38 Der Borsitzende dankt dem Redner im Namen des Vereins für seinen überaus eingehenden und lichtvollen Vortrag. Herr Superior Eisenbarth führt darauf die Entstehungs ­ geschichte der Kongregation der barmherzigen Schwestern und ihre Thätigkeit für die Irren aus, dankt den verschiedenen Behörden für das beim Bau bewiesene Entgegenkommen und zum Schluß auch dem Baudircktor v. Bok. Der letztere spricht seinen Dank dafür aus, daß er von seiten der Mitglieder der Kongregation ein so großes Entgegenkommen und so viel Verständnis für alle baulichen Fragen gefunden habe. v Schlierholz teilt darauf aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Gebiete der Irrenanstalten und der Fürsorge für die Irren Verschiedenes mit, insbesondere über die Beschaffenheit der Jrrenzcllen, wie sie bis in das erste Viertel unseres Jahrhunderts mehrfach noch bestanden haben, speziell von der Irren- anstalt Zwiefalten, wohin das Irrenhaus von Ludwigsburg im Jahre 1818 verlegt und zu welchem Zweck das dortige ehemalige Benediktinerkloster eingerichtet worden ist. Die Geisteskranken wurden damals, wie jetzt noch, in ruhige (gutartige) und unruhige (tobende, epileptische, unreinliche) abgeteilt; jedoch war man bei dieser Gliederung nicht besonders vorsichtig; mancher gutartige Kranke wurde infolge von unrichtiger Behandlung, von Mißbrauch der vorhandenen fixen Ideen und von Aufreizung unruhig, mißtrauisch und schließlich bösartig, und wurde dann in die Zwangsjacke gesteckt und in eine Tobzelle verbracht. Diesem Verfahren entsprechend wurde die bauliche Einrichtung hergestellt. Die breiten Korridore wurden zwar im ursprünglichen Zustande belassen, soweit sie als Wandelgänge zu den Treppen und anderen Abteilungen zu dienen hatten oder als Tageräume, Magazine und Wärterzimmer benutzt wurden, und nur ihre Fensteröffnungen wurden vergittert. Im übrigen jedoch wurden die schönen, geräumigen und lufügen Räume zu meistens einfenstrigen Zellen abgeteilt und in menschenunwürdigster Weise zu wahren Käsigen, wie für wilde Tiere, umgestaltet. Hierzu wurden die großen Fensteröffnungen bis auf das oberste Drittel vermauert, und nach außen mit starken eisernen Gittern versehen, die Fußböden nüt Dielen belegt, und nicht nur die Seitenwände, sondern auch die meistens mit Stuccaturen ausgestatteten Decken mit Brettern vertäfelt. Der Ofen war in einem Vorraum aufgestellt und der letztere mittelst einer Palisadenwand mit einer Palis identhür abgeteilt, welche mit einer kleinen Oeffnung mit Klappe zum Einschieben des Essens versehen war. Die Lagerstätte bestand aus übereinander gesetzten Blockhölzern mit einem Dielenboden als Lager, der Nachlstuhl aus eichenen Dielen, der zugehörige eiserne Topf konnte vom Vorraum aus entfernt werden, in der äußeren Thür war eine Oeffnung zum Beobachten vom Korridor aus angebracht. So traf der Redner die Irrenanstalt Zwiefalten im Jahre 1837 an, als ihm als Bauführer die erste Umgestaltung der An- Aer neue Vortrag von Direktor Walte Die meisten öffentlichen Gebäude haben eine Vorgeschichte und die Bekanntschaft mit derselben trägt zur richtigen Beurteilung des fertigen Werkes wesentlich bei. Auch der Saalbau in Ulm hat seine Vor ­ geschichte und ich gestatte mir, meine Mitteilungen damit zu beginnen. Schon unter dem verstorbenen Oberbürgermeister Heim hat sich in den Ulmern der Wunsch geregt, für größere Anlässe, seien es Versammlungen, Feste, Konzerte oder sonstige Aufführungen ein passend großes und anständig ausgestattetes Lokal zu besitzen. Bei solchen Anlässen mußte in der Hauptsache die alte Tuchhalle herhalten, welche für den jedesmaligen Zweck notdürftig hergerichtet, dekoriert und beleuchtet wurde. In ihr spielte sich der für die Ulmer Tra ­ ditionen historisch