern zur Ausführung gelangten und größere Länge erhielten, gewählt worden; cs wurden dort je nach Bedarf 1 oder 2 Tafeln weiter eingeschaltet. Selbstverständlich mußte der die Aufzugsvorrichtung tragende Steg entsprechend der vermehrten Last verstärkt werden. Letztere wird zu einem guten Teil durch den Reibungswiderstand der Fallentafeln an den Ständern beim Aufziehen bestimmt; für die Berechnung wurde ein Reibungscoeffizient von 0,65 angenommen. (Schluß folgt.) Herausgegeben vom Württemb. Verein für Vanknnde. Für denselben: Gberbanrat a. D. v. Ärockmann. — Druck von Alfred Müller & Co. — Verlag von 2. Weisels Hofbuchhandlnng. sämtlich in Ltuttgart.