Die logischen Ichbegriffe '7 2 Hamburger, Logik beide Theorien lösen sich darum in Tautologien auf. Worin sich die Sprache der Dichtung von der Sprache der Wirklichkeit unterscheidet, kann nur er ­ kannt werden, indem man nicht nur die Sprache selbst anschaut, sondern hinter oder unter sie sieht. Erst die Struktur, die dann zutage tritt, zeigt an, auf welche, und zwar auf welche unterschiedliche Weise die Dichtung sich zur Wirklichkeit verhält. Erst damit stellt sich dann auch die Begriffsbildung Dichtung und Wirklichkeit in ihrem totalen Sinne her, ist sie nicht nur auf die mimetischen Arten bezogen, sondern begreift auch die Lyrik ein, derart daß sowohl die Phänomenologie der Dichtung wie die der Wirklichkeit sich wechselseitig erhellen und herauskonturieren. Hiermit ist schon angedeu ­ tet, daß gerade die Bedeutungsnuance des Vergleichs, die in der vieldeutigen Begriffsbildung enthalten ist, von Wichtigkeit für diese Untersuchung ist. Weil das sich in der Sprache manifestierende »Vorstellen«, wie Hegel fest ­ gestellt hat, »auch außerhalb der Kunst (Dichtkunst) die geläufigste Weise des Bewußtseins ist«, ist der ständige Vergleich der dichtenden mit der nicht-dichtenden, der ‘prosaischen’ Sprache das gebotene methodische Mit ­ tel, die Struktur der Dichtung (als Gesamtphänomen) zu erarbeiten. ii. Die logischen Ichbegriffe Wir wollen uns den Zugang zu der verborgenen Struktur der Dichtung mit Hilfe dreier Beispiele eröffnen. Beispiel i: Die Luft ging durch die Felder, Die Ähren wogten sacht, Es rauschten leis die Wälder, So sternklar war die Nacht. Beispiel 2: Mitten im Geläute von zehn kleinen Glocken ging es durch eine lange Lindenallee — der Schlitten bog aus und da war der Schloßplatz, eingefaßt von den kleinen Seitenflügeln des Schlosses. Dort aber, wo vier Treppen mühsam und schwer aus dem Schnee des Platzes zur Terrasse hinaufstiegen und wo diese Terrasse, von einem vasengeschmückten Geländer begrenzt, auf das Schloß vorzubereiten glaubte, dort war nichts, nichts als ein paar schneeversunkene Büsche, und Himmel, grauer, zitternder Himmel, aus dessen Däm ­ merung sich fallende Flocken auslösten. Beispiel) : Die Mittagssonne stand über der kahlen, von Felshäuptern umragten Höhe des Julier- passes im Lande Bünden. Die Steinwände brannten und schimmerten unter den stechenden senkrechten Strahlen. Zuweilen, wenn eine geballte Wetterwolke emporquoll und vorüber ­ zog, schienen die Bergmauern näher heranzutreten und die Landschaft verengend, schroff