24 Auch aus der Einteilung der Zimmer, welche nicht die gleiche ist in den einzelnen Ländern, laste sich die Ausbreitung der ver ­ schiedenen Typen des Bauernhauses ableiten. Bezüglich des Aufbaues seien zu unterscheiden: Fachwerksbauten, Bauten von gemischter Bauart und Massivbauten. Was die Verteilung des Stoffs anbetrifft, so sollen Ansicht, Grundriß und Schnitt auf einem Blatte untergebracht werden; für interessante Details seien besondere Blätter zu wählen. Eine Mappe mit gut gezeichneten Aufnahmen werde dem Verein als Muster zur Verfügung gestellt werden. Mayer ist der Ansicht, daß es sich empfiehlt, bei uns nach dem Vorgang in Baden die Typen festzustellen; von den Bezirksbau- inspektoreu könne am besten Aufschluß über die Grundrisse, Stellung der Gebäude zu einander:c. gegeben werden. Habe man auf diese Weise einen Ueberblick über die typische Bauart erhalten und auf Grund der eingezogenen Erkundigungen festgestellt, was aufzunehmen ist, so sollen besonders beauftragte hiezu eingeübte Kräfte zu den Aufnahmen verwendet werden. Ueber die Aufbringung der erforderlichen Mittel findet eine ein ­ gehende Besprechung statt. Nachdem Mayer darauf hingewiesen hatte, daß in anderen Bundesstaaten zum Teil erhebliche Staats ­ beiträge verwilligt worden sind, wird beschlossen, auch in Württemberg um eine Geldunterstützung für das Unternehmen beim Staat nach ­ zusuchen und sich zunächst zu erkundigen, an welche Behörde man sich wenden müßte. Zum Schluß dankt der Vorsitzende dem Herrn Professor Koß- mann für seine Anwesenheit und seine wertvollen Mitteilungen. Die Wasserversorgung des nördlichen Hchrvarrrvalöes Vortrag, gehalten am 27. Mai 1899 von Oberbaurat Eh mann. Mit 2 Bl. Abbildungen.) Sehr geehrte Herren! Heute möchte ich mir erlauben, Sie in eine Gegend zu führen, die gar nicht weit von der Stätte ist, da Graf Eberhard der Greiner anno 1367, aus Anlaß des Ueberfalles in Wildbad, über das Gebirge flüchtete auf Pfaden, von welchen Uhland schreibt: „Kein Roß mag sie ersteigen, nur Gasten klettern dort", es ist der nördliche Schwarzwald zwischen Enz und Nagold gelegen, welcher in einer MeereShöhe bis zu 800 Meter, große Strecken aufweist, die teils völlig wasserlos, teils nur mit spärlichen, im Sommer versiegenden Quellen versehen sind, welche einigen ober ­ flächlichen Lehmschichten ihr Dasein verdanken. Da finden wir dann und wann offene Seen, die durch ihre grüne Oberfläche beweisen, daß sie an vegetabilischen und wohl auch an animalischen Lebewesen keineswegs arm sind, welche aber dennoch, gerade in der Zeit der größten Trockenheit, da der Prozentsatz von ungewünschten Zuthaten am größten ist, von der Bevölkerung als Bezugsquelle für Nutz- und Kochwaster benützt werden, bis sie endlich trocken gelegt sind. Es ist mir oft aufgefallen, daß bei solchen Zuständen dennoch eine gesunde Bevölkerung gedeihen konnte, was offenbar nur daher kommt, daß die Leute glücklicherweise kein Wasser trinken. Aber für das liebe Vieh war offenbar eine solche Flüssigkeit zu schlecht, denn es sagte mir einer neulich: „Wissen's zum Kochen wär's schon noch recht, aber s'Vieh sauft's net." Mehrere von diesen seit vielen hundert Jahren so notdürftig mit Wasser versorgten Gemeinden haben nun die Bitte an die Regierung gestellt, es möge ihnen auch, wie den Alb-Gemeinden, die Wohlthat des Wassers zugeführt werden und es erhielt das Bauamt für das öffentliche Wasterversorgungswesen im Jahr 1893 den Auftrag, ein generelles Projekt über eine Wasserversorgung des Schwarzwalds auszuarbeiten und vorzulegen. Daß bei Bearbeitung dieser Aufgabe nicht nur einzelne, sondern alle noch