54 Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart. Nr. 5 und 6 Reihen um 3 mm gesenkt. Etwa vier Wochen nach Gewölbe ­ schluss wurden, nachdem die Pfeiler und die Anken über den gefährlichen Fugen entsprechend ausgemauert waren, die Lehrbogen soweit gesenkt, dass die Gewölbe ganz auf den Wider ­ lagern ruhten. Damit wurde bezweckt, dass die Gelenkquader all ­ mählich Druck erhielten, der Beton des Gewölbes unter Druck erhärtet ist und dass sich Gelenke und Beton vor dem vollständigen Erhärten den nach Senkung des Lehrgerüstes an sie heran ­ tretenden Beanspruchungen anpassen konnten. Die Senkungen und Bewegungen des Lehrgerüstes wurden fortwährend beobachtet. Die Gesamtsenkung war zu 100 mm berechnet und bei der Herstellung der Lehrbogen in diesem Masse berücksichtigt. Es trat aber nur eine Gesamtsenkung von rund 50 mm ein, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die Gerüste in sehr sorgfältiger Weise erstellt, alle Stirnflächen der Gerüst ­ hölzer mit starkem Eisenblech gegen Einbeissen geschützt und die Betongewölbe in sorgfältigster Weise eingestampft wurden. Senkungen der Pfeiler konnten nicht festgestellt werden. Die Berührungsflächen der Gelenke haben sich schon nach dem ersten Nachlassen der Senkschrauben vollständig geschlossen so dass auf die ganze Länge der Gelenkfugen kein Lichtschimmer mehr beobachtet werden konnte. Nach vollständiger Fertigstellung der Brücke hatte die Berührungsfläche, soweit es erhoben werden konnte, eine Breite von rund 8 cm, die Beanspruchung der Ge ­ lenkquader betrug somit im Mittel, an den Berührungsflächen rund 280 Atm., also zwischen Vi und Vs ihrer Bruchfestigkeit. Die Fertigstellung des Ankenmauerwerks und der Brücken ­ tafel, der Cementmörtelverputz der Brückenstirne erfolgte ohne weitere Schwierigkeiten. Die Laibung der Brückenbogen wurde so belassen, wie sie nach Entfernung der Schalung war. Die Bogenstirnen, mit Bunt ­ sandsteinmehl rot gefärbt, wurden geprellt, jedoch nur wenige Millimeter tief. Die Stirnzwickel wurden mit Cementmörtel, dem Kornsteinmehl zur Färbung beigesetzt wurde, bestrichen, ab ­ geschabt und hernach mit einem Spritzwurf aus denselben Mate ­ rialien versehen, die Bossen der Lisenen wurden geprellt, die ebenen Flächen scharriert oder gestockt, so dass der Beton nur bei genauer Untersuchung vom natürlichen Stein unterschieden werden kann. Der Gewölbrücken in den Entlastungshohlräumen und der Boden dieser Räume in den Pfeilern wurde mit einem zweimaligen Siderostenanstrich gedichtet, ebenso der Glattstrich der Beton ­ unterlage der Brückentafel; es ist dadurch eine sehr gute Dichtung erzielt worden. Die Wärmefugen wurden an den Widerlagern mit einer in den Beton fest verankerten Eisenkonstruktion abgedeckt. Sie be ­ steht unter der Fahrbahn und zwar an den Widerlagern aus einem starken, oben abgehobelten Winkel, am Gewölbe aus einem Winkel mit darüber genieteter starker Eisenplatte. Die letztere ist vorne scharf und etwas nach unten abgebogen, bei der Ausdehnung der Gewölbe schiebt sie deshalb Staub und Schmutz vor sich her und hält den Winkel rein. An den Gehwegen konnte die Abdeckung aus Flacheisen, die in ähnlicher Weise angeordnet sind, erstellt werden, weil hier die Befestigung in Granit und scharfkantigen Kunststeinen erfolgen konnte. Die Scheitelfuge der Gelenkquader ist mit einem Flacheisen überdeckt worden. Die Brückenfahrbahn wird durch die in Cementmörtel erstellten Kandel nach beiden Seiten der Brücke entwässert. Um das Ein ­ dringen des Wassers in die Wärmefuge möglichst zu verhindern, sind noch kleine Schächte vor derselben angebracht, die durch Abfallröhren mit den Entwässerungsröhren der Entlastungsräume des Gewölbs verbunden sind. Die Entwässerung der letzteren ist planmässig erstellt. Die Entlastungsräume der Ortpfeiler sind