gewordene alljährliche Fastnachtball ab, und wenn ein berühmter Sänger oder eine Sängerin nach Ulm kam, so stall nach den noch jetzt geltenden humanirären Grundsätzen über ­ tragen wurde. Zu diesem Zwecke wurden die erwähnten unwürdigen Zellen- einrichtungeu ausgebrochen, wobei sich, besonders bei der Entfernung der Böden und Vertäferungen, meistens ein penetranter Geruch ent ­ wickelte. Die Fenster erhielten überall wieder die frühere Größe; für gutartige Kranke wurden sie nach außen mit eisernen Gittern zum Schutz vor dem Hinausfallen versehen. Die Zimmer wurden teils einfcnstrig, als Einzelzellen oder für Wärter, eingerichtet oder ähnlich wie in Krankenhäusern, als gemeinschaftliche Schlafsäle für 6 bis 8 Kranke hergestellt und entsprechend möbliert, wobei zwischen je 2 derselben ein Wärterzimmer angeordnet wurde. Die Zellen und Räume für unruhige und tobende Irren erhielten eine Einrichtung, wie sie jetzt in den neueren Anstalten besteht, jedoch waren sie mit Oefeu ausgestattet, welche mit einer leichten Palisaden ­ umrahmung geschützt waren. Zur Beleuchtung für die Nachtzeit waren über den Thüren Oeffnungen angebracht, welche nach innen und außen mit Drahtgittern verwahrt waren. Diese Umgestaltung, verbunden mit der Herstellung von Unter ­ haltungsräumen, Gartenanlagen u. dergl. m. machte auf die Kranken den wohlthätigsten Eindruck, von welchen auch ein Teil zu Arbeiten bei der neuen Einrichtung verwendet wurde. Sie fühlten sich glücklich und zeigten sich besonders gegen den Redner oft in rührender Weise dankbar. Derselbe verlebte mit den damaligen Insassen des Irren ­ hauses manchen genußreichen Abend und schätzte sich glücklich, etwas zur Linderung des Elendes dieser Aermsten beitragen zu können. — Zum Schlüsse der Versammlung teilt der Vorsitzende noch mit, daß Bauinspektor Lambert in Künzelsau als Mitglied in den Verein aufgenommen sei und daß folgende neue Einläufe vorliegen: ein Mitglieder-Verzeichnis des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine; eine Einladung zu einem Kongreß für öffentliche Kunst in Brüssel in den Tagen vom 24. bis 28. September; eine Schrift des Jnnungsverbandes deutscher Baugewerksmeister, welche auf die Schaffung von Normalien für Bauhölzer abzielt; eine Einladung vom Oesterr. Ingenieur- und Architcklenverein zu dessen 25jähriger Jubelfeier. Hinsichtlich der letzteren wird sich der Verein auf die Vertretung durch den Verbandsvorstand, mit welchem sich der Vorsitzende bereits verständigt hat, beziehen. Der Vorsitzende ladet schließlich zum zahlreichen Besuch der diesjährigen Wanderversammlung in Freiburg ein. Für die Abgeordneten-Versammlung sind 2 Mitglieder als Ab ­ geordnete zu wählen; unter Zustimmung der Versammlung wird es dem Ausschuß überlassen, aus der Zahl der sich als Teilnehmer an der Wanderversammlung meldenden Mitglieder 2 Herren mit der Vertretung zu betrauen. lbau in Ulm. r, gehalten am 7. Mai 1898. wurden sie von einer Kommission abgeholt, um in das Konzert ­ lokal geleitet zu werden. Da soll es denn, wie man erzählt, ver- schiedenemale ordentliche Kämpfe abgesetzt haben, die Künstler in das Konzertlokal zu bringen; denn die Sänger und mehr noch die Sängerinnen verweigerten, wenn sie des für sie bestimmten Lokals ansichtig wurden, den Eintritt, und erklärten auf das entschiedenste, in diesem Raum unter keinen Umständen sich hören lassen zu wollen. Es wurde ihnen dann so lange zugeredet, bis sie auf das Podium hinauf bekomplimentiert waren, wo sie alsdann vom Publikum so stürmisch begrüßt wurden, daß sie nicht umhin konnten, sich zur Durch ­ führung des Programms herbeizulassen. Unter solchen Umständen wurde die Erstellung eines großen Saales mit den nötigen Nebenräumen immer mehr zu einem brennenden