wasserarmen Gemeinden jener Gegend in das Projekt ein ­ bezogen wurden, wird man begreiflich finden. Mehrere Jahre lang zogen sich die Verhandlungen hin. Viele wollten von der Sache nichts wissen, wie auch die erste grundlegende Verhandlung in Calw am 28. Juli 1896 bewies, bei welcher nach langer Debatte nur 11 Gemeinden mit 2810 Seelen sich zu einer Wasserversorgungs ­ gruppe einigten, während das Projekt sich auf 31 Orte mit 7801 Seelen erstreckte. Ich kann jetzt, nachdem das Werk nahezu fertig ist und bereits 21 Gemeinden sich des Besitzes guten Wassers erfreuen, konstatieren, daß die Gruppe nun 6906 Seelen zählt und daß bereits eine Anzahl weiterer Ortschaften vorstellig geworden sind wegen eines nachträg ­ lichen Anschlusses an das Werk. Es ist im Anfang eine unbehagliche Situation für den Tech ­ niker, wenn er mit bescheidenen Mitteln eine Anlage beginnen muß, die doch nach aller Wahrscheinlichkeit mit der Zeit sich erweitern wird und wozu die nötige Basis notwendigerweise von vornherein ge ­ schaffen werden sollte. In vorliegendem Falle, wo es sich unter allen Umständen um künstliche Hebung des benötigten Wassers auf 300 m Höhe handelt, war die erste und schwierigste Frage die nach der erforder ­ lichen Kraft. (Im Schwarzwald denkt man hiebei nur an Wasserkraft.) In dem ersten Projekt mit ca 8000 Einwohnern war eine starke Wasserkraft an der Enz bei der sog. Kälbcrmühle in Aussicht genommen worden, welcher das ganze Enzwasser mit starkem Gefälle zur Verfügung steht. Sollten nun die enormen Kosten des Ankaufs und der Aus ­ nützung dieser Kraft selbst dann aufgewendet werden, wenn nur 2800 Seelen in 11 Ortschaften zerstreut, sich au dem Werk be ­ teiligen, in der Hoffnung, daß später die übrigen schon kommen und sich anschließen und die Sache rentabel machen werden? Das wäre doch wohl eine Art Spekulation mit fremdem Geld und daher un ­ statthaft. Oder sollte eine kleinere Kraft, etwa im kleinen Enzthal die Agenbacher Sägmühle, mit geringerem Aufwand gekauft und be ­ nützt werden, um zu riskieren, daß, wenn die Sache fertig, aber nicht ausdehnungsfähig ist, anderen Gemeinden, welche angesichts des guten Erfolgs auch mitthun wollen, der Eintritt in den Wasserverband verwehrt werden muß? Würde man da nicht mit Recht die leitenden Organe der Kurzsichtigkeit zeihen? Glücklicherweise waren die opfermutigen Gemeinden, voran die Bergorte Aichelberg, Hühnerberg, Meistern mit ihrem wackeren Schult ­ heiß Frey an der Spitze, einstimmig der Ansicht, daß die größere Wasserkraft an der großen Enz gewählt und, da vorauszusehen war, daß dabei viel Kraft übrig bleibe, getrachtet werden solle, die ­ selbe in den langen Pausen zwischeu den Stunden des Pumpen ­ betriebs auf irgend eine Weise zu verwerten. So wurde die rauschende Enz bei der Kälbermühle 7 km ober ­ halb Wildbad, wo sie schon Jahrhunderte lang nutzlos ihre Kraft vergeudete, mit fast 20 m Gefälle auf 1000 m Länge in Dienst ge ­ nommen, um die Wohlfahrt der Schwarzwälder zu fördern. (Die Wehranlage mit dem Kaualeinlaß ist auf Taf. II Fig. 1 dargestellt.) Um ganz sicher zu gehen und zugleich bei der Konzession möglichst ungeschlagen davon zu kommen, wurden nur 19 m Gefall und als größte Triebwassermenge 400 Sekundenliter in Rechnung genommen, wodurch sich doch über 70 k3. erzielen und reichlich 12 Sekuuden- liter auf 300 m heben lasten. In unmittelbarer Nähe des Maschinenhauses entspringt auf 500 m Meereshöhe eine prächtige Quelle dem bunten Sandsteinfelsen und liefert nachhaltig 20 Sekundenliter klarsten reinsten Wassers. Wasser ­ kraft und Quelle wurden von der K. Forstverwaltung erworben um