18 Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart. Xo. 3 i dem türkischen Ministerium abgeschlossen hat, ist insbesondere hervorzuheben, dass ein Rückkaufsrecht nach 30 Jahren vor ­ behalten wurde, dass die Konzession nach 99 Jahren erlischt, dass der Gesellschaft auf 20 km Breite beiderseits der Bahn ausschliessliches Bergwerksrecht eingeräumt und dass ihr 15,000 Fcs. kilometrische Roheinnahmen seitens der türkischen Regie! ung garantiert wurden und dass die Garantiesumme durch Verpfändung des Zehnten in den durch die Bahn erschlossenen Bezirken gewährleistet wurde. Die zahlreich ausgestellten Photo ­ graphien und Arbeitszeichnungen der Brücken, die sich durch grosse Felderweite und hauptsächlich dadurch vorteilhaft vor andern auszeichnen, dass für jeden einzelnen Fall die günstigste Form der Gurtung oder des Bogens zuvor berechnet wurde, gaben, im Verein mit den lebhaften Schilderungen der un ­ geheuren Schwierigkeiten bei der Anfuhr der Eisenteile und bei ihrer Zusammenfügung an Ort und Stelle ein anschauliches Bild der Umsicht und Trefflichkeit der Bauleitung. Wegen der vor ­ gerückten Stunde musste sich der Redner bei den nun folgenden Mitteilungen über die von ihm berechneten und teilweise auch ausgeführten gewölbten Brücken von F/sass-Lothringen bedauer ­ licherweise kurz fassen. Er schloss sich bei der Projekt ­ aufstellung den bahnbrechenden Brückenbauten unserer schwäb ­ ischen Heimat (Munderkingen, Inzigkofen) an und führte ins ­ besondere an den Brückengelenken und ihrer Festlegung während der Bauausführung einige Verbesserungen ein. Der sehr anziehende und lehrreiche Vortrag wird mit leb ­ haftem Beifalle aufgenommen. Der Vorsitzende nimmt noch besonderen Anlass, dem Redner den Dank des Vereins für das Gebotene auszusprechen. 6 ° Die neueren Bauten des Vereins für das Wohl der arbeitenden Klassen in Ostheim und Westheim. Nach einem Vortrag von Regierungsbaumeister Bökien in der 5. ordentlichen Versammlung vom 12. April 1902. B Sie Anfänge der Arbeit er kolonie Ost heim reichen pj 1 zurück bis in die Jahre 1890—1891, als der Verein für || das Wohl der arbeitenden Klassen einen öffentlichen fj Wettbewerb zur Erlangung von Plänen ausschrieb. Das Ergebnis war ein sehr günstiges und es wurde auf Grund des zurückzusetzen, wodurch erreicht wurde, dass nur die Fa^aden- mauem eine tiefere Fundation bis zu 14 m unter der Strasse benötigten, während die Hinterseite 3 m tiefe Fundamente er ­ halten konnte. Die Gebäude wurden auf möglichst wenige Pfeiler aufgesetzt, die mit Betonbögen überspannt wurden. An Fig. 1. Wettbewerbs die Firma Heim & Hengerer, später Heim & Sipple, mit der Erbauung der Häuser beauftragt, deren Anzahl sich im Jahre 1898 auf ca. 250 belief. Nachdem ein Stillstand einge ­ treten war und von Neuem gebaut werden sollte, übertrug der Verein der Firma Bökien & Feil eine Anzahl von Häusern, etwa 94, zur Ausführung, mit welchen er die Kolonie zum Abschluss zu bringen gedachte. An einem äusserst gesunden, flach geneigten Abhang gegen das Neckarthal links vom Kanonenweg gelegen, wird die Kolonie begrenzt von der Alfred- und Rothenbergstrasse, während als eine weitere Verbindungsstrasse die Raitelsbergstrasse in diesem Baugelände eingeordnet worden ist. Nur ein kleiner Teil ist südlich vom Kanonenweg und umfasst etwa 26 Baunummern, von denen sich sieben an der Lehmgrubenstrasse befinden. Die Rothenbergstrasse liegt auf einer von beiden Seiten steil abfallenden Klinge, welche durchschnittlich 6 m tiefer als die umliegenden Strassen war. Bei näherer Unter ­ suchung des Baugrundes ergab sich, dass die Sohle des kleinen Wasserlaufes, der sich dort befand und zum Teil noch befindet, lauter angeschwemmtes Land ist und dass ein fester gewachsener Grund erst in einer Tiefe von weiteren 5—8 m zu finden ist. Da die hiedurch entstehenden hohen Gründungskosten für die an dieser Strasse zu erstellenden Gebäude eine zu niedere Rente ergeben hätten, selbst wenn ein Teil der Kosten auf die Ge ­ bäude mit normaler Fundation verteilt worden wäre, so beschloss die Vereinsleitung, die betr. Bauten um 3 m hinter die Baulinie einigen Gebäuden hielt man es mit Rücksicht auf etwaige Setz ­ ungen für ratsam, Eisenträger über den Bögen einzubetonieren, wodurch die Mauern einen kräftigeren Rückhalt bekamen. Die an dieser Strasse entstandenen hohen Baukosten suchte man ferner dadurch etwas auszugleichen, dass man etwas grössere Gebäude, als sonst beim Verein üblich ist, erstellte; es konnte dies mit Rücksicht auf die grosse Strassenbreite von 28 m auch unbedenklich geschehen. Hinter jedem Haus ist ein kleiner Garten vorgesehen, der von den Bewohnern beliebig angepflanzt werden darf. Da jedoch in dem Quadrat zwischen Alfred- und Raitelsbergstrasse noch Raum übrig war, so wurde dieser zu einem grossen Spielplatz von 40 m Breite und 80 m Länge bestimmt. Im Laufe des Jahres soll mit der Bepflanzung des ­ selben begonnen werden. Infolge dieser weiträumigen Anlage erhalten die Anwohner vorzügliche Luft und reich ­ liches Licht, ein Umstand, der in den Gesundheitsverhältnissen wohl ebenso zum Ausdruck kommen wird wie bei Alt-Ostheim. > Im Baugelände des Vereins besteht fast durchaus die Vor ­ schrift, dass nicht höher gebaut werden darf als 17 m. Wäh- .1 rend Alt-Ostheim viele zweistöckige und noch mehr 2^ stockige und nur an den Ecken 3^ stockige Gebäude erhielt, sprachen [J in den letzten Jahren mehrere Gründe dafür, durchaus 3*^ Stock- j werke hoch zu bauen und nur ausnahmsweise sich mit 2 1 / 2 Stock | zu begnügen. Die Vereinsleitung hat den Entschluss, ein wei- u teres Stockwerk einzulegen, erst dann gefasst, als sie durch die höheren Grundbaupreise keine Möglichkeit mehr sah, mit