33 gewerbes seit der internationalen Ausstellung des Jahres 1862 in London das Interesse des Publikums derartigen Altertümer-Sammlungen mächtig sich zugewendet hatte. Bei der Beantwortung derselben kam erstlinig in Betracht, dass in Württemberg eine Sammlung kunstgewerblicher Gegenstände aus früheren Zeiten in der Sammlung vaterländischer Kunst- und Altertumsdenkmale in Stuttgart bereits besteht, dass diese ihre Erwerbungen auch auf nicht schwä ­ bische Erzeugnisse auszudehnen begonnen hatte, dass die beiden Museen verschiedenen Ministerien und Verwaltungen unterstellt sind und eine Ver ­ einigung der kunstgewerblichen Abteilung der »Altertümer-Sammlung« mit unserem Museum nicht eingetreten war, ein konkurrierendes Nebeneinander ­ arbeiten zweier Museen mit derselben Aufgabe auf dem gleichen Platze aber bei der Grösse des Landes ebensowohl wegen der Kosten als auch aus anderen naheliegenden Rücksichten als unthunlich erschien. Aber auch abgesehen von diesen vielleicht zum Teil vorübergehenden Gründen konnte sich das grosse Kollegium der K. Zentralstelle, in welchem die Industrie des ganzen Landes vertreten ist, zu einer Verwandlung des Musterlagers in ein Kunstgewerbemuseum mit ausschliesslich oder auch nur vorwiegend alten Gegenständen nicht entschliessen, denn es wäre dies gleichbedeutend gewesen mit einem Verlassen der Grundlage, auf welcher unser Museum sich aufgebaut hatte. Hiezu lag nach den gemachten Er ­ fahrungen kein Anlass vor. Unser Museum ist stets ein Mittelpunkt der gesamten staatlichen Thätigkeit zur Förderung von Gewerbe und Handel, nicht bloss im Interesse der künstlerisch höheren Stufen gewerblicher Arbeit, sondern ganz besonders auch der unteren gewesen, und man hätte es im Lande gar nicht begriffen, warum, zumal in jetziger Zeit, nicht auch für den einfachen Handwerker mittels der durch ein technologisches Museum ermöglichten Anregung und Belehrung gesorgt werden wolle. Damit war die Erhaltung unseres Museums in seinem bisherigen Cha ­ rakter als eine Pflicht der Regierung gegeben, und wenn auch bei der zu ­ nehmend vielseitigeren Entwicklung der Gewerbe die der Zentralstelle damit zufallende Aufgabe als eine immer schwieriger zu erfüllende sich darstellt, so konnte es doch nicht unsere Sache sein, die Umwandlung des Museums in eine für ihre Thätigkeit nach manchen Richtungen bequemere Form, bei welcher es sich vorzugsweise um die Erwerbung alter kunstgewerblicher Gegenstände nach Kaufsgelegenheit und paraten Mitteln handelt, zu bean ­ tragen, sondern vielmehr neuen Mut zur Erfüllung der grossen Aufgabe zu fassen. Ein solcher Entschluss war der in der Hand des Vorstands der K. Zentralstelle liegenden Museumsdirektion dadurch einigermassen erleichtert, dass die K. Zentralstelle durch ihre vielseitige Thätigkeit in den regsten Be ­ ziehungen zu den Gewerbetreibenden steht und die Bedürfnisse derselben kennen zu lernen Gelegenheit hat. Diesen zu dienen, genügt es aber nicht, wenn die Gegenstände eines Museums dem Publikum nur hinter den Gläsern gezeigt, sie müssen den- 3