43 sogenannten chemischen Klärung unvermeidliche Zugabe von Kalk und anderen Chemikalien. Das Projekt berücksichtigt den vollständigen Ausbau aller bis jetzt für die Stadterlveiterung vorgesehenen Gebiete, auf welchen für eine künftige Einwohnerzahl von 75000 Raum ge ­ schaffen ist. In dieser Ausdehnung kostet die Ausführung rund 4 Millionen Mark, während in der derzeitigen Ausdehnung der Stadt die Anlage mit etwa 2'/r Millionen Mark durchgeführt werden kann. Die Kanalisation ist die notwendigste der neuen sanitären Ein ­ richtungen in Pforzheim und wird wesentlich dazu beitragen, die in der letzten Zeit in dieser Stadt hervorgetretenen Uebelstände zu beseitigen. Die Irrenanstalt bei Rottenmünster bei Kottweil (Ergänzung zu dem Protokoll in Heft 7, Seite 37, nach den Diese Anstalt soll an Stelle der der Kongregation der barm ­ herzigen Schwestern gehörigen Privat-Anstalt St. Vincenz in Gmünd, welche dort, inmitten der Stadt gelegen, nicht mehr haltbar ist, in erweitertem Umfang und ganz den Fortschritten der Neuzeit entsprechend erstellt werden und zur Aufnahme von etwa 450 Kranken dienen können. Es ist gelungen, einen ganz idyllisch gelegenen Platz im Ncckarthale durch Ankauf des früheren Frauenklosters Rottenmünster zu erwerben. Mit diesem in nahezu quadratischer Form gebauten, mit innerem Hof versehenen Klostergebäude ist eine schöne geräumige Kirche verbunden und ein mit einer Mauer abgegrenzter anstoßender Klostergarten. Es war anfangs beabsichtigt, die Anstalt dem vor ­ handenen Gebäude ganz anzupassen und nur für eine Anzahl von ca. 200—250 Kranken einzurichten. Bald zeigten sich jedoch die Schwierigkeiten, welche die Unterbringung männlicher und weiblicher Kranken in einem und demselben Gebäude mit sich bringt, besonders wenn dasselbe eine geschlossene Form bildet, und man entschloß sich nach weiteren eingehenden Untersuchungen und Beratungen, das vor ­ handene Klostergebände nur zur Aufnahme der weiblichen Kranken zu verwenden unv für die Männer ein besonderes Gebäude in an ­ gemessener Entfernung aufzuführen. Es wurde seiner Zeit an Herrn Baudirektor v. Bock das Ansinnen gestellt, die Pläne für die ganze Anstalt mit ihren Einrichtungen zu fertigen und derselbe hat sich diesem Auftrage unterzogen und seine Kenntnisse und Erfahrungen, die er sich im Gebiete der Jrrenhausbauten seit über 40 Jahren dadurch erworben hat, daß sämtliche in dieser Zeit in den Württem ­ bergischen Staatsanstalten vorgekommenen Um- und Neubauten von ihm bearbeitet und zum größten Teil unter seiner direkten Leitung ausgeführt worden sind, der Kongregation für den vorliegenden Zweck zur Verfügung gestellt. Es wird wohl kaum jemand in gleichem Maße vergönnt gewesen sein wie ihm, in einem so langen Zeitraum alle die verschiedenen Wandlungen in den Anschauungen über die Unterbringung und Heilung der Geisteskranken zu erleben und mit ­ zumachen. v. Bock hatte dabei Gelegenheit, nicht nur einen großen Teil der wichtigen deutschen Irrenanstalten, sondern auch verschiedene ausländische, namentlich englische und französische, aus eigener An ­ schauung kennen zu lernen, und er hat es dabei nur immer in hohem Maße bedauert, daß diese Gelegenheit nicht auch unseren Irrenärzten zu teil wurde. Was nun die gestellte Aufgabe der Anfertigung der Pläne für die neue Anstalt betrifft, so handelte es sich zunächst darum, einen organischen Plan zu finden, der den lokalen Verhältnissen sich anpaßt und die verschiedenen erforderlichen Gebäude in die richtige Lage und in die richtige Verbindung mit einander zu bringen gestattet. Die Aufgabe war sehr schwierig zu lösen, da die lokalen und Terrain ­ verhältnisse verschiedene Hindernisse ergaben. Die letzteren konnten beseitigt werden, dagegen hatte die Stellung der erforderlichen neuen Gebäude, nämlich der Gebäude für die unruhigen weiblichen Kranken, des Männerbaues und des Gebäudes für die unruhigen männlichen Kranken zu dem Frauenbau ihre besonderen Schwierigkeiten. Bei den vorliegenden Verhältnissen konnte von einer grnppen- weisen Verteilung derselben, wie dies