34 No. 6 Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart. Metallblechschirmen — gewöhnlich 7 cm — zu durchfallen brauchen, um sich auf der Oberfläche des unteren abzusetzen. Die Sedimentierung wird weiterhin noch dadurch begünstigt, dass durch die Anzahl der vorhandenen Klärschirme eine Strom ­ teilung und damit eine Verminderung der Strömungsgeschwindig ­ keit des Abwassers eintritt. Das Schmutzwasser wird von der Umlaufrinne des Brunnens aus zugeführt, indem man diese überlaufen lässt oder die an ­ schliessenden Rohre benutzt. Ist der Brunnen gefüllt, so senken sich zunächst die gröberen Schlammteile in dessen trichter ­ förmigem unteren Teil ab; die feineren lagern sich auf den Klärschirmen ab und rutschen, nachdem sie sich als kompaktere Masse angesammelt haben, herunter, um sich ohne wesentliche Zerteilung ebenfalls am Boden des Brunnens zu sammeln. Nach Bedarf wird der abgesetzte Schlamm aus den Brunnen ohne Unterbrechung des Betriebes entfernt. Dies geschieht bei oberirdischen Brunnen durch Oeffnung eines breiten Fussventils, wobei der tiefste Punkt des Brunnens mit einem als kommuni ­ zierendes Gefäss konstruierten leeren „Nebenbrunnen“ in Ver ­ bindung tritt, in welchen sich demnach der Schlamm so lange ergiesst, bis die Wasserspiegel in beiden Brunnen die gleiche Höhe erreicht haben. Bei gemauerten Tief ­ brunnen wird die Beseitigung des Schlammes zumeist durch eine sogen. „Vakuumentleerung“ bewerkstelligt. Der Schlamm wird hier ­ bei von einem ober ­ irdisch gelagerten oder teilweise ver ­ senkten Schlamm ­ kessel (k) durch das Rohr (r) angesaugt, nachdem in dem ­ selben vorher eine Luftverdünnung her ­ beigeführt worden ist. Zweckmässigbewirkt man die Evakuierung des Schlammkessels durch Kondensation von Wasserdampf und zwar in der Weise, dass man den von der vorher ­ gehenden Reinigung des Brunnens her ­ rührenden Schlamm nach Schliessung des Hahnes am Rohre (r) mit Dampfdruck (aus dem Dampfrohr [d]) zum Rohr (h) hinausdrückt und hierauf sämtliche Hähne des Schlammkessels für kurze Zeit schliesst, um durch Abkühlung die Kondensation des Dampfes einzuleiten. Nach Oeffnung des Hahnes vom Rohr (r) bewirkt das eintretende Schlammwasser vollständige Kondensation und steigert die Saugwirkung. Im Schlammkessel selbst scheidet sich der nunmehr verdichtete Schlamm leicht vom Wasser ab und tritt bei dessen Entleerung, die in 24 Stunden einmal oder wenigemale stattzufinden braucht, zuerst aus, sodass er von dem mitgerissenen Wasser getrennt werden kann. Bei beiden Arten der Schlammbeseitigung aus dem Klär ­ brunnen tritt gleichzeitig eine Reinigung der Klärschirme ein, indem mit dem Sinken des Wasserspiegels der Schlamm von den Fächern der Schirmbatterie abgleitet. Dieses Verfahren ergibt eine thunlichst grosse Klärfläche auf kleinem Raum. Mit der Verkürzung des Weges, welchen ein Schlammteilchen durchlaufen muss, bis es auf einer Unter ­ lage zur Ruhe kommt, wird der Klärvorgang beschleunigt. Eine weitere Erfindung von Riensch war ebenfalls als Modell ausgestellt, bei welcher die Sink- und Schwimmstoffe des Abwassers mechanisch durch eine Seihvorrichtung ab ­ geschieden werden. Die Vorrichtung (Fig. 5a u. 5b) wird als Filterrechen ­ apparat bezeichnet und hat den Zweck, aus städtischen und industriellen Abwässern die mitgeschwemmten festen Körper bis zu einem gewissen Durchmesser herab ohne menschliche Hülfe kontinuierlich abzufangen, sowie eventuell diese Stoffe in genügend abgetröpfeltem, transportfähigem Zustande auf Wagen oder dergleichen zu verladen. Der Filterrechenapparat besteht aus einem in den Abwasser ­ kanal eingebauten, oben offenen, eisernen Kasten (A, B, C, D), in welchen das Abwasser von a her einströmt und gegen das von der Kanalsohle aus in schräger Richtung aufsteigende Sieb (b) Hiesst. Dieses Sieb besteht aus Drähten oder Bändern, welche auf einem starken Metallgussrahmen harfenartig straff aufge ­ zogen sind. Das Abwasser Hiesst durch die Zwischenräume hindurch, welche je nach Bedürfnis schmäler oder breiter ge ­ wählt werden können. Es werden hierdurch die festen Körper, welche grösser sind, von dem Gitter zurückgehalten. Bei städtischen Abwässern werden Zwischenräume von 3-2 mm Breite empfohlen. Wählt man die Gitterfläche genügend gross, dass sie auch nach einiger Belegung mit Schwimms'.offen das Abwasser noch ohne erheblichen Rückstau durchlässt, so werden zufolge des entstandenen Belages noch feinere Körper abgefangen. Die auf der Gitterfläche liegen gebliebenen Stoffe werden durch Bürsten oder Kämme (c), welche mittels der rotierenden Arme (d) darüber hinbewegt werden, nach dem oberen Ende des Gitters geschoben und weiterhin bis über die Wasserober ­ fläche emporgehoben. Hierbei wird ein unzweckmässiger Druck der Reinigungsvorrichtung (Bürsten oder Kämme) auf das Gitter durch Zwangsführung der ein- und ausschiebbaren Tragarme (d) mittels der Rollen (e) und der Schienen (f u. f,) vermieden. Die Reinigung des Gitters erfolgt vollständig, da dieses keine Querbänder, sondern nur Längsbänder besitzt. Die Breite der Tragefläche (g) der Bürsten ist so bemessen, dass ein Zu ­ rückgleiten der Schmutzstoffe während des Emporhebens ver ­ hindert ist. Ist ein Tragearm in der horizontalen Lage ange ­ langt, so wird die Tragoberfläche und die Bürste durch den Abstreicher (h) gereinigt. Die Bewegung des letzteren regelt sich durch den Exzenter (i) und das Gewicht (k) derartig, dass der Abstreicher langsam zurückbewegt wird und in dem Augen ­ blick, wo er die Bürsten berührt, vorwärts schnellt und die ab ­ gefangenen Unratstoffe auf ein Transportband (1) wirft. Dieses Transportband (an dessen Stelle auch eine Schnecke oder ein anderes geeignetes Fördermittel treten kann) besteht aus Stahlblechen, welche hach Art der Helmschuppenketten nur an einer Kante befestigt sind, jedoch nicht über einander greifen, sondern in der horizontalen Lage einen feinen Spalt zwischen sich frei lassen. Bei der langsamen Vorwärtsbewegung des Transportbandes findet das dem Schlamm anhängende Wasser Zeit, teilweise durch diese Spalten abzusickern, sodass die Schmutzstoffe einen verladbaren Zustand angenommen haben, wenn sie am Ende des Bandes angelangt sind. Wenn die Kanal- resp. Kastensohle hinter dem Filterrechen horizontal verliefe, so würde sich in dem entstehenden Winkel feiner Sand in immer wachsendem Masse ansammeln und schliesslich die Wirkung des Gitters beeinträchtigen. Es muss sich daher an den Rahmen eine Vertiefung (m) unmittelbar an- schliessen, welche als Sandfang dient. Der sich ansammelnde Sand wird aus diesem trichterförmigen Raum durch das Rohr (n) mittels einer Pumpe oder einer anderen geeigneten Vorrichtung kontinuierlich entfernt. Dieses Reinigungsverfahren bezweckt, die festen Körper dem Abwasser zu- entziehen, ehe sie in Fäulnis übergehen können. Der Schlamm verliert dadurch nicht an seinem Wert als Dünger, andererseits wird eine Vermehrung gelöster Stoffe im Abwasser hintan gehalten. Allerdings werden gelöste Stoffe von dem Verfahren nicht betroffen; man wird daher bei der Einleitung des geklärten Abwassers mit der Art des Vorfluters rechnen und nach Umständen auf die Beseitigung der gelösten organischen Bestandteile des Abwassers Bedacht nehmen müssen. (Fortsetzung folgt.) Herausgeg. v. Württb. Verein f. Baukunde. — Redaktion: Reg.-Baumeister Schury, Stuttgart. — Verlag: Südd. Verl.-Anst, G. m. b. H , München. Druck: G. Franz’sche Hofbuchdruckerei (G. Emil Mayer), München.