Inhalt: Vereinsthätigkeit. — Die neue St. Elisabethen-Kirche in Stuttgart. — Die Verbundkörper aus G. Barkhausen. — Personalnachrichten. im Bauwesen von V ereinsthätigkeit. Am 6. November 1901: Besichtigung der Linoleum werke in Bietigheim. Am 10. November 1901: Besichtigung der neuerbauten Elisabethenkirche am Bismarckplatz unter Führung des Erbauers der Kirche, des Herrn Architekten Ca des. Die neue St. Elisabethen-Kirche in Stuttgart. !Ui HvÄie Zahl der katholischen Einwohnerschaft Stuttgarts (mit , I den Vororten Ostheim, Gablenberg, Berg, Heslach und A nun auch Gaisburg) beträgt zur Zeit rund 27 000 und j ist damit weitaus die grösste katholische Gesamt ­ gemeinde der Diözese Rottenburg. Mit Beginn des Haupt ­ wachstums in den letzten Jahrzehnten trat auch das Bedürfnis für neue und grössere Gelegenheiten zum Gottesdienste auf. Dank der Initiative des Bischöflichen Ordinariats und dem Ent ­ gegenkommen aller beteiligten Behörden und Persönlichkeiten konnten innerhalb der letzten 20 Jahre zu der alten St. Eberhardskirche drei weitere, in Stil und Ausführung tüchtige, wie in den Raumverhältnissen ansehnliche katholische Kirchen erbaut werden, nämlich die gotische Marienkirche, konsekriert 12. November 1879, die im Uebergangsstil gehaltene St. Nikolaus ­ kirche (benediziert 1896, konsekriert 10. April 1899) und die romanische St. Elisabethenkirche, welche, im Frühjahr 1900 begonnen, diesen Herbst vollendet und am 12. November eingeweiht wurde. Ein Blick auf den Stadtplan von Stuttgart zeigt die Not ­ wendigkeit der Einrichtung dieses vierten katholischen Gottes ­ hauses in der schwäbischen Residenz. Die bisherigen drei Kirchen liegen fast in einer geraden Linie von Westen nach Osten in der südlichen Hälfte der Stadt, sämtlich südlich von der Königstrasse. Die nördliche Hälfte, vom Hasenberg bis zur Prag, ein kolossaler Komplex, ermangelt noch der eigenen Gelegenheit zum Gottesdienste, während er mindestens auch zwei Kirchen bedürfte. Bischof Dr. Paul Wilhelm v. Keppler hat nun seine oberhirtliche Thätigkeit damit begonnen, dass er für eine ausgiebige Pastoration der Residenz, so wie sie den bestehenden und mit einer bestimmten Sicher ­ heit auf Jahrzehnte hinein zu berechnenden Verhältnissen ent ­ sprechend erschien, Sorge trug. So kam einerseits der Bau der St. Elisabethenkirche in Fluss und andererseits wurde für eine fünfte Kirche auf der Prag (bei den Unterbediensteten ­ wohnungen der Eisenbahnverwaltung) ein Bauplatz erworben, wodurch den Bedürfnissen der nördlichen Stadthälfte Rechnung getragen ist. Zum Bau der Elisabethenkirche hat die hochherzige Stiftung des Herrn Konsuls S (er stiftete aus Anlass des Todes seiner Tochter 100 000 M., welcher Spende er bereits noch weitere Gaben zugelegt hat) die erste Anregung gegeben; der königl. katholische Kirchenrat kaufte mit bischöflicher Ge ­ nehmigung aus Mitteln des Interkalarfonds das schöne Areal von 69 m Länge und 34,5 m Breite, also annähernd 2400 Om Flächengehalt, auf dem Bismarckplatz, nicht weit von der Moltkekaserne, um ca. 93 000 M., und der Bischof sorgte durch Eintreten für den Rest der Bausumme wie durch Berufung und Beauftragung des Architekten J. Gad es in Stuttgart in ener ­ gischer Weise dafür, dass der Bau in bäldester Frist begonnen werben konnte. Der Auftrag, welcher 1899 erteilt wurde, ging dahin, die Kirche solle in romanischem Stil errichtet werden, 800 Sitz- und Knieplätze fassen und die Summe von 270 000 M. nicht überschreiten. Nachdem die sehr bedeutenden Fundamentierungsarbeiten zu Ende geführt waren, erhob sich der stattliche Kiichenbau rasch, sodass er noch vor Winter 1900 unter Dach kam. In diesem Jahre erfolgte der Ausbau des Innern und des Turmes und die Fertigstellung der notwendigen Ausstattung. Für die Grundrissanlage der Kirche wurde vom Bischof das in Laach zuerst auftretende gotische System mit recht ­ eckigen Gewölbjochen gewählt. Der Bedeutung des Gottes ­ hauses entsprechend und der äusseren Gruppierung der Massen wegen ist auch das Querschiff von dort herübergenommen worden. Der Architekt ging von dem Grundsatz aus, von den konstruktiven Errungenschaften der französischen Gotik, wo immer nur angänglich, Gebrauch zu machen und den roman ­ ischen Stil in der Hauptsache auf die Dekoration des Aeussern zu beschränken. Die Anlage repräsentiert als gewölbte Basilika eine für schwäbische Verhältnisse bedeutendere Pfarrkirche, ihren Dimen ­ sionen nach die meisten Stuttgarter Kirchen aus neuerer Zeit überragend. Um für die Orgelempore genügend Raum zu ge ­ winnen, ist das Mittelschiff gegen Westen über das Jochsystem um 2,0 m verlängert worden, der einspringende Winkel jedoch durch einen über das Hochwerkgesims reichenden, die Ecke markierenden Treppenturm ausgefüllt. 22. Dezember 1901. Heft 9. Jahrgang 1901.