11 Beeinträchtigungen in der Benutzung eines Grundstücks, welche ihrer Natur nach lediglich vorübergehend sind, stehen der Führung der Telegraphenlinien durch den Luftraum nicht entgegen, doch sst der entstehende Schaden zu ersetzen. Ebenso ist für Beschädigungen des Grundstücks und seines Zubehörs, die infolge der Führung der Telegraphenlinien durch den Luftraum eintreten, Ersatz zu leisten. Die Beamten und Beauftragten der Telegraphenverwaltung, welche sich als solche ausweisen, sind befugt, zur Vornahme notwendiger Arbeiten an Telegraphenlinien, insbesondere zur Verhütung und Be ­ seitigung von Störungen, die Grundstücke nebst den darauf befind ­ lichen Baulichkeiten und deren Dächern mit Ausnahme der abgeschlossenen Wohnräume während der Tagesstunden nach vorheriger schriftlicher Ankündigung zu betreten. Der dadurch entstandene Schaden ist zu ersehen. 8 13. Die auf den Vorschriften dieses Gesetzes beruhenden Ersatz ­ ansprüche verjähren in zwei Jahren. Die Verjährung beginnt mit dern Schlüsse des Jahres, in welchem der Anspruch entstanden ist. Ersatzansprüche aus den 88 2, 4, 5 und 6 sind bei der von der Landes-Zentralbehörde bestimmten Verwaltungsbehörde geltend zu machen. Diese setzt die Entschädigung vorläufig fest. Gegen die Entscheidung der Verwaltungsbehörde steht binnen einer Frist von einem Monat nach der Zustellung des Bescheids die gerichtliche Klage zu. Für alle anderen Ansprüche steht der Rechtsweg sofort offen. 8 14. Die Bestimmung darüber, welche Behörden in jedem Bundesstaat untere und höhere Verwaltungsbehörden im Sinne dieses Gesetzes sind, steht der Landeszcntralbehörde zu. 8 15. Die bestehenden Vorschriften und Vereinbarungen über die Rechte der Telegraphenverwaltung zur Benutzung des Eisenbahngeländcs werden durch dieses Gesetz nicht berührt. 8 16. Telegraphenverwaltung im Sinuc dieses Gesetzes ist die Reichs- Telegraphenverwaltung, die Königlich bayerische und die Königlich württembergische Telegraphenvcrwaltung. 8 17. Die Vorschriften dieses Gesetzes finden auf Telegraphenltnien, welche die Militärverwaltung oder die Marineverwaltnng für ihre Zwecke herstellen läßt, entsprechende Anwendung. 8 18. Unter Zustimmung des Bundesrats kann der Reichskanzler An ­ ordnungen treffen: 1. über das Maß der Ausästungen; 2. darüber, welche Aenderungen der Telegraphenlinien im Sinne des 8 7 Abs. 1 als wesentlich anzusehen sind; 3. über die Anforderungen, welche an den Plan auf Grund des 8 7 Abs. 1 im einzelnen zu stellen sind; 4. über die unter Zuziehung der Beteiligten vorzunehmenden Orts- besichtigungcn und über die dabei entstehenden Kosten; 5. über das Einspruchsverfahren und die dabei entstehenden Kosten; 6. über die Höhe der den Straßenbau- und Polizeibeamten zu ge ­ währenden Vergütungen für die im Interesse der Reichs-Tele ­ graphenverwaltung geforderten Dienstleistungen. 8 19. Dieses Gesetz tritt am 1. Januar 1900 in Kraft. Auf die vorhandenen, zu öffentlichen Zwecken dienenden Linien der Telegraphenverwaltung (§§ 16 und 17) findet dieses Gesetz An ­ wendung, soweit nicht entgegenstehende besondere Vereinbarungen ge ­ troffen sind. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigevrucktem Kaiserlichen Jnsiegel. Gegeben Neilcs Palais, den 18. Dezember 1899. (L. S.) Wilhelm. Fürst zu Hohenlohe. Die neue Dachschule für Keimiiechlimk, einschließlich Dlirmacherei und Elektromechanil! in Schwenningen a. 11 Diese Fachschule, welche aus Mitteln des Staats und beteiligter Kreise errichtet und der Leitung und Aufsicht der K. Zentralstelle für Gewerbe und Handel unterstellt wird, soll auf 1. Mai d. I. er ­ öffnet werden. Es dürfte für junge Leute, welche sich im Frühjahr nach Ent ­ lassung aus der Schule dem Gewerbe der Feinmechanik oder speziell der Uhrmacherei oder der Elektromechanik zuwenden oder nach zurück ­ gelegter Lehre in diesen Gewerben sich theoretisch und praktisch weiter bilden wollen, von Interesse sein, über die Organisation und den Lehrplan dieser Fachschule näheres zu erfahren. Diese Fachschule hat den Zweck, durch praktischen und theoretischen Unterricht in den verschiedenen Zweigen der Feinmechanik einschließlich Uhrmacherei und Elektromechanik für diese Gebiete ebensowohl tüchtige Arbeiters und Werkführer als selbständige Gewerbetreibende heran ­ zubilden. Der Unterricht wird in drei, je am 1. Mai beginnenden Jahres ­ kursen: dem Vorkurs, dem Fachkurs und dem Fortbildungskurs erteilt und umfaßt sowohl theoretische Fortbildung als praktische Unterweisung in den verschiedenen für die Feinmechanik, Uhrmacherei und Elektro ­ mechanik erforderlichen Fertigkeiten. Im einzelnen sind für die Kurse folgende Fächer vorgesehen: 1) Theoretischer Unterricht. Im Vorkurs: Arithmetik, Geometrie, Stereometrie und ebene Trigonometrie, sowie Uebungen in diesen Fächern; Experimentalphysik, Technologie, Freihandzeichnen, Geome ­ trisches Zeichnen, Projektionslehre, Geschäftsaufsätze und Korrespondenz. Im Fachkurs: a. für sämtliche Schüler: Mechanik fester Körper, Technologie und Werkzeugkunde des Uhrmachers und Mechanikers mit Skizzierübungen, Buchhaltung und einschlägige Disziplinen (;. B. Berechnungen über Werkftätteanlagen) und Freihandzeichnen mit Berücksichtigung der äußeren Ausstattung der Uhren; b. für Uhr ­ macher: Uhrenkonstruktionslehre, konstruktive Uebungen in der Uhren- konstruktionSlehre und Mathematik; c. für Fein- und Elektromechaniker: Konstruktive Uebungen in der Mechanik bezw. in der Elektromechanik, Erzeugung, Leitung und Wirkung elektrischer Ströme. Im Fort ­ bildungskurs: a. für Uhrmacher: Uebungen im Berechnen von Uhren für besondere Zwecke und Konstruieren von Spezialmaschinen, kon ­ struktive Uebungen und Mathematik (praktische Uebungen); b. für Fein- und Elektromechaniker: Konstruktive Uebungen aus dem Ge ­ biete der Feinmechanik bezw. der Elektrotechnik, Messung, Umwandlung und Verwendung elektrischer Ströme. 2) Praktischer Unterricht. Im Vorkurs: a. für Uhrmacher: Bearbeitung der verschiedenen Materialien durch Feilen, Drehen, Bohren, Fräsen; Anfertigung von Werkzeugen; Herstellung von Uhren- bestandteilen für Groß- und Taschenuhren: b. für Fein- und Elektro ­ mechaniker: Uebungen in der Bearbeitung der verschiedenen Materialien durch Feilen, Drehen, Bohren, Fräsen; Unterhaltung der Arbeits ­ maschinen; Anfertigung von Werkzeugen und kleinen Apparaten ans dem Gebiete der Feinmechanik oder Elektrotechnik. Im Fachkurs. a. für Uhrmacher: Herstellen, Zusammensetzen, Zerlegen und Justieren von Geh- und Schlagwerken oder von Taschenuhren, Reparaturen; b. für Fein- und Elektromechaniker: Bearbeitung von elektrischen Uhren, Telephonen, Mikrophonen, Bonssolen und anderen Präzistontz- instrunienten nach Zeichnung. Im Fortbildungskurs: a. für Uhr ­ macher: Anfertigung von Uhren für besondere Zwecke, Chronographen, Marinechronometern u. s. w. und schwierige Reparaturen; b. für Fein- und Elektromechaniker: Anfertigung von Präzisions-Instrumenten