sonst in fast allen Fällen bei neuen Anlagen geschehen ist, nicht die Rede sein. Es blieb nichts übrig, als dieselben am oberen Teile des Gartens, zunächst der Straße, in einer Reihe mit der Hauptfront nach Osten und Süden zu stellen und unter sich durch einen geschlossenen Gang zu verbinden, welcher sich zum alten Klostergebäude, dem Frauenbau, fortsetzt. Obgleich in der süddeutschen Bauzeitung veröffentlichten Mitteilungen.) die angegebene Stellung der Gebäude von der sonst zur Regel ge ­ wordenen grnppenweisen Stellung zu beiden Seiten einer Hauptachse ganz auffallend abweicht, so hat sie doch sehr große, nicht genug zu schätzende Vorteile durch die ganz außerordentliche Erleichterung des Verkehrs mit den einzelnen Gebäuden für die Zwecke der Ueber- wachung und Verpflegung. Man darf wohl sagen, es existiert gar keine Anstalt, welche diese Vorteile in gleichem Maße zeigt. Die Bauart der Irrenanstalten war bis jetzt entweder eine so ­ genannte geschlossene, d. h. von unmittelbar zusammenhängenden Ge ­ bäuden mit durchgehenden Korridors, oder es wurden für die einzelnen Krankenabteilungeu besondere, für sich bestehende, mit Gärten um ­ gebene Gebäude von größerer oder geringerer Ausdehnung errichtet und zwar für männliche und weibliche Kranke getrennt zu beiden Seiten einer Hauptachse. In die Hauptachse selbst wurden die Ge ­ bäude für die Verwaltung und Aufnahme und für die ökonomischen Bedürfnisse: Küche, Waschküche, Kessel- und Waschhaus, Sektions- und Leichenhaus rc. gelegt. Die erstere Art bezeichnet man mit dem Namen Korridorsystem, die zweite Art mit dem Namen Block ­ oder Pavillonsystem. Nun hat selbstverständlich jedes der beiden Systeme seine besonderen Vorzüge und Nachteile. Bei dem Pavillon ­ system ist alles auseinander gezogen; es ist alles weitläufiger, mit mehr Mühe, Zeit und Anstrengung verbunden, was notwendiger Weise, wenn es auch von den betreffenden Aerzten nicht zugegeben wird, zu weniger häufigem Besuch oder Ueberwachung der einzelnen Ab ­ teilungen führt, namentlich dann, wenn keine Verbindungsgänge oder nicht gut geschützte vorhanden sind und wenn man den Unbilden der Witterung ausgesetzt ist, also namentlich im Herbst und Winter und bei Nacht. Die Vorzüge des Pavillonsystems liegen in der größeren Absonderung der einzelnen Krankenabteilungen und in der bequemeren direkten Verbindung der Räume mit den Gärten, auf welche ein großer Wert gelegt wird. Unsere staatlichen Anstalten gehören als adaptierte Anstalten zu dem Korridorsystem und es zeigt eine Vergleichung der Pläne von Schussenried, Winnenthal, Zwiefalten, Weißenau mit anderen, insbesondere den zwei rheinischen Anstalten, ganz deutlich den Unter ­ schied der Systeme. In neuerer Zeit geht man nun noch weiter und baut sogenannte Villen für die einzelnen Krankenabteilungen, wo ­ durch einerseits die angegebenen Vorzüge, andererseits die angedeuteten Nachteile noch vermehrt werden. Man erhält hiebei auch für eine mittelgroße Anstalt schon eine recht hübsche Zahl von Gebäuden, so daß sie schon als eine kleine Ortschaft erscheint. Der beim Vortrag aufgehängte Lageplan der Irrenanstalt Galkhausen kann als Beispiel einer Villenkolonie angesehen werden. Es ist schwierig zu sagen, welches der Systeme das bessere ist und es gehen die Ansichten der Herren Psychiater hierüber sehr auseinander. Ein nicht zu unter ­ schätzender Punkt ist der Kostenpunkt. Je weiter das Auseinander ­ ziehen der Gebäude stattfindet, desto kostspieliger wird die Anstalt, und es dürfte sich mit der Zeit hierdurch eine gewisse Regulierung ergeben. Bis jetzt ist das Villensystem noch neu, so daß längere Erfahrungen noch nicht vorliegen. Es ist Thatsache, daß der Bau von Irrenanstalten durch die aufs weiteste getriebene Fürsorge für das leibliche und geistige Be ­ finden der Kranken sehr teuer wird und es können deshalb nur Länder in fortschreitender oder fortgeschrittener Kultur sich diese Ausgaben gestatten, weshalb man wohl sagen darf, daß man die Irrenanstalten als eine Art Kulturmesser betrachten darf. Der im alten Kloster