52 Monatsschrift des Württembg. Vereins für Radkünde in Stuttgart. Nr. 6 den Verein um den Vorzugspreis von 30 M. bezogen werden kann und dass der Vorstand vorbehältlich der Zustimmung der Versammlung beschlossen habe, Pautle zu weiteren Bauern ­ hausaufnahmen (im fränkischen Gebiet) einen Kredit bis zu 200 M. zu gewähren, in der Annahme, dass dieser Betrag ganz oder zum Teil aus den vom Reich bewilligten Mitteln wieder • ersetzt werden könne, schlimmstenfalls aber der Verein das Ganze auf seine Kasse übernehmen müsse. Die Versammlung stimmt dem zu. Hierauf erhält Pautle das Wort zu den auf der Tagesordnung stehenden „Mitteilungen über die zur Zeit in Stuttgart im Bau begriffenen Arbeiter- Protokoll der Hauptversammlung Vorsitzender: von Euting. Nach Eröffnung der Versammlung gibt der Vorsitzende zunächst die Protokolle der beiden letzten Sitzungen (16. März und 13. April) in Umlauf und teilt anschliessend hieran die neuesten Einläufe mit. Von diesen sind hervorzuheben: Die Anzeige der Gründung einer Architektengilde in Hannover, nebst Satzungen und Mitgliederverzeichnis und der von der Kgl. Ministerialabteilung für den Strassen- und Wasserbau ein ­ gegangene Verwaltungsbericht über das Strassenbauwesen pro 1897/99, für welchen genannter Behörde der Dank des Vereins ausgesprochen werden wird. Auf die eigentliche Tagesordnung der Hauptversammlung, die Beratung der Beschlüsse der Bremer Abgeordnetenversamm ­ lung vom September v. Js. über die Vereinszeitschrift, über ­ gehend, gibt der Vorsitzende einen kurzen Ueberblick über die ganze bisherige Entwickelung der Angelegenheit, insbesondere über das derzeitige Verhältnis des Verbandes zum Hannover ­ schen Vereine und bemerkt hiezu, dass angesichts der zu ge ­ wärtigenden pekuniären Inanspruchnahme des Vereins der Vorstand sich für verpflichtet gehalten habe, die Sache der Beschlussfassung einer Hauptversammlung zu unterstellen. Nachdem nun neuerdings der Verbandsvorstand zwei auf die nachträgliche Gutheissung der Bremer Beschlüsse bezügliche Fragen den Einzelvereinen zur Beratung zugewiesen habe, sei der Vorstand der Ansicht, dass der Verein zwar seine Miss ­ billigung über die offenbar nicht im Einklang mit den Satzungen stehende Geschäftsbehandlung des früheren Verbandsvorstands aussprechen, in Rücksicht auf die Lage der ganzen Angelegen ­ heit aber doch die gestellten Fragen in bejahendem Sinne be ­ antworten sollte. Namens des Vorstands beantrage er daher, das nachstehende Schreiben an den Verbandsvorstand gut ­ zuheissen : „Auf die Anfrage des Verbandsvorstands vom 20. Februar d. Js. beehren wir uns, folgendes zu erwidern. 1. Nach unserer Ansicht sind die Bremer Beschlüsse der Abgeordneten-Versammlung vom 1. September 1900 zu Punkt 9 der Tagesordnung die Verbandszeitschrift betreffend unzweifelhaft ungiltig, weil die Bestimmungen des § 22 der Satzungen des Verbandes nicht eingehalten worden sind. Dass die Dringlichkeit des Gegenstandes von der Ab ­ geordnetenversammlung bei einer etwaigen ausdrücklichen Abstimmung hierüber anerkannt worden wäre, ist nicht beweisbar. 2. Der Gegenseitigkeitsvertrag zwischen dem Verband und den Vereinen zu Sachsen und Hannover vom 12.Dezember 1897 besteht noch zu Recht. Da der Vertrag vom Verband gebrochen worden ist, haben die beiden Vereine einen Entschädigungsanspruch gegenüber dem Verband. Für die Entschädigung trifft der § 10 des Gegenseitigkeitsvertrages nicht zu. 3. Da die Bremer Beschlüsse ungiltig sind, ist auch der Vertrag mit der Deutschen Bauzeitung ungiltig. Aber auch ohne diesen Umstand ist der Vertrag schon deshalb formell ungiltig, weil er vom Geschäftsführer des Verbandes nicht unterzeichnet ist. — Wenn wir die in mehrfacher Beziehung ganz unbe ­ friedigende Behandlung der Angelegenheit durch den früheren Verbandsvorstand bedauern müssen, so sind wir doch aus Zweckmässigkeitsgründen geneigt, auf den durch