rückwärts in Trockenmauern hinter den Pfeilern entwässert. Die Brücke samt ihren Zufahrten wurde in U/s Jahren fertig gestellt. Ein nennenswerter Unfall ist bei dem Bau nicht vor ­ gekommen, auch wurden die Bauarbeiten durch Hochwasser und Eisgang nicht geschädigt. Die Brücke wurde am 6. April von Sr. Majestät dem König dem Verkehr übergeben. Durch den Bau der Hochberger Brücke ist der Nachweis erbracht, dass durch die Anordnung von Granitgelenken mit ge ­ schliffenen Berührungsflächen die Vorteile der Gelenke auch für mehrbogige weitgesprengte Stein- und Betonbrücken nutzbar ge ­ macht werden können, ohne dass Einlagen von Blei oder Eisen- konstruktionen für die Gelenke notwendig sind. Die Ausführung ebener Berührungsflächen für den als Kämpfer dienenden Gelenkquader ist besonders vorteilhaft. Die Auflager ­ flächen können beinahe mathematisch genau hergestellt werden und kleine Senkungen der auf den Lehrgerüsten liegenden zylindrisch bearbeitenden Gelenkquader sind ungefährlich. Es empfiehlt sich jedoch, die nicht geschliffenen Teile dqr Gelenkfugen mehr, als es in Hochberg geschehen ist, zurückzu ­ setzen, um die Entfernung von Sand, Staub, Cement usw. aus der Fuge zu erleichtern. Entwurf einer Bauordnung. Bearbeitet im Kgl. Ministerium des Innern. Unter diesem Titel ist die Veröffentlichung des im Kgl. Ministerium des Innern bearbeiteten Entwurfs für eine neue Bauordnung (Verlag von Kohlhammer, Stuttgart, 1903, Preis 20 Pfg.) erfolgt, mit dem Zwecke, auch weiteren Kreisen Ge ­ legenheit zur Geltendmachung von Wünschen oder Einwendun ­ gen vor dessen endgültiger Aufstellung und Einbringung an die gesetzgebenden Körperschaften zu geben. Von dieser Gelegenheit ist denn auch ein reichlicher Ge ­ brauch gemacht worden, und in der Presse hat die Erörterung des Entwurfs seinerzeit einen breiten Raum eingenommen. Der Verein für Baukunde wurde seitens des Kgl. Ministeriums offiziell aufgefordert, den Entwurf seinerseits einer Beratung und Begutachtung zu unterziehen und eventuell Aenderungsvor ­ schläge zu machen, worauf derselbe in seiner V. Ordentlichen Versammlung am 26. März d. Js. beschlossen hat, dieser Auf ­ forderung zu entsprechen. Demgemäss wurde in vorerwähnter Versammlung eine aus den nachgenannten Mitgliedern bestehende Kommission gewählt: Professor Oberbaurat Mörike, Vorsitzender; Oberbaurat Eisenlohr; Architekt Feil; Baurat Gebhardt; Regierungsbaumeister Hofacker; Stadtbaurat Mayer; Oberbaurat N e u f f e r; Oberbaurat Walter; Regierungsbaumeister W o 1 z. Diese Kommission hat den Entwurf durchberaten und am 8. Juni dem Verein Bericht über das Ergebnis erstattet. Der Kommissionsbericht nebst Begründung der Aenderungsvorschläge sind nachfolgend zum Abdruck gebracht. Der Verein selbst hat über die Vorschläge der Kommission in der VII. ordentlichen Versammlung am 11. Juni (zu vergleichen das Protokoll über diese Versammlung) Beratung gepflogen und den Anträgen einstimmig zugestimmt. Zu Artikel 25 des Ge ­ setzentwurfs wurde jedoch beschlossen, zu erklären, dass der im neu vorgeschlagenen Satze des Absatzes 3 bezüglich der Giebelaufbauten etc. an der Strasse gebrauchte Ausdruck —■ „Durchschnitt ihrer Fläche“ — so zu verstehen sei, dass der Flächeninhalt der Aufbauten in ein Rechteck von der in Betracht kommenden Strassenfrontlänge verwandelt und die Höhe dieses Rechtecks in die zulässige Gebäudehöhe eingerechnet werden soll. Von den 83 Artikeln des Entwurfs wurden nur bei 16 der ­ selben mehr oder weniger einschneidende Aenderungsvorschläge gemacht, deren Begründung dem Kommissionsbericht zu entnehmen, j welchem auch zum Vergleiche die Fassung des Entwurfs der betreffenden Artikel beigedruckt ist. Der Kommissionsbericht nebst Begründung wurde am 16. Juni d. Js. an das Kgl. Ministerium des Innern eingereicht und lautet wie folgt: