SoS f -C urttenM. Uwün§ für WLußwße in Stuttgart. Jahrgang 1900. JSSSM est 7. Inhalt: Vonrag des Baudiieklors von Bok über die von ihm in den Jahren 1850/60 ausgeführten Bauten auf den Lanogestütshöfen Güterstein. St. Johann. Offenhausen uud Marbach. Dortrag des Baudirektors von Bok über die von chm in den Jahren 1850 bis 1860 ausführten Bauten auf den Landgestiitslwfen Güterstein, Zt. Johann, Offenhaufen und Marbach an der Lauter, nebst einigen Mitteilungen aus feiner Studienzeit von 1839 bis 1844. Gehalten in der neunten ordentlichen Versammlung. Mit 2 Figurentafeln. Geehrte Herren Kollegen! Gestatten Sie mir, Sie heute in die Zeit vor 40 bis 50 Jahren zurückzuführen, und Ihnen zu zeigen, welche nicht uninteressante Bauten ich damals im Auftrag der Kgl. Landgestütskommission auf den vier Gestütshöfen Güterstein, St. Johann, Offenhausen und Marbach ausgeführt habe. Es sind sogen, landwirtschaftliche Bauten und es ist als selbstverständlich anzusehen, daß sie ihrem Zweck ent ­ sprechend in der einfachsten und billigsten Weise auszuführen waren. Daher konnte es sich nicht um Bauten handeln, bei welchen der äußeren Architektur irgend eine weitergehende Bedeutung beizulegen war, und mußte ich mit großer Vorsicht zu Werke gehen, da ich mich einerseits dem Vorwurf nicht aussetzen durfte, von der vorge ­ schriebenen Einfachheit abzugehen, anderseits aber doch bestrebt sein mußte, den Gebäuden den erforderlichen charakteristischen Ausdruck zu geben. Es darf hiebei wohl erwähnt werden, daß die Ausführung dieser Bauten in eine Zeit fällt, in welcher die Architektur sehr darniederlag und insbesondere die öffentlichen (Staats-)Bauten in einer Einfach ­ heit ausgeführt werden mußten, die an Nüchternheit grenzt. Einen besonderen Wert habe ich auf die konstruktive Ausbildung der betreffenden Gebäude gelegt, um so mehr als ich in den Jahren 1850/60 als Lehrer für das Fach der Baukonstruktionen an der damaligen Winterbaugewerkeschule thätig war. Eine Besserung der baulichen Thätigkeit trat erst in den Jahren 1860 und später, be ­ sonders in der 70 er Jahren, nach Beendigung des französischen Krieges ein, und wurde eine bessere architektonische Ausbildung der Gebäude einerseits durch den sich hebenden Wohlstand, anderseits durch die Fortschritte in der Technik und in der Ausbildung der Techniker an den technischen Schulen, insbesondere an den technischen Hoch ­ schulen, erreicht. Nun werden Sie, meine Herren, ohne Zweifel die Frage aus ­ werfen, auf welche Weise ich damals in sehr jnngen Jahren — ich war kaum 25 Jahre alt — dazu kam, mit der selbständigen Aus ­ führung der Bauten auf den Gestütshöfen beauftragt zu werden, und da ich diese Frage für ganz berechtigt halte, so bitte ich, mir zu gestatten, mit der Beantwortung derselben zu beginnen. Dazu ist nun nötig, daß ich Ihnen in kurzen Zügen einiges von meiner Laufbahn, bezw. von meiner Studienzeit in den Jahren 1839/44 mitteile. Ich kam im 14. Lebensjahre nach meiner Konfirmation gegen Ende Mai des Jahres 1839 von Bopfingen, wo ich die Volks- und später die Lateinschule besucht hatte, nach Stuttgart in die Realschule. Zur Reise brauchte ich mit einem Einspänner über Aalen, Gmünd, Schorndorf, Cannstatt l 1 /2 Tage. In Cannstatt war gerade die Wilhelmsbrücke im Bau und mußte ich über eine provisorische hölzerne, etwas schwankende Brücke fahren, welche gegenüber dem im Bau begriffenen Wilhelmatheater errichtet war. Bei meiner Ankunft in Stuttgart waren in der Nähe des Neckarthores die Arbeiten zur Ab ­ grabung des Geländes für das Museum der bildenden Künste im Gang. Wäre ich etwas früher nach Stuttgart gekommen, so hätte ich der Enthüllung des Schillerdenkmals beiwohnen können, über welche Herr Stadtbaurat Mayer im März 1893 einen sehr inte ­ ressanten Vortrag gehalten hat (vgl. Heft 4 der Monatsschrift 1893). Nach Ablegung einer Prüfung wurde ich in die Klasse Vb der Realschule aufgenommen, welche damals nur 6 Klassen hatte, also noch nicht zur Oberrealschule ausgebildet war. Es zeigte sich bald, daß es mir in der ebenen Geometrie an den erforderlichen Kennt ­