die Bremer Beschlüsse eingeschlagenen Weg fortzuschreiten. Wir wollen also zu Frage 1 die Dringlichkeit und die Bremer Beschlüsse Wohnhäuser“. Diese interessanten Mitteilungen werden von der Versammlung mit lebhaftem Beifalle aufgenommen, dem der Vorsitzende noch den Dank des Vereins anfügt. Mayer gibt im Anschluss an das Vorgetragene noch einige Erläuterungen und wirft sodann einen kurzen Rückblick auf die Entwickelung der Arbeiterwohnungsfürsorge im allgemeinen, besonders betonend, dass Württemberg in dieser Frage seit Jahrzehnten schon stets mit an der Spitze marschiert sei. Da weitere Redner sich nicht zum Worte gemeldet haben, so schliesst der Vorsitzende die Sitzung. vom 18. Mai 1901, abends 8 Uhr. Schriftführer: Laistner. nachträglich als zu Recht bestehend anerkennen. Ebenso wollen wir bei Frage 2 die Dringlichkeit anerkennen und dem Antrag wegen Versehung des Vertrags mit der Deutschen Bauzeitung mit dem Genehmigungsvermerk zustimmen. Nach unserer Ansicht ist es in Verfolgung der Bremer Beschlüsse notwendig, den Gegenseitigkeitsvertrag auf den 31. Dezember 1902 zu kündigen. Endlich fügen wir noch an, dass es ein unläugbares Bedürfnis ist, dass über die Verhandlungen der Abgeordneten- Versammlungen, wie früher, genaue Protokolle geführt werden.“ Mayer dankt dem Vorsitzenden für seine bisherigen Be ­ mühungen in der schwebenden Angelegenheit und bedauert das nicht geschäftsordnungsmässige Vorgehen des früheren Ver ­ bandsvorstandes und den Mangel einer wenigstens alles Wesent ­ liche enthaltenden Protokollführung. Er gibt in Erwägung, ob dieser Mangel in dem vorgeschlagenen Schreiben nicht gleichfalls hervorgehoben werden soll. Mörike hält es für durchaus angezeigt, dass dem Bedauern des Vereins über die Geschäftsbehandlung des früheren Verbands ­ vorstandes Ausdruck gegeben werde. Von Hänel bemerkt, es wolle ihm scheinen, dass angesichts der jetzigen Sachlage der Vorschlag des badischen und olden- burgischen Vereins auf Einberufung einer ausserordentlichen Abgeordnetenversammlung der richtige sei. Der Vorsitzende erwidert hierauf, dass aus Zweckmässig ­ keitsgründen wohl die vorgeschlagene Lösung die empfehlens ­ werteste sei. Da niemand weiter das Wort verlangt, so wird zur Abstimmung geschritten und hiebei das Schreiben des Vorstandes mit 25 gegen 3 Stimmen gutgeheissen. Nachdem noch der Bericht des Ausschusses für die Aus ­ stellung deutscher Ingenieurwerke in Paris in Umlauf gegeben, begrüsst der Vorsitzende die inzwischen erschienen Herren Architekt Manz und Direktor Heilner vom Germania-Linoleum ­ werk in Bietigheim, ersteren als neueingetretenes Mitglied, letzteren als Gastherr, Manz erhält hierauf das Wort zu dem weiter auf der Tagesordnung stehenden Vortrag über die Linoleumfabrik in Bietigheim. Die interessanten Ausführungen des Redners werden mit lebhaftem Beifalle aufgenommen. Der Vorsitzende spricht demselben noch besonders den Dank des Vereins aus und dankt weiterhin Herrn Heiler für dessen freundliche Einladung der Vereinsmitglieder zur Be ­ sichtigung der nunmehr in vollem Betriebe stehenden Bietig- heimer Werke. Damit Schliessen die Verhandlungen. Inzwischen ist die in vorstehendem Protokoll behandelte | Angelegenheit durch Schiedsgerichtsspruch erledigt. Der Ver- bandsvorstand teilt hierüber in einem an die Einzelvereine ge- R richteten Schreiben vom 23. Mai d. Js. folgendes mit: „Am 15. Mai d. Js. hat in Hannover das Schiedsgericht .] in der Streitsache des Vereins zu Hannover gegen den I Verband und den Sächsischen Ingenieur- und Architekten-11 verein in der Zeitschriften-Angelegenheit getagt, wobei der / Verband durch den unterzeichneten Vorsitzenden und den ]! Geschäftsführer, sowie durch seinen Rechtsbeistand vertreten j war. Das Schiedsgericht hat nach Anhörung der Parteien I folgenden Einigungsvorschlag gemacht: 1. Der Gegenseitigkeitsvertrag wird als aufgelöst be ­ trachtet.